Historisches

In Wuppertal entsteht ein Zentrum für Polizeigeschichte

Das Polizeipräsidium Wuppertal: Das 1939 fertiggestellte Gebäude blickt wie kaum ein anderes öffentliches Gebäude in Wuppertal auf eine sehr wechselhafte und widersprüchliche Geschichte zurück. Bis 1945 war es unter anderem Gestapo-Zentrale für das bergische Städtedreieck, nach Kriegsende dann Sitz der britischen Militärregierung, „Neues Rathaus“, Entnazifizierungsbehörde und Schauplatz eines spektakulären NS-Prozesses gegen Polizisten.

Das Polizeipräsidium Wuppertal: Das 1939 fertiggestellte Gebäude blickt wie kaum ein anderes öffentliches Gebäude in Wuppertal auf eine sehr wechselhafte und widersprüchliche Geschichte zurück. Bis 1945 war es unter anderem Gestapo-Zentrale für das bergische Städtedreieck, nach Kriegsende dann Sitz der britischen Militärregierung, „Neues Rathaus“, Entnazifizierungsbehörde und Schauplatz eines spektakulären NS-Prozesses gegen Polizisten.

Foto: Polizei Wuppertal

Wuppertal.  Im Polizeipräsidium Wuppertal entsteht das Bergische Zentrum für Polizeigeschichte – zur internen Ausbildung aber auch für die Öffentlichkeit.

Das massive Bauwerk an der Friedrich-Engels-Allee wirkt beeindruckend. Und das ist sicherlich Absicht gewesen: Wo sich heute das Polizeipräsidium Wuppertal befindet, residierte einst die Gestapo – denn fertiggestellt wurde der Bau 1939 und sollte die Macht der Nationalsozialisten zur Schau stellen. Genau in diesem Gebäude entsteht nun das Rheinisch-Bergische Zentrum für Polizeigeschichte.

„Wir haben hier Institutionen, die sich schon länger mit der Thematik befassen und auch eng mit uns zusammenarbeiten“, sagt Klaus Theisen. Er arbeitet für die Pressestelle der Wuppertaler Polizei und ist Geschäftsführer des neuen Zentrums. „Außerdem haben wir in Wuppertal und Remscheid besondere Voraussetzungen.“ Denn die Gebäude, in denen das Zentrum untergebracht werden soll, haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich.

„Sehr ehrgeiziges Projekt“

Da wäre zum einen das Präsidium in Wuppertal, gebaut von den Nationalsozialisten, deren Spuren noch überall zu sehen sind. Und zwar nicht nur in der Architektur. Und zum anderen der Pferdestall in Remscheid, der ebenfalls die widersprüchliche Geschichte der Ordnungsbehörde widerspiegelt.

„Das ist ein sehr ehrgeiziges Projekt“, sagt Theisen, der darauf verweist, dass hier ausdrücklich ein regionales Zentrum entstehen soll. „Es gibt in Nordrhein-Westfalen schon einige Projekte, etwa in Münster. Wir wollen uns aber mit der Geschichte im Bergischen Land befassen.“

Für die Polizei in Wuppertal ist das Thema dabei nicht neu: Schon lange habe man sich – auch auf Anregung externer Institutionen wie der Begegnungsstätte Alte Synagoge – mit der Geschichte der Behörde befasst.

Prozess gegen Polizisten im Festsaal

„Im Festsaal des Gebäudes hat zum Beispiel der so genannte Bialystok-Prozess gegen Angehörige der Ordnungspolizei des 3. Reiches stattgefunden.“ Die Prozessakten gibt es noch immer, „Schauspieler aus dem Wuppertaler Schauspielhaus haben dann beispielsweise hier im Gebäude aus den Akten vorgelesen.“ Außerdem gebe es regelmäßig Führungen.

Das Konzept für das neue Zentrum arbeitet das PP Wuppertal in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen anderen Behörden aus – etwa mit dem Landesamt für Aus- und Fortbildung in Selm. „Ethik ist dort immer Thema, auch die Auseinandersetzung mit der Polizeigeschichte“, sagt Klaus Theisen. Eingebunden ist auch die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW (FHöV) sowie die Deutsche Hochschule der Polizei. „Wir stimmen uns in der inhaltlichen Entwicklung mit den Fachleuten eng ab.“

Beispiele für Seminarinhalte in der Polizeiausbildung

Denn das Zentrum soll nicht nur für die zivile Öffentlichkeit da sein, sondern auch die Ausbildung neuer Polizisten unterstützen. Hier gehe es besonders um (Selbst-)Reflektion. Theisen nennt ein Beispiel: „Was hieß es für junge Menschen, in Weimar den Staat zu verteidigen und wie konnte es passieren, dass vielleicht die gleichen Leute im 3. Reich plötzlich der Rassenideologie folgten?“ Anders gesagt: „Wie konnten diese Polizisten Rechte, die in der Weimarer Republik galten, scheinbar ohne große Probleme im 3. Reich auf das Gröbste verletzen?“

Solche Fragestellungen „beschäftigen uns. Und daraus lässt sich auch viel ableiten, was unser aktuelles Wertesystem betrifft“, sagt Theisen. „Etwa, dass jeder Beschuldigte das Recht auf einen Anwalt hat, oder dass es nach einer Verhaftung keine unbegrenzte Haft geben darf, sondern dass ein Richt die U-Haft bestätigen muss.“

Drei Säulen sollen Zentrum tragen

Auf drei Säulen soll das Zentrum für die lokale Polizeigeschichte in Zukunft denn stehen: Dauerausstellung, ergänzt durch temporäre Ausstellungen; inhaltliche Angebote für Fortbildungen und Seminare; Dokumentationszentrum für die Polizeigeschichte seit der Weimarer Republik.

Allerdings: Noch „sind wir stark eingeschränkt durch die Sanierung des Gebäudes hier in Wuppertal“, sagt Klaus Theisen. Läuft alles nach Plan, ist die Anfang 2020 abgeschlossen. „Wir brauchen einen Dokumentationsbereich, eine Bibliothek sowie Räume zur Schulung bzw. Seminarräume.“ Bis dahin ist aber noch genug zu tun: Kontakte knüpfen und ausbauen sowie Gespräche zu inhaltlichen Aspekten führen.

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