Hilfsaktion

Langenberger Helfer reisen zum Dachdecken nach Albanien

Natürlich feierten die Langenberger und die einheimischen Helfer auch Richtfest, nachdem der neue Dachstuhl in Gramsch gesetzt war.

Foto: WTS

Natürlich feierten die Langenberger und die einheimischen Helfer auch Richtfest, nachdem der neue Dachstuhl in Gramsch gesetzt war.

Langenberg.   Schüler der Windrather Talschule unternahmen ungewöhnliche Hilfsaktion. Alles begann vor acht Monaten - mit der Abschiebung zweier Mitschüler

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Die Geschichte einer ungewöhnlichen Hilfsaktion konnten Besucher am Sonntagnachmittag in der Mensa der Windrather Talschule erfahren. Achtklässler der Freien Waldorfschule berichteten darüber, wie sie sich in Albanien als Dachdecker versucht hatten. Und wie es überhaupt zu dieser Hilfsaktion gekommen war.

„Ich bin zurück in der Hölle“

„Ich habe zwei Jahre im Himmel gelebt,“ sagte Aenxheos im vergangenen Herbst. „Jetzt bin ich zurück in der Hölle.“ Der junge Albaner war mit seiner in Langenberg geborenen Schwester Christiana zwei Jahre Schüler der Windrather Talschule. Er lernte Deutsch, bekam ein brauchbares Zeugnis für die neunte Klasse.

Protestaktion gegen die Abschiebung

Dann aber schlug das Ausländeramt zu. Angekündigt war die Abschiebung schon. Die Mitschüler demonstrierten gegen die angekündigte Abschiebung vor der Alten Kirche in Langenberg. Noch bevor über den Einspruch entschieden war, rückte die Polizei an. Ein paar Minuten Zeit hatte die Familie, dann wurden sie in ihre Heimat abgeschoben.

15 Mitschüler und drei Begleiter reisten nach Albanien

15 Mitschüler und drei Begleiter brachen in den vergangenen Wochen auf, um die Familie in Gramsch zu besuchen und zu helfen, sich zu Hause einzurichten. Die Reise der Schüler hatte in erster Linie den Zweck, das mehrere Jahre leerstehende Haus wieder bewohnbar zu machen. „Vor allem das Dach musste neu gerichtet werden“, berichtete Lehrerin Margarete Erlinghagen. Sie erzählt „Wir haben bewusst kein Material mitgenommen, sondern wollten vor Ort sehen, was und wie teuer wir kaufen können.“

Die schrecklichen Gesetze der Blutrache

Nachdem sie angefangen hatten, fanden sich schnell auch Helfer. „Besonders der Familienvater griff kräftig zu“, berichtet Margarete Erlinghagen. „Die schrecklichen Gesetze der Blutrache zwingen ihn ins Haus, wo ihn seine potentiellen Mörder nicht erreichen können. Umso energischer packte er an, als er sein Haus wieder herrichten konnte“, lässt die Lehrerin auch durchscheinen, wovor die Familie aus Albanie geflohen war.

Noch fehlt ein Backofen

„Das Haus“, das sind zwei Räume. Im einen Zimmer schläft der Vater mit Sohn Aenxheo, im anderen Raum die Mutter mit der in Langenberg geborenen Christiana. Was besonders fehlt, ist ein Backofen, der mit Holz befeuert werden kann. In dem Ort, der in einem bergigen Gelände liegt, kann es im Winter sehr kalt werden.

Etwas Zukunft tut sich auf, vor allem für Aenxheo, der nach neun Schuljahren nun eine Lehrstelle als Automechaniker bekommen hat. Inzwischen werden auch die Sämereien sprießen, die die Waldorfschüler mitgebracht haben: Zwiebeln, Bohnen und mehr sind bereits gepflanzt. Das kann die eher eintönige Küche, die aus Mehl, Öl und Kartoffeln besteht, ein wenig anreichern.

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