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Langenberg: Einstiegshöhe bei S-Bahnen ist problematisch

Der Höhenunterschied zwischen Bahnsteigkante und Zug beträgt an einigen Haltepunkten 20 Zentimeter. Manche Züge haben solche Rampen dabei, bei anderen hilft das Personal, sagt eine Abellio-Sprecherin.

Der Höhenunterschied zwischen Bahnsteigkante und Zug beträgt an einigen Haltepunkten 20 Zentimeter. Manche Züge haben solche Rampen dabei, bei anderen hilft das Personal, sagt eine Abellio-Sprecherin.

Foto: Theobald, Jürgen / Jürgen Theobald

Langenberg.  Weil der Bahnsteig an den Haltepunkten in Langenberg 20 Zentimeter höher liegt als der Einstieg in die Züge, gibt es Probleme beim Einsteigen.

Wer derzeit mit der S-Bahn-Linie 9 oder dem Regionalexpress 49 in Richtung Wuppertal oder Essen unterwegs ist, muss beim Ein- und Aussteigen an den Langenberger Haltepunkten ein 20 Zentimeter hohes Hindernis überwinden.

So groß ist nämlich der Unterschied zwischen der Bahnsteigkante und dem Einstieg in den Waggon. „Ich kann den Zug gar nicht nutzen“, klagt eine betagtere WAZ-Leserin im Lesercafé. „Mit meinem Rollator komme ich noch so eben in den Zug, aber raus? Das schaffe ich nicht allein.“

Alte Züge haben höheren Einstieg

Doch nicht nur Senioren, auch Rollstuhlfahrer oder Familien mit Kinderwagen dürften so ihre Probleme haben. „Die Beschwerden sind nachvollziehbar“, sagt eine Sprecherin von Abellio, der Gesellschaft, die die Züge auf den beiden Linien betreibt.

Die alten S-Bahnen, erläutert die Sprecherin, hatten eine Einstiegshöhe von 96 Zentimetern. Die neuen Züge – die grünen – liegen dagegen tiefer, bei 76 Zentimetern. Diese neuen Züge werden auch für die S9 und den RE49 eingesetzt.

„So kommt der Unterschied zustande“, erläutert die Abellio-Sprecherin. „Wer Hilfe beim Ein- oder Aussteigen benötigt, kann aber gerne die Kollegen im Zug ansprechen.“

Bahnhöfe gehören der Deutschen Bahn

Die Bahnhöfe und Haltepunkt wiederum gehören der Deutschen Bahn, die auch schon dabei ist, die Bahnsteige anzugleichen. „Da es aber recht viele Haltepunkte gibt, dauern die Arbeiten. Das geht leider nicht von heute auf morgen“, gibt die Abellio-Sprecherin zu bedenken.

Rund 5700 Bahnhöfe betreibt die Bahn in ganz Deutschland, von denen nach Angaben des Unternehmens jetzt schon rund 78 Prozent stufenlos erreichbar sind. Pro Jahr baue die DB bundesweit rund 100 Stationen barrierefrei um, erläutert ein Pressesprecher.

Einstieg soll bundesweit vereinheitlicht werden

Die Barrierefreiheit von Personenbahnhöfen umfasse dabei eine Vielzahl von Aspekten: Dazu gehöre zum einen, ohne Treppensteigen stufenfrei zum Bahnsteig zu gelangen. Ein weiteres Kriterium sei es, „Reiseketten mit einem niveaugleichen Ein- und Ausstieg zu schaffen“, erläutert der Bahnsprecher.

Das bedeute: „Reisende können vom Bahnsteig aus ohne Stufe oder größere Spalte in den Zug ein- und am Reiseziel ebenso wieder aussteigen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die historisch unterschiedlichen Bahnsteighöhen langfristig bundesweit auf 76 cm vereinheitlicht werden.“

Sanierung erfolgt nach und nach

Dies geschehe immer dann, wenn Bahnsteige neu gebaut oder Verkehrsstationen grundlegend saniert würden. „Um die Belange aller Beteiligten zu berücksichtigen, sprechen wir als DB seit Juni 2017 kontinuierlich mit Vertretern der Bundesländer, Aufgabenträger und Behindertenverbänden“, sagt der Bahnsprecher.

So sei Ende 2019 auf dem NRW-Mobilitätsforum die „Grundsatzvereinbarung zur Herstellung der Barrierefreiheit an allen SPNV-Stationen in NRW“ vom Land NRW, den drei NRW-Aufgabenträgern, der DB Station & Service AG sowie der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe e. V. unterzeichnet worden.

Umbau noch nicht vollständig abgeschlossen

Derzeit, betont der Bahnsprecher, „ist ein durchgehender niveaugleicher Ein- und Ausstieg zwischen Bahnsteig und Fahrzeug im SPNV-System in NRW noch nicht gegeben.“ Der niveaugleiche Einstieg in Nahverkehrszüge solle demnach sowohl durch infrastrukturelle Maßnahmen, als auch durch Fahrzeugeinsatz mit unterschiedlichen Einstiegshöhen ermöglicht werden.

„Dieses Ziel ist für die Umsetzung der gesetzlichen Forderung nach einer vollständigen Barrierefreiheit des öffentlichen Personennahverkehrs notwendig“, sagt der Bahnsprecher, „und entspricht dem Willen der Bundes- und Landesregierung, Bahnhöfe kundenfreundlich und weitestgehend barrierefrei zu gestalten.“

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