Corona-Krise

In Fitness-Studios fällt auch der Reha-Sport aus

In die Pedale treten für die Gesundheit: Peter Liensdorf schätzt das Training im Gesundheitspark. Ab Montag muss er für Wochen darauf verzichten.

In die Pedale treten für die Gesundheit: Peter Liensdorf schätzt das Training im Gesundheitspark. Ab Montag muss er für Wochen darauf verzichten.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Neviges.  Die Schließung der Fitness-Studios ist für alle Sportfans und Studio-Betreiber eine schlechte Nachricht. Einige Sportler trifft sie besonders.

Vorsichtig beugt Elisabeth Hampf die Knie am Gerät „Beinpresse“, macht gewissenhaft ihre Übungen. Danach schnappt sie sich Lappen und Desinfektionsmittel, wischt über die „Kontaktflächen“, wie es so schön heißt. Also über alles, was sie an dem Gerät angefasst hat. Die strengen Hygiene-Regeln im Gesundheitspark an der Siebeneicker Straße befolgt sie ganz selbstverständlich, sie findet sie wichtig und richtig. „Ich fühle mich hier absolut sicher, es ist alles perfekt.“ Umso enttäuschter ist Elisabeth Hampf, dass sie ab nächster Woche hier keinen Sport mehr machen darf: Laut Beschluss von Bund und Ländern bleiben auch die Fitness-Studios für voraussichtlich vier Wochen geschlossen – und das kann Elisabeth Hampf nicht nachvollziehen . „Ich brauche das doch für meine Gesundheit, möchte wieder richtig fit werden.“ Sie gehört zu einer der neun Reha-Sportgruppen, die hier jetzt auch alle ausfallen.

Der Schwerpunkt liegt auf der Therapie

„Wir sind ein Gesundheitspark und keine Muckibude. Bei uns liegt der Schwerpunkt auf Therapie. Klar, einige kommen hier einfach nur wegen der Fitness. Aber die meisten Leute haben schon ihre Gründe, auch wenn sie nicht direkt einer Reha-Gruppe angehören“, sagt Jürgen Kinnen, seit 20 Jahren Geschäftsführer des Studios an der Siebeneicker Straße. Dass er den langen Lockdown im Frühjahr gut überstanden habe, läge nur an der „tollen Solidarität der Leute hier“. Niemand habe gekündigt, auch nur wenige hätten von dem Angebot Gebrauch gemacht, dass ihnen die trainingsfreien Wochen gut geschrieben werden. Ab Montag gehen jetzt wieder die Lichter aus – darüber sind alle hier sauer und traurig.

Ein Angriff auf die Gesundheit

„Das ist ein Angriff der Politik auf meine Gesundheit“, schimpft Peter Liensdorf. Für ihn sei das Training hier die einzige Möglichkeit, überhaupt wieder Sport zu treiben. „Ich habe früher Tennis gespielt, richtig viel gemacht. Geht aber alles nicht mehr mit meinen Vorerkrankungen. Aber hier komme ich gut zurecht, hier halte ich mich gesund. Und diese Möglichkeit wird mir jetzt genommen. Das ärgert mich wirklich.“ Vor allem verstehe er nicht, warum es gerade die Sportstudios treffe. „Ich habe kein einziges Argument gehört, das mich überzeugt. Da fehlt mir als Bürger einfach eine vernünftige Erklärung.“

Gutes Hygiene-Konzept

Denn sie alle loben hier das ausgeklügelte Hygiene-Konzept, das Jürgen Kinnen nach dem ersten Lockdown auf die Beine gestellt hat. Kinnen: „Wir haben verschiedene Ein- und Ausgänge, jeder bekommt seine Flasche Desinfektionsspray. Ich habe Plexiglasscheiben als Trennwände gekauft, und wir haben freiwillig die Anzahl der Leute reduziert, die zeitgleich hier trainieren dürfen.“ Außerdem gebe es eine moderne Lüftungsanlage und man öffne ständig die Fenster. Auch Diplom-Sportlehrer Bernhard Isenberg, einer der zwölf Mitarbeiter, schüttelt nur den Kopf „Das hier stärkt doch das Immunsystem. Die schwächen unsere Gesundheit.“

Sport nach der Schulter-OP

Auch Nikolaus Heimansberg findet die Entscheidung „totaler Blödsinn“. Er gehört zu jenen Sportlern, die sich hier einfach nur mit viel Spaß fit halten – in diesem Fall vier Mal die Woche. „Ja, ich weiß. Ich bin sportsüchtig, ich kann nicht anders. Ich muss immer in Bewegung sein.“ Und was macht er jetzt ab Montag? „Dann werd ich wohl jeden Tag laufen.“ Als sportsüchtig würde sich Wilhelm Funken nun nicht gerade bezeichnen. „Ich bin erst seit September hier, eine richtig schöne Einrichtung. Ich hatte nach einem Fahrrad-Unfall eine Schulter-OP, ich musste was tun. Und das hier, das tut mir richtig gut.“

Online-Kurse in Tönisheide

Findet auch Joachim Nitschmann, der jeden Dienstag und Donnerstag im ViT Studio des ASV Tönisheide trainiert. „Tja, was werde ich jetzt machen? Wohl mehr wandern und Rennrad fahren.“ Seit fünf Jahren schätzt er „das schöne übersichtliche Studio“ und in den letzten Wochen die sicheren Hygiene-Maßnahmen. Für alle, die auch zuhause nicht auf bestimmte Übungen verzichten wollen, stellen Sven Timmermann und Jana Schmalhofer, die das ViT gemeinsam leiten, ein Online-Programm zum Herunterladen ins Netz. Auch Sven Timmermann lobt im ViT die große Solidarität der Sportler. Dadurch haben alle neun Kursleiter während des langen Lockdowns ihren Job behalten.

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