Prozess

Wegen Messerattacke Angeklagte rasten nach Schuldspruch aus

Tatort Röbbeck: Vor dem Saunaclub (Bildmitte, oberhalb des Rapsfeldes) griffen die beiden Männer ihr Opfer an und stachen zu. Dafür müssen beide nun lange ins Gefängnis.

Tatort Röbbeck: Vor dem Saunaclub (Bildmitte, oberhalb des Rapsfeldes) griffen die beiden Männer ihr Opfer an und stachen zu. Dafür müssen beide nun lange ins Gefängnis.

Foto: Hans Blossey

Wuppertal.   Nach einer Messerattacke vor einem Saunaclub in Velbert ist der Prozess zu Ende gegangenen. Doch nach dem Schuldspruch eskaliert die Lage.

Mit neuen Straftaten im Gerichtssaal ist der Prozess um eine beinahe tödliche Messerattacke an einem Velberter Saunaclub zu Ende gegangen. Die beiden 24 und 28 Jahre alten Angeklagten aus Essen randalierten, verletzten einen Justizwachtmeister, beschimpften den Vorsitzenden Richter im Landgericht Wuppertal mit „Sie sind ein Nazi!“ und das ganze Gericht als „Nazipack“. Nach dem Schuldspruch wegen versuchten Totschlags verhöhnte der Jüngere noch das Opfer: „Acht Jahre? Für was? Für einen Scheiß-Nigger? Das ist keine Gerechtigkeit!“

Eine Bewährung ist bei dieser Strafe ausgeschlossen

Die Strafe beträgt acht Jahre Gefängnis für den 24-Jährigen und achteinhalb Jahre für seinen älteren Mitangeklagten, der vorbestraft ist. Bewährung ist ausgeschlossen. Laut Feststellungen griffen beide am Morgen des 16. April 2017 als Gäste eines Clubs in der Röbbeck einen anderen Besucher an: Der Ältere habe das Opfer auf dem Parkplatz zu Fall gebracht und ihm einen brutalen Stich in den Rücken verpasst. Der Jüngere habe 27 Mal auf den Mann eingestochen, der bereits stark blutete und auf dem Boden lag. Die gesamte Tat filmten Sicherheitskameras des Clubs. Vorangegangen war eine Massenschlägerei unter den Beteiligten und weiteren Gästen in und vor dem Lokal.

Angeklagter zerstört Holzpforte mit einem Tritt

Beide Angeklagte schloss das Gericht von der Sitzung aus, nachdem sie dem Vorsitzenden Richter ins Wort gefallen waren und ihr Verhalten völlig ausuferte. Ein Wachtmeister erlitt leichte Verletzungen, als ihn eine schwere, hölzerne Pforte an einem Schienbein traf, die der jüngere Angeklagte abtrat. Eine Zuschauerin aus der Familie war sichtlich fassungslos, als sie ihn so ausrasten sah.

Als das Gericht schließlich fortsetzte, merkte Richter Robert Bertling an: „Es tut mir Leid, dass sie das hier jetzt nicht selbst hören können. Ich hätte ihnen gern einiges gesagt.“ Die Tat sei unfasslich. Der Jüngere hätte als „Selbstvollstrecker“ Rache ausgeteilt für frühere Schläge. Auslöser für die Prügelei zuvor im Club dürfte letztlich ein banaler Streit um Platz in der Umkleide gewesen sein.

Gericht hatte Sicherheitsvorkehrungen verstärkt

Im Prozess hatte es Hinweise auf einen rassistischen Hintergrund gegeben. So hatte der 28-Jährige über die gegnerische Gruppe gesagt: „Das waren so Farbige. Also, ich bin selber Ausländer, aber Sie wissen, was ich meine.“ Der Ältere bezeichnete sich als Palästinenser, der Jüngere ist Deutscher aus türkischer Familie. Im Saal trugen mehrere Unterstützer tätowierte Abzeichen extrem nationalistischer Türken. Ein Besucher hatte früher im Prozess den Angeklagten zugerufen: „Allahu Akbar! Ich hätte den umgebracht!“ Das Gericht hatte darauf die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Die Angeklagten bleiben in U-Haft

Der Verletzte, der dunkle Hautfarbe hat, war mit Freunden aus Paris angereist, die teils helle, teils dunkel gefärbte Haut haben. Das Gericht hat für das Urteil angenommen, dass die Angeklagten willkürlich das nächstbeste Opfer aus dieser Gruppe heraus griffen.

Die Angeklagten bleiben in Untersuchungshaft, bis das Urteil rechtskräftig wird. Das Protokoll des Gerichts beschreibt die Körperverletzung, Beleidigungen und Sachbeschädigung im Saal für die neuen Strafverfahren. Die menschenverachtenden Äußerungen des 24-Jährigen über das Opfer erwähnten die Richter nicht.

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