Vereine in Langenberg

Langenberger Chor singt im Zeichen von Friedrich Silcher

Da durften sie noch singen: Der Frauenchor Silcher Nierenhof beim Weihnachtskonzert 2017 in der evangelischen Kirche an der Kohlenstraße.

Da durften sie noch singen: Der Frauenchor Silcher Nierenhof beim Weihnachtskonzert 2017 in der evangelischen Kirche an der Kohlenstraße.

Foto: Ulrich Bangert / FUNKE Foto Services

Langenberg.  Der Nierenhofer Silcher-Chor ist der älteste in NRW und wurde als Zeichen der Emanzipation gegründet. Heute steht Silvia Tyra an der Spitze.

„1954 gab es das erste Zeichen der Emanzipation“, sagt Silvia Tyra, Vorsitzende des Frauenchors Silcher Nierenhof, „denn da haben sich die Frauen selbstständig gemacht“. Heißt: Der Frauenchor spaltete sich damals vom „Männergesangsverein Deutsche Eiche“ ab, dem er bis dahin angehört hatte. Seitdem trägt er den Namen „Silcher“, nach dem Komponisten mit dem damals wohl besonders beliebten Vornamen Friedrich. Er schrieb vor allem Lieder, aber auch Kammermusik.

Eine Mitbegründerin von 1954 ist sogar noch übrig geblieben im Frauenchor. „Sie ist 84 und kommt immer noch fleißig zu den Proben und tritt auch noch mit auf, kein Problem“, sagt Tyra anerkennend. Schon diese kleine Anekdote lässt es möglicherweise erahnen: Der Frauenchor ist der älteste in Nordrhein-Westfalen.

Mitsingfeste zum Anwerben neuer Sängerinnen

Früher, quasi im Goldenen Zeitalter der Chöre, hätten sie auch noch beim Leistungssingen mitgemacht, sagt Tyra. Das wird vom Chorverband ausgerichtet und die Darbietungen werden von einer Jury bewertet, bis zum Meisterchor könne man da gekürt werden. Heute aber treten die Damen etwas kürzer.

So konzentrieren sie sich auf einzelne Veranstaltungen. „Wir haben zum Beispiel beim ‚Day of Song’ in Mettmann mitgemacht oder bei der Gestaltung des Volkstrauertages“, erzählt die Vorsitzende. Um neue Sängerinnen zu akquirieren, werden zudem immer wieder Mitsingfeste veranstaltet.

„Singen sorgt für gute Laune“

Denn Zuwachs ist durchaus erwünscht: „Im Moment sind wir 14 Frauen, aber wer Interesse hat, kann einfach vorbeikommen – sofern wir irgendwann wieder proben dürfen.“ Wann das sein wird, steht pandemiebedingt noch immer in den Sternen.

Argumente, warum Interessierte bei den Proben des Chors auftauchen sollten, sobald sie wieder losgehen, hat Tyra einige. „Singen macht Spaß und hält fit und jung“, sagt sie und erzählt direkt von ihrer eigenen Chor-Geschichte: „Ich habe früher schon in einem Essener Chor gesungen und habe dann einen neuen gesucht. Meine Tochter hat vor vielen Jahren den Silcher-Chor mit der Querflöte begleitet und hat gesagt: ‚Mama, da solltest du mal hingehen’.“

Und auf Töchter hören gute Mütter bekanntlich, sagt die Vorsitzende lachend. Für sie ist Singen auch ein bisschen eine Erholung vom Alltag: „Man kann noch so schlecht gelaunt sein, aber nach der Chorprobe ist man beschwingt.“

Silcher und Brahms – aber auch Modernes

Neben den Stücken ihres Namensgebers singen die Damen vor allem Brahms. „Wir haben uns – was Klassik angeht – auf Brahms spezialisiert, dafür können Sie uns nachts wecken und wir singen Stücke von ihm – aber mit Niveau.“

Tyra lacht, wenn sie solche kleinen Pointen in ihre Sätze einbaut. „Wir machen aber auch viele moderne Sachen, Stücke, die vielleicht auch Chorleiter Markus Stollenwerk geschrieben hat.“ Jener Stollenwerk sei es gewesen, genau wie die früheren Chorleiter Gerd Sorg und Guido Lorger, der den Chor sehr geprägt habe.

Chorleiter schreibt eigene Stücke

Stollenwerk habe viele neue Ideen eingebracht. „Er hat Sachen geschrieben wie ‚Die Mücke’. Eine Mücke surrt, laut und leise, und wenn sich dieses Geräusch durch alle vier Stimmen des Chors zieht, ist das unglaublich.“

An diesem Stück habe man lange feilen müssen, „aber es ist einfach genial“. Manchmal aber gibt es auch Pop- und Rock-Songs: „‚Yesterday’ hat Markus Stollenwerk für uns nochmal anders gesetzt.“ Immer wieder singe man aber auch Eigenkompositionen: Zum Beispiel „Der Boomerang“ – geschrieben von Tyras Tochter Susanne.

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