Gastronomie

Im Nostalgie-Café in Neviges gibt’s ein Kutschen-Museum

Ein kleines Kutschen-Museum auf der Terrasse des Nostalgie-Cafés hat Inhaber Holm Jesert auf die Beine gestellt. In der Viktoria-Hochzeitskutsche können Gäste, wenn sie denn wieder kommen dürfen, auch ihr Bier trinken.

Ein kleines Kutschen-Museum auf der Terrasse des Nostalgie-Cafés hat Inhaber Holm Jesert auf die Beine gestellt. In der Viktoria-Hochzeitskutsche können Gäste, wenn sie denn wieder kommen dürfen, auch ihr Bier trinken.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Neviges.  Auf der Terrasse des Nostalgie-Cafés hat Gastronom Holm Jesert ein kleines Kutschen-Museum eingerichtet. Und er hat noch weitere Pläne.

Wenn Gäste nicht kommen dürfen, dann rollen eben Kutschen an. Holm Jesert, der mit seinem Sohn Lars das Nostalgie-Café an der Klosterstraße betreibt, hat die Not zur Tugend gemacht. Als Bund und Länder aufgrund der Corona-Pandemie die Schließung anordneten, erfüllte sich der Senior-Chef einen Traum: Auf der Terrasse des Cafés und davor stehen drei historische Kutschen, der Start für ein schon lange geplantes Kutschen-Museum. „Insgesamt habe ich zehn Kutschen gekauft, die anderen sieben stehen noch bei den Bauern in der Scheune.“ Größtenteils kommen die Gefährte von Höfen aus Niedersachsen, „hier in der Gegend gab es kaum welche und Bayern war zu weit, man muss ja auch die Transportkosten bedenken“, so Jesert.

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Torte essen in der Hochzeitskutsche

Die Umstände zum Start seines Museums hatte er sich allerdings anders vorgestellt. „Die Regierung hatte uns ja im Sommer aufgerufen, die Außengastronomie zu verlängern. Wir hatten uns dieses Zelt angeschafft, dazu Heizstrahler. Hier könnten 30 Leute sitzen und essen, wir haben alles gemacht.“ Doch seit dem 1. November herrschte Leere im Café und in dem eigens für den Winter angeschafften Zelt. Als plötzlich Platz zur Verfügung stand, ging Holm Jesert auf Einkaufstour: Zur weißen Viktoria-Hochzeitskutsche von 1910 und einem Landauer gesellt sich draußen vor dem Café ein historischer Schlitten. „Später könnten die Kutschen auch schräg stehen, dann passen mehr herein“, plant er. Und wenn wieder Gäste kommen dürfen, bekämen sie die Torte auf Wunsch auch in der Hochzeitskutsche oder den Glühwein im Schlitten serviert. „Man kann sich das alles auch einfach nur von drinnen anschauen, der Blick vom Café auf die Terrasse ist ja frei.“

Sieben Kutschen stehen noch in Scheunen

Und was plant der umtriebige Gastronom mit seinen anderen sieben Kutschen, die noch verstreut in diversen Scheunen stehen? „Wenn ich geeignete Räume finde, ziehe ich ein richtiges Kutschenmuseum auf. Man muss den Leuten was bieten, hier gibt’s ja nicht viel.“ Im Moment ist allerdings auch die Mini-Kutschen-Schau noch nicht zu besichtigen. Zutritt ist über das Café, das muss noch geschlossen bleiben. Außerdem, so Jesert, „haben die Museen ja auch zu.“

Sohn kocht für den Außer-Haus-Verkauf

Während Sohn Lars hinten in der Küche fleißig brutzelt und backt für den Außer-Haus-Verkauf, nutzt der Senior-Chef die Zwangsschließung, um das Café mit seinen tausend alten Schätzchen ein wenig umzuräumen. Das unglaublich Sammelsurium könnte durchaus als Basis dienen für ein Museum der Alltagskultur . Aus vornehmen Hause stammt das Bowle-Gefäß aus Bleikristall mit den passenden Henkelgläser, daneben steht eine alte Schreibmaschine, bewacht von gläsernen Soldaten – früher Schnapsflaschen. „Die waren schwer angesagt in den 60er Jahren“, erzählt Holm Jesert. Die gesamte Ausstattung stammt aus Nachlässen, die Gäste in Kisten anschleppten. In Kürze will er zwischen die Tischchen und Stühle auch ein Sofa aus der Zeit des Historismus stellen, „mit hoher Sitzfläche, bequem für ältere Leute.“ Denn irgendwann werden sie ja wieder kommen, die Gäste, die übrigens sämtliche Gegenstände inklusive Mobiliar kaufen können.

Zur Not wird russische Weihnacht gefeiert

Bis es soweit ist, wird unverdrossen weihnachtlich geschmückt. Denn mit fünf Tannenbäumen – auf einen rieselt künstlicher Schnee – geben sich die Jeserts nicht zufrieden. Auch, wenn Holm Jesert nicht mit einer Öffnung Anfang Dezember rechnet, so will man doch gewappnet sein. „Wer weiß, was passiert, wann wir wieder dürfen.“ Und wenn der ganze Dezember wegfällt? „Dann feiern wir eben russische Weihnacht, das ist am 30. Januar.“

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