Auflagen

Langenbergs Jecken sagen den Karnevalsumzug ab

Da war die jecke Welt in Langenberg noch in Ordnung: Bild vom Karnevalsumzug 2016.

Da war die jecke Welt in Langenberg noch in Ordnung: Bild vom Karnevalsumzug 2016.

Foto: Uwe Möller

Langenberg.   Langenbergs Narren ist das Lachen vergangen: Wegen der Anti-Terror-Auflagen sagen sie den Zug ab. Polizeichef Laaser verteidigt die Maßnahmen.

Für Langenbergs närrisches Volk ist in diesem Jahr schon vor Aschermittwoch alles vorbei – jedenfalls was den traditionellen Karnevalsumzug durch den Ort angeht: „Der Rosenmontagszug 2017 wird abgesagt“, bestätigte Organisatorin Bettina Werner eine Entscheidung, die man am Wochenende in der Alt-Langenberger Karnevalsgesellschaft getroffen hatte. Grund seien zum einen die Anti-Terror-Auflagen von Polizei und Ordnungsamt, zum anderen aber auch das persönliche Haftungsrisiko, dem man sich ausgesetzt sehe: „Wir können und wollen diese Verantwortung nicht übernehmen“, so Bettina Werner.

Schwere Lkw sollen die Seitenstraßen blockieren

In der vergangenen Woche war der Organisatorin vom Kommunalen Ordnungsdienst der Stadt Velbert (KOD) mitgeteilt worden, welche Auflagen es – neben den bereits seit der Duisburger Loveparade-Katastrophe von 2010 erfolgten – in diesem Jahr zusätzlich zu erfüllen gälte. Den Anschlag vom Dezember auf den Berliner Weihnachtsmarkt zum Anlasse nehmend, hatte die Arbeitsgemeinschaft Veranstaltungen von Polizei und Ordnungsbehörden beschlossen, dass alle größeren Querstraßen der Zugstrecke sowie das Ende des Zuges mit Zufahrtsperren aus mindestens 4,9 Tonnen schweren Lkw zu sichern seien. So solle verhindert werden, dass ein Lkw – wie in Berlin geschehen – in die Menschenmenge rast.

Fahrer und Beifahrer müssen sich überprüfen lassen

Des Weiteren haben die Arbeitsgruppe beschlossen, alle Fahrer und Beifahrer in den Fahrzeugen der Karnevalszüge auf ihre Zuverlässigkeit zu überprüfen. Dazu müssen die Organisatoren der Ordnungsbehörde bin zum 24. Februar alle Fahrer und Beifahrer mit Namen, Vornamen, Geburtsdatum, -ort, -land, Handynummer und Anschrift der Ordnungsbehörde zu nennen.

Dass die Stadt anbot, als Straßensperren an den Kreuzungen Hauptstraße/Tunnel, Hauptstraße/Panner Straße und Hauptstraße/Kamper Straße schwere Lkw der Technischen Betriebe Velbert aufstellen zu lassen, konnte die Alt-Langenberger Karnevalisten auch nicht mehr umstimmen: Bei nur einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen beschloss man mit großer Mehrheit: „Dann fällt der Zug aus.“

Auch Landtagsabgeodneter bedauert die Absage

„Ich habe dagegen gestimmt – ich war für den Zug“, verriet Gerda Klingenfuß der WAZ. Die langjährige Vorsitzende der Langenberger Werbevereinigung war es auch, die den „Zoch“ vor über 20 Jahren ins Leben gerufen hatte. „Wolfgang Schwarze und ich haben das damals organisiert, mit nur einem Wagen und Mitarbeitern meines Betriebes, die vor dem Rosenhaus standen“, erinnert sich die Nierenhoferin.

Bedauern über die Absage auch bei Volker Münchow. „Wir müssen aufpassen, dass wir uns dem Terror nicht beugen“, sagte der Langenberger SPD-Landtagsabgeordnete. Der Präsident der Alt-Langenberger Karnevalsgesellschaft, der bei der Sitzung am Wochenende verhindert war, zeigte dennoch Verständnis für die Absage seiner Vereinsfreunde: „Wir sind ein kleiner Verein – wir kriegen das nicht gestemmt.“ Zu groß sei die Sorge bei den Verantwortlichen, in Regress genommen zu werden, wenn doch irgendetwas passiert oder Auflagen am Ende doch nicht befolgt werden.

Terrorgefahr: Nicht „akut“, aber „abstrakt“ ist sie da

„Es wäre sträflich, auf die jüngsten Ereignisse nicht zu reagieren“, tritt Ulrich Laaser, Leiter des Wachbereichs Velbert/Wülfrath/Heiligenhaus Vorwürfen entgegen, mit den Auflagen überreagiert zu haben. Es gebe zwar keine konkrete, wohl aber eine abstrakte Terrorgefahr. „Wir können nicht ausschließen, dass etwas passieren könnte – also müssen wir uns Gedanken machen, wie wir verhindern können, dass Menschen zu Schaden kommen.“

All das tue man jedoch mit Augenmaß. „Wir wägen sehr wohl ab – und den Aufwand, den wir gewählt haben, sehen wir als absolut vertretbar an“, so Laaser. Der im Übrigen auf die Nachbarstädte verweist, die alle die gleichen oder ähnliche Sicherungsmaßnahmen getroffen hätten: „In Essen werden die großen Querstraßen durch Betonklötze blockiert, in Düsseldorf durch Großcontainer.“ Und in Köln plane man sogar Taschenkontrollen.

„So weit wollten wir nicht gehen“, sagt Laaser, der allerdings verrät: „Es passiert aber noch eine ganze Menge flankierender Maßnahmen, die wir nicht öffentlich machen.“

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