Kultur

Kantorei Velbert führt Mozartbearbeitung des Messias auf

Begleitet vom Neuen Rheinischen Kammerorchester Köln führte die Kantorei Velbert Händels Messias auf – allerdings in der von Wolfgang Amadeus Mozart bearbeiteten Fassung.

Begleitet vom Neuen Rheinischen Kammerorchester Köln führte die Kantorei Velbert Händels Messias auf – allerdings in der von Wolfgang Amadeus Mozart bearbeiteten Fassung.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert-Mitte.  Die Kantorei Velbert führte in der Christuskirche Velbert Händels Messias auf – allerdings in der Bearbeitung von Mozart. Ein seltenes Erlebnis.

In der Christuskirche erklang am Sonntag das Oratorium „Messias“ von Georg Friedrich Händel – in der festlichen Bearbeitung (KV 572) von Wolfgang Amadeus Mozart, die er 1789 anfertigte.

Händel verwendete in seiner Komposition einen englischen Text, Mozarts Version beruht auf einem deutschen Text und benutzt ein Orchester seiner Zeit, in dem Blasinstrumente anders eingesetzt werden und weitere Instrumente wie Flöten, Hörner und Klarinetten ertönen. Händels barockes Werk wurde 1742 in Dublin uraufgeführt.

Kantorei wird von vier Solisten begleitet

In der sehr gut besuchten Christuskirche erlebten die Zuhörer zweieinhalb Stunden lang die Kantorei Velbert und das Neue Rheinische Kammerorchester Köln, beide famos aufspielend im konzentrierten Dirigat von Kantor Frank Schreiber. Eine gute Wahl waren auch die namhaften Solisten Johanna Neß (Göttingen/Sopran), Janina Hollich (Lippstadt/Mezzosopran), Leonhard Reso (Witten/Tenor) und Konstantin Ingenpaß (Karlsruhe/Bass). Die Solisten wussten zu überzeugen mit raumfüllenden, warmen Stimmen, mit Prägnanz und eleganter stimmlicher Kraft.

Händel schrieb das Original in englischer Sprache

Händel, geboren 1685 in Halle an der Saale, komponierte den Messias 1741. Für das Oratorium nutzte er Bibeltexte aus einer Zusammenstellung von Charles Jennens. Mit dem Werk vertonte Händel die christliche Glaubenslehre bezüglich des Messias auf Basis der King-James-Bibel und des Book of Common Prayer.

Musikhistoriker vermuten, dass Wolfgang Amadeus Mozart den Messias zum ersten Mal als Neunjähriger hörte und ein weiteres Mal Anfang 20. Für Aufführungen vor geladenen Gästen in Häusern des Wiener Adels arrangierte Mozart Werke anderer Komponisten – unter anderem im Jahr 1789 auch Händels Oratorium. Aufgeführt wurde die bearbeitete Fassung am 6. und 7. März 1789 bei Graf Johann Esterházy mit Mozart am Fortepiano und zwölf Chorsängern.

Neben Ergänzungen im musikalischen Bereich nutzte Mozart für sein Arrangement eine Übersetzung der Texte von Friedrich Gottlieb Klopstock und Christoph Daniel Ebeling, die bereits Carl Philipp Emanuel Bach für die Deutschlandpremiere des Messias 1772 in Hamburg verwendet hatte. Für Mozart wurde die Fassung aber teilweise verändert, Forscher vermuten durch den Organisator der Hauskonzerte, Gottfried van Swieten.

Für viele Besucher war das Konzert eine neue Erfahrung

Es war für viele Besucher des Konzerts in der Christuskirche eine neue Erfahrung, Mozarts Fassung des Messias kennenzulernen. Dass diese Version überhaupt noch gespielt wird, begründet der Musikwissenschaftler Michael Steinberg so: „Die Fassung enthält gute Musik, sie klingt anders als Händels weit verbreitete Musik und regt dadurch zu aufmerksamerem Hören an. Und dokumentiert, wie sich Stil und Geschmack veränderten.“ Die Bearbeitung gewähre außerdem einen Einblick in Mozarts Arbeitsweise.

Zwei Epochen reichten sich also beim Konzert der Kantorei die Hand mit Wolfgang Amadeus Mozarts Fassung der Händel-Komposition. Das Publikum spendete lang anhaltenden Beifall mit Standing Ovations für den wunderbaren Konzertabend. Als Zugabe erklang noch einmal das berühmte Halleluja.

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