Malerei

Langenberger Künstlerin malt Gesichter mit Geschichte

Künstlerin Beate Uber-Lange in ihrem Atelier.

Künstlerin Beate Uber-Lange in ihrem Atelier.

Foto: Alexandra Roth

Langenberg.  Beate Uber-Lange zeigt ihre aktuelle Malerei. Sie interessieren Menschen und Begegnungen. Mit ihren Bildern will sie hinter die Fassade blicken.

Ein großzügiges eigenes Atelier – ist das nicht der Traum von jedem Künstler? Malerin Beate Uber-Lange (75) hat ein solches Atelier, direkt angeschlossen an ihre Langenberger Wohnung in einem historischen Haus. Nicht nur das Wohnhaus hat eine interessante Geschichte, war schon Ausflugslokal und Discothek, auch ihr Atelier hat eine Vergangenheit als Backstube hinter sich.

Handwerkliches Geschick regiert noch heute in diesem Raum, wenn auch in Form von künstlerischer Tätigkeit. Heute blicken dem Besucher vor allem Gesichter entgegen: Manche Porträts auf Leinwänden hängen an der Wand, stehen auf Staffeleien oder liegen als kleinere quadratische Formate auf einer Werkbank. „Hier arbeite ich gerade an einer Porträt-Serie. Entweder zeichnet sich ein dunkleres Gesicht auf einer weißen Leinwand ab oder es sind Kinder-Gesichter auf dunklem Grund zu sehen. Die heben sich richtig schön vom schwarzen Hintergrund ab.“

Soziales und kirchliches Engagement

Auf den ersten Blick fesseln die Gesichtsausdrücke der Abgebildeten, der zweite Blick will die Oberflächenstruktur entschlüsseln. Dazu verrät die Künstlerin ihren Trick: „Ich verwende Kaffeesatz, den ich mit Acrylfarbe mische, um diese Struktur zu erhalten.“ Wie mit Materialien experimentiert sie auch mit Techniken, wie dem Abklatschen von Farbe auf durchsichtige Platten oder der Kombination von Malerei und Zeichnung. Doch eines zieht sich durch ihre aktuellen Werke: „Menschen und die Begegnungen mit ihnen faszinieren mich. Am meisten fesseln mich Gesichter, die eine Geschichte erzählen. So kam es auch zu meiner Serie, die Flüchtlinge zeigt und auf deren Schicksal verweist.“

Soziales und kirchliches Engagement spielt in Uber-Langes Leben und Arbeit eine große Rolle. Und so ziehen sich gesellschaftliche und politische Themen auch durch ihre Kunst. Inspiriert wird sie von privaten Fotos oder Bildern aus den Medien, die sie als Ausgangspunkt für ihre Werke nutzt. Die Serie „ISAF-Einsatz“ etwa, die von Soldaten in Afghanistan erzählt. Ob Porträts der jungen Männer, ganz ohne Ausrüstung oder in voller Montur während eines Einsatzes in Staub und Nebel gehüllt – die Künstlerin nähert sich dem Thema von unterschiedlichen Blickwinkeln.

Die Posen der Aufpasser im Museum

Auch schaut sie gerne dorthin, wo andere vorübergehen: „Wenn ich im Museum bin, interessieren mich nicht nur die Bilder, sondern auch die Besucher oder Aufsichtspersonen. So entstand auch meine Arbeit ‘Die Wächter’.“ Das Bild im Querformat ist eines der größten im Atelier und zeigt vier Männer in typischen Posen des Aufpassers. Ohne definierte Raumgrenzen im Bild stehen hier Menschen im Fokus, die sonst oft nur Randnotiz sind.“ Das Dahinter oder Darunter interessiert die Malerin.

Dabei lässt sie sich Beate Uber-Lange auch vom Zufall leiten: „Ich lasse dann den Stift laufen und beobachte, was entsteht. Das kann ich dann wieder weiterentwickeln.“ So beinhalten ihre Arbeiten manchmal auch abstrakte oder mehrdeutige Elemente, immer aber stehen sie im Kontext mit der menschlichen Gestalt.

Künstlerin gibt Wissen weiter

Ihr künstlerisches Können hat die Malerin seit Mitte der 90er Jahre im Kunsthaus Essen, der Freien Kunstakademie Essen und der Europäischen Kunstakademie Trier erweitert. Dieses gibt sie auch durch ihre Lehrtätigkeit weiter. „Meine Schüler kommen einmal die Woche zu mir ins Atelier“, berichtet Uber-Lange, „einige davon gehören der Gruppe ‘Kaleidoskop’ an, die aus meinen Schülern entstanden ist.“

Was ihr bei der Kunstvermittlung wichtig ist? „Jeder soll seinen eigenen Weg in der Malerei finden. Ich unterstütze dabei und gebe vor allem Hilfe bei Techniken und Komposition.“

>>AUSSTELLUNG DER KÜNSTLERGRUPPE

  • Die Gruppe „Kaleidoskop“ stellt regelmäßig aus. Wie 2018 werden die Arbeiten von Uber-Langes Schülern auch 2019 wieder im September im Kulturforum Steele ausgestellt.
  • Aktuell arbeitet Beate Uber-Lange an verschiedenen Projekten, auch Ausstellungen sind in Planung. Mehr zur Künstlerin und ihren Arbeiten auf der Webseite: www.uber-lange-kunst.de.

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