Konjunktur

IG Metall: In Velbert steht ein schmerzhafter Job-Abbau an

Die Firma Küpper Metallverarbeitung hat zum dritten Mal Insolvenz angemeldet. Sie ist nicht das einzige Sorgenkind für die IG Metall Velbert.

Die Firma Küpper Metallverarbeitung hat zum dritten Mal Insolvenz angemeldet. Sie ist nicht das einzige Sorgenkind für die IG Metall Velbert.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert.  Laut IG Metall stehen Tausende Stellen in Velbert auf der Kippe. Gewerkschaft bietet sich als Partner an, um Betriebe für die Zukunft zu rüsten.

Mit Sorge sieht die IG Metall derzeit die konjunkturelle Entwicklung im Raum Niederberg. Bereits jetzt zeichne sich ein massiver Arbeitsplatzabbau ab, sagt Hakan Civelek, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Velbert. Um aber Firmen für die Zukunft zu rüsten, bietet sich die Gewerkschaft als Partner an. Sie will die Unternehmen beim notwendigen Transformationsprozess begleiten.

„Das dicke konjunkturelle Ende steht noch bevor“

So schildert Hakan Civelek: „In Velbert und Umgebung ist weder ein echter Strukturwandel, noch die anlaufende konjunkturelle Krise angekommen. Insofern steht das dicke kurzfristige konjunkturelle Ende genauso noch bevor, wie der starke strukturelle Wandel. Was allerdings schon zu sehen ist, sind erste Vorab-Reaktionen auf beides.“ Diese äußerten sich unter anderem in einem schmerzhaften Stellenabbau: „Bereits jetzt haben acht Unternehmen in unserer Region, in denen insgesamt 6000 Arbeitnehmer beschäftigt sind, angekündigt, in den nächsten zwei Jahren rund 2000 Arbeitsplätze abzubauen. Das heißt jeder dritte Arbeitsplatz würde demnach wegfallen“.

Als ein Beispiel nennt Civelek den Automobilzulieferer Huf, der unter anderem im Rahmen seines Restrukturierungsprogramms am Stammsitz in Velbert 251 von 1500 Stellen bis Ende 2021 streichen wird. Namen der weiteren Firmen will der Gewerkschafter noch nicht bekannt geben. Nur so viel: „Die Belegschaften sind schon informiert.“ Und das ist auch nicht alles an schlechten Nachrichten für Velbert: Die Küpper Metallverarbeitung hat am 7. Februar zum nunmehr dritten Mal Insolvenz angemeldet, 215 Jobs stehen auf der Kippe.

IG Metall geht auf Arbeitgeber zu

Damit Betriebe nun möglichst erst gar nicht in eine solche Schieflage geraten „und sich auch nicht auf ihrer komfortablen Marktstellung ausruhen“, bietet sich die IG Metall Velbert als Partner für Zukunftsfähigkeit an. „Wir gehen auf die Arbeitgeber zu und versuchen sie davon zu überzeugen, dass wir nur erfolgreich sein können, wenn wir den Transformationsprozess gemeinsam angehen. Die Reaktionen der Arbeitgeber sind hierbei überwiegend positiv.“ Dabei werde alles zusammen unter die Lupe genommen – insbesondere auch mit dem Augenmerk auf die Digitalisierung.

Civelek weiter: „Hierbei wird Abteilung für Abteilung nach dem Grad der Vernetzung und dem Grad der Steuerung durch Technik analysiert. Darüber hinaus werden für jede Abteilung die Beschäftigungsentwicklung, die Anforderungen an die Arbeit sowie die Arbeitsbedingungen erfasst.“ Anschließend würden konkrete Verabredungen ausgearbeitet und getroffen, beispielsweise wie die Personalbedarfsplanung verbessert, Weiterbildungsmaßnahmen intensiviert oder Arbeitsabläufe beteiligungsorientierter gestaltet werden könnten. Dies alles könne dazu beitragen, das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen.

Fehlende Vergabe von Krediten ist ein weiteres Problem

Doch für Gewerkschafter Civelek gibt es auch Unwägbarkeiten: „Als ein weiteres großes Problem sehen wir aktuell, dass insbesondere kleinere Zulieferunternehmen nicht in der Lage sind in Produkte zu investieren, die von großen Zulieferern und Autoherstellern in Zukunft nachgefragt werden, weil Banken und Investoren bei langfristigen Projekten die finanzielle Unterstützung verweigern. Insofern befürchten wir hier einen zunehmenden Transformations-Stopp mit weitreichenden Folgen für die Beschäftigten“.

Dies seien Faktoren, die Zulieferer schnell in eine prekäre Lage versetzen könnten. „Denn wenn Autohersteller etwa von jetzt auf gleich die Beschaffenheit von bestehenden Produkten verändern, muss sich ein Zulieferer darauf einstellen.“ Doch dies könne ihn einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. „Ohne Kredite von Banken und ein Zutrauen von Investoren können die Unternehmen diese technologischen Umbrüche nicht überstehen.“

Arbeitsplätze in der Region sichern

Insofern sei es umso wichtiger, dass Arbeitgeber und die IG Metall zusammenarbeiteten, um die Unternehmen für die künftigen Anforderungen zu rüsten: „Es muss gemeinsam etwas unternommen werden, damit sowohl die Betriebe als auch die Arbeitsplätze in der Region gesichert werden.“

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