Arbeitsmarkt

Keine Behinderung bei der Arbeit

Katharina Bachmann ist mit ganzem Einsatz bei ihrer Arbeit in der Reitschule FlandersbachFoto:Heinz-Werner Rieck

Katharina Bachmann ist mit ganzem Einsatz bei ihrer Arbeit in der Reitschule FlandersbachFoto:Heinz-Werner Rieck

Foto: WAZ FotoPool

Katharina Bachmann ist geistig behindert und schon seit sieben Jahren bei der Reitschule Flandersbach als Pferdepflegerin beschäftigt. Sie ist aber eher eine Ausnahme auf dem ersten Arbeitsmarkt. Bundesagentur für Arbeitet startet Aktionswoche für Menschen mit Behinderungen

Mit Schwung packt Katharina Bachmann in der Reitschule Flandersbach die schwere Schubkarre mit den Pferdefutter- und Pflegemitteln. Sie setzt ein fröhliches Lächeln auf, sagt „Los geht’s“ – und geht eben los, um ihre Arbeit als Pferdepflegerin zu verrichten. Das Besondere dabei: Die 27-Jährige ist geistig behindert und seit gut sieben Jahren bei der Reitschule als Fachkraft fest angestellt.

Das ist eher ungewöhnlich, denn viele Behinderte, vor allem mit geistigen Beeinträchtigungen, kommen nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt unter. Dies hat die Bundesagentur für Arbeit nun zu einer Aktionswoche zur Eingliederung von Behinderten veranlasst. Denn: „Diese Inklusion ist viel mehr als eine rein gesellschaftliche Aufgabe in unserem sozialen System“, sagt Wolfgang Mai, Geschäftsführer der Arbeitsagentur für den Kreis Mettmann.

Am Anfang steht oft ein Praktikum

So seien viele Behinderte gut ausgebildet. „Fast die Hälfte der bei uns gemeldeten 957 Schwerbehinderten hat eine Berufsausbildung“, erklärt Mai. Rund ein Viertel der Behinderten sei geistig und drei Viertel körperlich behindert. Mai: „Betriebe erhalten auch Förderungen der Agentur für Arbeit, wenn sie Behinderte einstellen“, – etwa Vergütungszuschüsse oder die Übernahme von Kosten für Hilfsmittel. Und: Behinderte seien sehr motiviert und sollten nicht zuletzt vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels eine Chance bei Arbeitgebern erhalten.

Doch gerade geistig Behinderte müssen bei Arbeitgebern gegen viel Skepsis ankämpfen, wie Bernhard Schidelko, Leiter der Förderschule Am Thekbusch, berichtet. „Da herrscht oft große Zurückhaltung, weil es Unsicherheiten gibt – etwa bei der Frage der Unkündbarkeit von Behinderten.“ Allerdings bekomme er zunehmend positive Rückmeldungen von Betrieben, bei denen junge Behinderte ein Praktikum machten. Schidelko: „Unsere Schüler haben oft viele gute Schlüsselqualifikationen wie Zuverlässigkeit und Einsatzwillen.“

Integrationsfachdienst hilft Betrieben und Behinderten weiter

Zudem, so der Schulleiter, betreuten Mitarbeiter des Integrationsfachdienstes die Behinderten und stünden auch den Betrieben zur Seite. Der Lohn: „Immer wieder kommen die Schüler auf dem ersten Arbeitsmarkt unter, etwa in Hotels oder Supermärkten.“

Oder auf dem Reiterhof Flandersbach. „Ich füttere und pflege die Pferde und finde meine Arbeit toll“, sagt Katharina Bachmann. Sie ist sich außerdem nicht für die Drecksarbeit zu schade: „Ich miste auch gerne die Ställe aus.“ Das gefällt Reitschul-Inhaberin Marie-Louise Breekweg. „Zwar war es am Anfang nicht ganz so leicht. Doch jetzt ist Katharina meine beste Mitarbeiterin“, meint sie.

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