Apotheke

In Velberter Apotheken gibt es künftig keine Geschenke mehr

Keine Geschenke mehr an Kunden mit Rezept, urteilte der Bundesgerichtshof.

Keine Geschenke mehr an Kunden mit Rezept, urteilte der Bundesgerichtshof.

Foto: Bernd Wüstneck / dpa

Velbert.  Nach Beschluss vom Bundesgerichtshof dürfen Apotheken an Kunden mit Rezept keine Geschenke mehr verteilen. Wie sich das in Velbert auswirkt.

„Ich hab noch nie so viel über Apotheken in den Medien gelesen wie in den letzten Tagen“, sagt Inge Funke. Was die Sprecherin des Apothekenverbandes für Mettmann, Ratingen und Velbert daran stört? „Es wird so dargestellt, als seien Apotheken nur Bonbons- und Taschentuchverteiler.“

Die Meldung, dass Apotheken zu verschreibungspflichtigen Medikamenten keine kleinen Geschenke mehr verteilen dürfen, bescherte ihnen tatsächlich außergewöhnlich viel Aufmerksamkeit. „Ich finde den Beschluss auf jeden Fall sinnvoll“, sagt Inge Funke. „Aber dass das so viel Aufmerksamkeit erregt, finde ich schade.“

Gleiche Bedingungen in der Gesundheitsversorgung

Denn der Alltag von Apothekern bestünde eben nicht nur daraus, Traubenzucker, Rabattmarken und Taschentücher zu verteilen. „Wir sind akademisch ausgebildete Heilberufler“, sagt die Sprecherin des Apothekenverbandes.

Sinnvoll sei der neue Beschluss vom Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe deswegen, weil die Pflicht des einheitlichen Abgabepreises bestünde. „Wir müssen es schaffen, alle Menschen zu den gleichen Bedingungen zu versorgen“, sagt Inge Funke.

Geschenke verhindern Preisbindung

Bisher hat der BGH Geschenke bis einen Euro durchgehen lassen. Allerdings müssen verschreibungspflichtige Arzneimittel in Deutschland überall gleich viel kosten, damit jeder Kranke sein Medikament überall zum gleichen preis bekommen kann. „Das Prinzip von Angebot und Nachfrage hat in der Gesundheitsversorgung nichts zu suchen“, meint Inge Funke.

Dieser Meinung ist auch Jochen Pfeifer, Inhaber der Adler Apotheke in Velbert: „Der einzige Grund, sich für eine Apotheke zu entscheiden, sollte gute Betreuung sein und nicht der finanzielle Aspekt“, findet er. Einen negativen Aspekt kritisiert er allerdings doch an dem neuen Beschluss:

„In Deutschland funktioniert das sehr gut, aber außerhalb Deutschlands gilt diese Regel nicht.“ Ausländische Versandhandels-Apotheken müssen auf die Preisbindung für rezeptpflichtige Arznei keine Rücksicht nehmen. Dementsprechend können Medikamente im Ausland günstiger angeboten werden als in Deutschland. „Versandapotheken aus dem Ausland machen damit die funktionierende Struktur in Deutschland kaputt“, macht Pfeifer deutlich.

Europaweite Umsetzung gefordert

Dabei ginge es dem Apotheker gar nicht um wirtschaftliche Aspekte, sondern um die ordnungsgemäße Versorgung der Patienten. „Wenn das so weitergeht, können wir die vielleicht irgendwann nicht mehr gewährleisten“, meint Pfeifer. Es könne nicht sein, dass jemand, der auf ein Medikament angewiesen sei, in dieser Situation auch noch Preise vergleichen müsste.

Trotzdem resümiert der Apotheker: „Ich begrüße den neuen Beschluss voll umfänglich.“ Denn für ein gut funktionierendes Gesundheitssystem müssten Medikamente überall gleich viel kosten, „egal, wo diese herkommen.“ Und Inge Funke ergänze bestimmt: „Allerdings muss der Beschluss auch EU-weit umgesetzt werden.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben