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Langenberg: Leidenschaft für die „Königin der Kartenspiele“

Ulrike Burmeister ist Vorsitzende des Bridge Clubs Velbert. Sie spielt nicht nur leidenschaftlich gerne, sie unterrichtet auch und bringt selbst erfahreneren Spielern noch Kniffe bei.

Ulrike Burmeister ist Vorsitzende des Bridge Clubs Velbert. Sie spielt nicht nur leidenschaftlich gerne, sie unterrichtet auch und bringt selbst erfahreneren Spielern noch Kniffe bei.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Langenberg/Heiligenhaus.  Bridge gilt als „Königin der Kartenspiele“. Der Bridge Club Velbert kämpft aber nicht nur sportlich, sondern auch gegen Vorurteile.

Den Clubraum haben Ulrike Burmeister und ihre Mitspieler aus dem Bridge Club Velbert aktuell gegen einen Bildschirm ausgetauscht. Statt in der Gaststätte Kuhs treffen sich die Mitglieder nur virtuell, spielen im Internet gegeneinander.

„Immerhin geht das“, freut sich die Vorsitzende des Clubs, der Mitglieder im gesamten Stadtgebiet hat. „Aber die Geselligkeit kann das natürlich nicht ersetzen.“ Dafür sei das Spiel in der weiten Netzwelt internationaler – „da spielen Sie schon mal gegen Koreaner oder Amerikaner. Auch spannend.“

Bridge ist gutes Training für das Gehirn

Die Begeisterung für das Kartenspiel ist ihr sofort anzumerken. Die Augen blitzen und sie trägt ein fröhliches Lächeln im Gesicht, wenn sie über ihr Steckenpferd spricht. Die „Königin der Kartenspiele“ werde Bridge auch genannt, „nichts, was man so nebenbei mal eben lernt“, sagt Burmeister.

Das Spiel sei vergleichbar mit Schach, „es dauert, bis man das beherrscht. Denn man muss logisch und strategisch vorausdenken.“ Ein tolles Gehirntraining sei das Spiel, „man hält sich flott und fit im Kopf.“ Und das sagt Ulrike Burmeister nicht einfach nur so, „das haben auch Untersuchungen gezeigt“, erläutert die Club-Vorsitzende.

Kampf gegen Vorurteile

Gehirnscans von Menschen, die Bridge spielen, hätten ergeben, „dass sich die Gehirnarbeit verändert. Beim Spielen ruft man ja nicht nur Wissen ab, man muss auch logisch denken.“ Deswegen sei dieser „Geistessport“ auch für alle Altersklassen geeignet.

„Wir müssen leider gegen viele Vorurteile kämpfen“, bedauert Ulrike Burmeister. „Das Spiel wird gerne abgewertet als ,nur für alte Leute’.“ Was nicht stimme: „Unser jüngstes Mitglied ist Mitte 40.“ Doch einsteigen könne man viel früher, „schon als Kind oder in der Pubertät.“

Schon als junger Mensch mit dem Spiel anfangen

Ideal sei es, „wenn man als junger Mensch in das Spiel einsteigt“, sagt Ulrike Burmeister. Dann komme meist eine Phase im Leben, in der die Zeit fehle, „Familie, Beruf, diese Phase eben.“ Wer dann ein wenig am Ball bleibe „kann dann schnell wieder voll einsteigen, wenn das Leben wieder mehr Zeit fürs Hobby lässt.“

„Das Tolle ist ja: Wenn da jemand ist, der Interesse hat, der wird auch gefördert.“ Es gebe Wochenend-Kurse und Trainings und vieles mehr. „Nach dem ersten Kurs trennt es sich meistens: Manche steigen aus, aber wer dann bleibt, bleibt“, sagt die Bridge-Trainerin lachend.

Nationale und internationale Turniere

Und das Spiel muss auch nicht auf den eigenen Club begrenzt bleiben. Wer Ehrgeiz entwickelt, kann sich mit anderen Spielern messen – auch im Bridge gibt es ein Ligensystem von der Landes- bis zur Bundesliga, eine Deutsche Meisterschaft und auch internationale Wettkämpfe. „Das ist das Salz in der Suppe“, sagt Ulrike Burmeister, „es gibt Damen-, Herren- und Mixed-Spiele. Ganz toll!“

Und wie funktioniert Bridge nun? Einfach gesagt geht es darum, dass die vier Spieler alle ihre 13 Karten von der Hand abspielen und dabei möglichst viele Punkte sammeln. Aber ganz so leicht ist es dann doch nicht. Die vier Spieler treten in Zweierteams gegeneinander an – und man muss schon sehr gut aufpassen um mitzubekommen, welche Karten die anderen auf der Hand haben könnten. Schließlich müssen die eigenen Stiche geschickt eingesetzt werden.

Sieben Minuten Taktik und Strategie

Ein Spiel dauert dabei etwa sieben Minuten, etwa die Hälfte der Zeit wird gereizt. Und dann geht es darum, geschickt zu spielen. „Interessant ist es, die möglichen Strategien und Systeme in der Praxis zu lernen“, sagt Ulrike Burmeister. „Ich als Lehrer kann dann direkt erläutern: Das hättest du anders machen können, da hat Dein Mitspieler einen Fehler gemacht, die Situation hätte man auch anders lösen können und so weiter.“

Digitale Clubräume stark genutzt

Und obwohl der Bridge Club derzeit drei Mal die Woche im Internet spielt, „wird es langsam Zeit, dass wir uns auch wieder persönlich treffen“, sagt die Vorsitzende. „Wir freuen uns aufeinander.“ Nur müsse eben zuerst geklärt werden, unter welchen Bedingungen reale Treffen wieder erlaubt sind.

Angesichts der zahlreichen Lockerungen im öffentlichen Leben kehrt beim Bridge Club aber langsam Zuversicht ein. Und bis dahin muss eben der Bildschirm als virtueller Clubraum herhalten.

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