Kultur

Malen ist Dialog mit sich selbst

Fabian Teschke liebt es, auf Leinwand zu malen; aber auch die digitale Bildnachbearbeitung hat es ihm angetan.

Fabian Teschke liebt es, auf Leinwand zu malen; aber auch die digitale Bildnachbearbeitung hat es ihm angetan.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert-Mitte.  „Kreuz&Quer“ heißt eine Gemeinschaftsausstellung, die derzeit in den Räumen der Sozialpsychiatrischen Gesellschaft Niederberg in Velbert läuft.

Markus Schenkenberg, das ehemalige schwedische Topmodel, ist an für sich ja schon ein echter Augenschmaus. Als Kunstwerk auf Leinwand im kubistischen Stil verewigt, die markanten, herben Gesichtszüge nur angedeutet, der Körper übergehend in dynamische Pinselstriche in kräftigen, aber gedeckten Farben, das aber erreicht noch mal eine ganz andere Dimension – auf Basis der glatten, vergänglichen Schönheit eines Promis aus der Boulevardpresse ist ein beeindruckendes Kunstwerk entstanden, das fesselt, fasziniert, Blicke auf sich zieht.

Beide Künstler sind regelmäßig in der Tagesstätte

„Ja tatsächlich kommt das Bild extrem gut an“, erklärt seine Schaffenskünstlerin Andrea Ines Schloßmacher und lacht fröhlich, „man wollte es mir auch schon abkaufen, aber es ist tatsächlich unverkäuflich. Ich hänge sehr daran, habe es bereits während meiner Oberstufenzeit am Gymnasium gemalt.“

Viele Besucher sind an diesem Nachmittag in die Räume der Sozialpsychiatrischen Gesellschaft Niederberg (SGN) an der Nordstraße gekommen, um die Vernissage der Doppelausstellung von Andrea Schloßmacher und Fabian Teschke zu feiern. Beide sind regelmäßige Klienten der Tagesstätte, nehmen hier an Mal- und Gestaltangeboten teil.

Dabei hat Andrea Schloßmacher sich zunehmend auf die Starportraitmalerei spezialisiert. „Die Herausforderung ist, das Gesicht in seiner Mimik genau zu erfassen, herauszuarbeiten, was die besonderen Merkmale sind“, erklärt die junge Künstlerin bei einem Rundgang und zeigt auf Bleistiftzeichnungen von Romy Schneider, Marylin Monroe im Pop Art Stil und letztlich eine Collage von insgesamt vier Sandra Bullock Portraits. „Oh ja“, schwärmt eine Besucherin, „die sind ja toll gelungen, man erkennt die Schauspielerin ja sofort.“

Teschke hat es die digitale Bildbearbeitung angetan

Fabian Teschke dagegen beweist mit seinen Exponaten: die digitale Bildnachbearbeitung hat es ihm besonders angetan. „Ich liebe natürlich auch die normale Leinwandmalerei, das sieht man ja auch dort vorne“ – der 33-Jährige zeigt auf einige farbintensive und ausdrucksstarke Bilder im expressionistischen Stil am anderen Ende der Räume –, „aber das sind zwei komplett andere Schaffensprozesse, bei der digitalen Nachbearbeitung schreibe ich teils die Programme selbst und bin immer wieder überwältigt von den Möglichkeiten, die sich daraus ergeben.“

Seit sieben Jahren beschäftigt sich Fabian Teschke nun ausführlich mit der Kunst, hat festgestellt, dass ihm das kreative Schaffen einen intensiven Zugang zu sich selbst ermöglicht. „Es ist tatsächlich wie ein innerer Dialog mit mir selbst“, beschreibt er es mit ruhigen, ausgewählten Worten, „und ich kann darin versinken, um mich herum vergessen.“

Künstler im Gespräch mit den Besuchern

Sozialarbeiter Jesko Dierks hält mit dem Fotoapparat den lockeren Vernissage-Nachmittag fest, fotografiert die Künstler im Gespräch mit den Besuchern vor ihren Kunstwerken, macht Fotos von der Kuchentafel, fängt das fröhliche und erleichterte Lachen, vor allem von Andrea Schloßmacher, gleich mehrfach ein.

„Ich war wirklich sehr aufgeregt“, gibt sie zu, „es musste so viel organisiert werden wo welches Bild hinkommt und so weiter. Naja und dann weiß man ja auch nicht, wie die Werke ankommen, aber bis jetzt gab es nur tolles Feedback.“

Bezugstherapeutin hat bei der Organisation geholfen

In der SGN finden Menschen mit psychischen Erkrankungen individuelle Hilfe, Tagesstruktur, Mittagsessen, Gruppenangebote. „Ich komme seit vielen Jahren hier her und bin froh für dieses breite Angebot“, sagt Andrea Schloßmacher, „und ich bin meiner Bezugstherapeutin unglaublich dankbar dafür, dass sie mich in der Umsetzung der Kunstausstellung so unterstützt hat. Ohne sie hätte ich oder hätten wir das nicht geschafft.“

Dass die Ausstellung „Kreuz&Quer“ heißt, hat übrigens einen tief gehenden Grund. „Ich bin sehr gläubig“, verrät die Künstlerin „, daher das Kreuz. Und das Quer steht dafür, dass wir ja querbeet hier ein breites Spektrum an verschiedenen Exponaten abdecken.“

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