Langenberger Vereine

Langenberg: Freischütz will neue Wege ausprobieren

Da war die Welt noch in Ordnung: Das amtierende Königspaar von Freischütz Langenberg Petra I. und Michael I. Bittner eröffneten im Oktober den Tanz beim Königsabend in Velbert-Langenberg. Zurzeit ruhen auch bei den Freischützen die gesellschaftlichen Aktivitäten.

Da war die Welt noch in Ordnung: Das amtierende Königspaar von Freischütz Langenberg Petra I. und Michael I. Bittner eröffneten im Oktober den Tanz beim Königsabend in Velbert-Langenberg. Zurzeit ruhen auch bei den Freischützen die gesellschaftlichen Aktivitäten.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Langenberg.  Der Freischütz Langenberg ist fast 100 Jahre alt. Neben dem Schießsport wird die Brauchtumspflege groß geschrieben. Und bald gibt es etwas Neues.

Ruhe herrscht auf dem Schießstand im Nizzatal. Es ist noch recht früh am Morgen, lediglich der Platzwart ist schon bei der Arbeit. „So langsam läuft bei uns aber der Trainingsbetrieb wieder an“, sagt Volker Münchow. Er ist 1. Vorsitzender des Freischütz und auch er und der Rest des Vorstands mussten sich in den vergangenen Wochen Gedanken über Corona machen.

Das Resultat ist sichtbar: Überall im Vereinsheim hängen Hinweisschilder, die Theke ist gesperrt. Und auf dem Schießstand darf nur jede zweite Bahn genutzt werden. Das ist der sportliche Teil. „Aber das Gesellschaftliche ruht“, sagt Münchow. „Wir stellen dieses Jahr einfach auf Null, 2020 existiert nicht.“

Was er damit unter anderem meint: Es wird kein Schützenfest geben, keine neuen Regenten. „Unser König und unsere Königin bleiben im Amt, erst 2021 werden wir die Nachfolger bestimmen.“

Mitgliederentwicklung zufriedenstellend

Dabei lief es für den Freischütz bis zur Coronapause eigentlich ganz gut, blickt der Vorsitzende zurück. „Wir haben derzeit 120 Mitglieder, die meisten davon sind auch aktiv.“ Was Münchow besonders freut: „Unsere Jugend ist sehr aktiv.“ Zehn Nachwuchsschützen habe der Verein, „das ist für unsere Region schon ganz gut, wir sind schließlich nicht im Münsterland oder im Sauerland.“

Zumal es in Velbert noch andere Schützenvereine gebe. „Und leider ist unser Sport auch nicht mehr ganz so populär“, sagt Volker Münchow. Der Stellenwert habe sich verändert. „Früher waren die Straßen schwarz vor Menschen bei den Schützenumzügen. Das gibt es nicht mehr.“ Er habe manchmal das Gefühl, „das wir so ein bisschen aus der Zeit gefallen sind.“

Freischütz soll Bogensportabteilung bekommen

Aber das soll sich ändern. Der Freischütz will sich sportlich breiter aufstellen und eine neue Abteilung gründen. „Wir möchten Bogenschießen in unserem Verein anbieten“, sagt der erste Vorsitzende. Durch Corona habe sich dieser Plan etwas verzögert, aufgegeben ist er aber noch lange nicht.

„Das ist eine Trendsportart und das wollen wir nutzen, um neue Mitglieder zu gewinnen.“ Derzeit suche der Verein noch eine geeignete Anlage, „Gespräche mit der Stadt laufen aber schon“, versichert Münchow. „Dafür brauchen wir natürlich auch ausgebildete Trainer, wir wollen das schließlich vernünftig aufziehen.“

Ein Traum für die Zukunft

Das gelte für jedes Training mit Waffen. Wie gut, dass es in den eigenen Reihen bereits einen gibt: Kevin Knackert darf am Bogen ausbilden „und er unterstützt mich auch bei der Planung.“ Zudem erhält der Langenberger Verein Unterstützung vom Rheinischen Schützenbund, „der ist auch mit im Boot.“

Sollte das alles mal laufen, dann hat Volker Münchow noch einen Traum: „Die Königsdisziplin sozusagen“: Mit dem Bogen auf dem Rücken geht es über einen Parcours durch den Wald, an bestimmten Stellen poppen Ziele auf, es wird geschossen. Eine Art Biathlon also. „Das würde sich hier einfach anbieten“, sagt Volker Münchow.

Denn rund um Langenberg gebe es so viel Grün, „auch die Landschaft ist einfach geeignet für so etwas.“ Und Münchow ist fest davon überzeugt, dass „so ein Angebot auch Menschen anlockt, die sonst eher wenig mit einem Schützenverein anfangen können.“

Sportlich läuft es gut für den Freischütz

Die, die mit dem Verein etwas anfangen können, sind derweil zweigleisig unterwegs: Auf der einen Seite geht es beim Freischütz sportlich zu, auf der anderen steht die Brauchtumspflege. „Wir haben relativ viele Mannschaften in diversen Ligen im Einsatz“, sagt Münchow, „einige sind auch bei Deutschen Meisterschaften dabei.“

„Waffennarren“, fährt der Vorsitzende fort, „haben wir hier nicht. Das gibt das Luftgewehr auch gar nicht her.“ Denn andere Waffen können hier im Nizzatal gar nicht geschossen werden. „Hier geht es vor allem um Spaß und Präzision.“ Gutes Training führe dazu, dass man lerne, „sich zu fokussieren, die Atmung und den eigenen Körper in den Griff zu kriegen.“

Dank Sponsorenunterstützung kann damit nun auch schon in jungen Jahren angefangen werden: „Wir konnten uns ein Lichtgewehr anschaffen, das ohne Munition schießt. Damit dürfen dann auch schon Kinder trainieren.“

Brauchtumspflege ist den Langenbergern wichtig

Gemischt wird der sportliche Aspekt beim Freischütz mit Brauchtumspflege. „Dazu gehören die Umzüge und Feiern, auch bei befreundeten Vereinen“, erläutert Volker Münchow. „Wir repräsentieren das Schützenwesen.“ Dazu gehöre natürlich auch, dass die Herren bei offiziellen Anlässen den Schützenrock tragen. Und die Damen? „Dirndl“, sagt Münchow. „Das hat sich so vor 15, 20 Jahren eingeschliffen und liegt unter anderem an der langen Freundschaft zu den Schützen aus Pfunds in Tirol.“

Doch bis dieser Teil des Vereinslebens wieder stattfinden kann, wird es noch dauern. Immerhin dürfen die Schützen wieder trainieren, Und das tun sie: momentan immer dienstags und freitags ab 17.30 Uhr.

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