Arbeitsamt

Menschen wieder in das Berufsleben integrieren

Der Velberter Ingo Benner – hier im Einsatz – ist bei der E.D.B.-Bildungsgesellschaft als Hausmeister beschäftigt. Sein Arbeitgeber hat dafür eine zusätzliche Stelle eingerichtet.

Der Velberter Ingo Benner – hier im Einsatz – ist bei der E.D.B.-Bildungsgesellschaft als Hausmeister beschäftigt. Sein Arbeitgeber hat dafür eine zusätzliche Stelle eingerichtet.

Foto: Alexandra Roth / FFS / Archiv

Kreis Mettmann.  Um Menschen – selbst nach langer Zeit – ins Berufsleben zu integrieren gibt es im Kreis Mettmann viele Wege. Das Jobcenter hat eine neue Leitung.

Nathalie Schöndorf hat sich vorgenommen, etwas „gegen das teilweise negative Image von Hartz IV“ zu tun. Dabei will die neue Geschäftsführerin des Jobcenters „ME-aktiv“ die aus ihrer Sicht falschen Bilder zurechtrücken und hartnäckige Vorurteile abbauen. Und dazu gehört es eben auch, aus dem Arbeitsalltag der Mitarbeiter des Jobcenters zu berichten sowie zu schildern, was diese alles in ihrem Werkzeugkasten haben, z. B. das Instrumentarium des Teilhabechancengesetzes. „Alle Wege sind gut, um Menschen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu bringen, egal wie“, sagt Schöndorf.

Mit allen Kommunen im Gespräch

Sie wertet die praktische Umsetzung dieses Gesetzes mit dem sperrigen Namen als positiv. Es soll vor allem Menschen nützen, die bereits seit fünf bis sieben Jahren keinen Job haben. Den Startschuss für das Wiedereinstiegsprogramm hier im Neanderland hat in 2019 noch ihr Amtsvorgänger Franz Heuel gegeben. Aktuell habe man dafür auf dem ersten Arbeitsmarkt 111 verfügbare Stellen im Bereich von Unternehmen; „bei den Kommunen ist ganz viel passiert, wir sind mit allen im Gespräch“. Man habe „schon 29 Stellen zur Verfügung“. Zumeist seien es unterstützende Tätigkeiten, etwa im Ausländeramt des Kreises, im Bauhof von Mettmann oder im Heiligenhauser Kulturamt. „In Velbert sind wir im Auswahlverfahren.“

Zurückhaltung in Corona-Zeiten

Hatte sich Heuel Anfang 2019 noch vorgenommen, mindestens 250 Menschen wieder ins Berufsleben zu integrieren, so steht für dieses Jahr die offizielle Zielmarke auf 150. In 65 Fällen sei das bereits gelungen, „und das in Corona-Zeiten“, betont Maik Bußkamp. Man bemerke nämlich bei dem einen oder anderen Arbeitgeber eine „deutliche Zurückhaltung“, so der Bereichsleiter Vermittlung. Bußkamp betont, dass es bei dem Arbeitsmarktinstrument, das der Bund für vier Jahre mit vier Milliarden Euro ausgestattet hat, um kein Massengeschäft, sondern lauter Einzelfälle gehe. „Mit klassischem Matching und Coaching und einem Praktikum vorab.“ Es gebe halt eine besondere Begleitung, sowohl für den Betrieb als auch den Kunden.

Coaching und Weiterbildung

„Die Betreuung geht mit der Arbeitsaufnahme weiter. Wir wollen langen Atem beweisen“, heißt es weiter. Möglich seien Lohnkostenzuschüsse von bis zu 100 Prozent für die Dauer von bis zu fünf Jahren sowie die Übernahme von Weiterbildungskosten. „Wenn das gut funktioniert“, erzählt Schöndorf, „geht das auch in eine dauerhafte Beschäftigung über.“ Die Projektleitung hat Panagiota Jakovou, 02051 4192-143.

Darüber hinaus unterstützt „ME-aktiv“ auch Arbeitgeber, die einem Langzeitarbeitslosen für mindestens zwei Jahre die Chance für einen erneuten Berufsstart geben, und schießt 75 bzw. 50 Prozent zum Lohn hinzu. Hinzu kommen Coaching und ein Zuschuss für Weiterbildungskosten (Kontakt: 02104 141-630).

Aufstocker haben oft bessere Karten

„Das deckt sich eins zu eins mit unseren Erfahrungen“, sagt Maik Bußkamp zu einer recht neuen Studie, derzufolge – zusammengefasst – das so genannte Aufstocken, das von Hartz IV-Kritikern immer wieder gebrandmarkt wird, „das wirksamste arbeitsmarktpolitische Instrument überhaupt“ sei. Mit Aufstocker-Jobs, so der Befund, gelinge der Sprung in Normalarbeit vielfach einfach besser.

Ein komplettes Paket geschnürt

Und dann erzählt Bußkamp von dem Velberter, der über das Jobcenter ein Praktikum bei einem Bauingenieur absolviert habe, von diesem wegen nicht so guter Auftragslage erfolgreich einem anderen Büro empfohlen wurde und der von einem 450-Euro-Job in eine Teilzeitbeschäftigung übergegangen sei. Das Jobcenter habe die Pkw-Anschaffung mitfinanziert, um ihm dauerhafte Mobilität zu ermöglichen. Die Beauftragte für Chancengleichheit im Haus wurde hinzugezogen, um ein „Gesamtpaket zu schnüren“: Arbeit, Kindererziehung bzw. -betreuung und Mobilität. Schließlich habe der alleinerziehende Vater ja z. B. auch die Schulzeiten seiner Tochter in seinen Tagesablauf integrieren müssen. Beide Themen seien „mit großen Erfolgserlebnissen verbunden“.

Das Jobcenter ist wahlweise unter 02104 14163-0 oder 02104 14163-222 und per E-Mail an jobcenter-ME-aktiv@jobcenter-ge.de erreichbar.

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