Wirtschaft

IG Metall befürchtet Insolvenzwelle in Velbert und Umgebung

Nach Ansicht der IG Metall droht unter anderem bei Automobilzulieferern ein Anstieg an Insolvenzen.

Nach Ansicht der IG Metall droht unter anderem bei Automobilzulieferern ein Anstieg an Insolvenzen.

Foto: Felix Kästle / dpa

Velbert.  Die IG Metall Velbert rechnet mit einem „massiven Anstieg“ an Firmenpleiten. Arbeitgeberverband und „Schlüsselregion“ sehen Lage nicht so düster.

Auf die niederbergischen Unternehmen könnten laut Gewerkschafter Hakan Civelek düstere Zeiten zukommen. So befürchtet der Geschäftsführer der IG Metall Velbert, dass ab Dezember „ein massiver Anstieg an Insolvenzen“ droht. Derart düster betrachten der Arbeitgeberverband der Metallindustrie für Wuppertal und Niederberg sowie der Unternehmerverband „Die Schlüsselregion“ die Situation aber nicht.

Hintergrund für die Sorge der IG Metall ist, dass die so genannte Insolvenzantragspflicht für Unternehmen wegen der Corona-Pandemie lediglich bis Dezember ausgesetzt ist. Sprich: Bis dahin brauchen Betriebe eine (mögliche) Zahlungsunfähigkeit nicht anzumelden, sondern können stattdessen staatliche Hilfen beantragen oder eigene Sanierungsbemühungen voranbringen, um eine Insolvenz zu umgehen. Doch was ab Dezember kommt, birgt nach Ansicht der Gewerkschaft große Risiken.

Schieflage droht

So erwartet Hakan Civelek, dass insbesondere heimische Automobilzulieferer sowie Firmen aus der Metall- und Elektroindustrie in eine schwere Schieflage kommen könnten. „Angesichts der Markt- und Ertragssituation in vielen Unternehmen müssen wir leider damit rechnen, dass es zu einem weiteren Anstieg von Insolvenzanträgen kommen wird, wenn wieder die Insolvenzantragspflicht gilt.“ Zudem stecke die Metall- und Elektroindustrie in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, den die Corona-Krise nochmals beschleunige.

Allerdings seien viele Betriebe nicht ausreichend darauf eingestellt. „Die Unternehmen wären gut beraten, sich gemeinsam mit der betrieblichen Arbeitnehmervertretung und der IG Metall auf eine drohende Insolvenz vorzubereiten“, führt Civelek weiter aus. Dies könne auch vermeiden, dass betroffene Firmen „auf findige Berater“ hereinfielen, die lediglich abkassieren wollten – dabei seien Tagessätze von 3500 Euro für einen Berater durchaus üblich, „in einem mir bekannten Fall waren bei einer Insolvenz über 40 Berater an Bord“, berichtet der Gewerkschafter.

Gewerkschafter sollten in Gläubigerausschuss sitzen

Auch eingesetzte, externe Geschäftsführer könnten „60.000 bis 80.000 Euro pro Monat verdienen“, was den betrieblichen Handlungsspielraum deutlich einschränke. Und: „Wir beobachten zudem, dass die Unternehmensfortführung im Insolvenzverfahren nicht immer die oberste Priorität hat“, sagt der IG-Metall-Geschäftsführer. Deswegen plädiert er dafür, dass im Fall einer Insolvenz Gewerkschaftsvertreter mit in Gläubigerausschüssen säßen, „denn wir wissen, was wichtig ist, und viele maßgebliche Entscheidungen bei einer Insolvenz bedürfen einer Einstimmigkeit im Gläubigerausschuss“.

Arbeitgeberverband schließt Personalabbau nicht aus

So negativ wie Civelek bewertet Peter Starke, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Metallindustrie für Wuppertal und Niederberg, die wirtschaftliche Lage nicht – räumt aber dennoch ein: „Insbesondere die Kfz-Zulieferindustrie hat erhebliche Auftragseinbrüche in den letzten Monaten verkraften müssen, was aber nicht nur mit der Pandemie zusammenhängt. Trotz nun wieder etwas anziehender Auftragslage müssen viele Betriebe weiterhin Kurzarbeit fahren.“ Eine Insolvenzwelle in der Zulieferindustrie sehe er allerdings nicht: „Hierzu fehlen uns aber auch die Informationen aus den Betrieben. Dennoch müssen wir damit rechnen, dass einige Unternehmen auch mit Umstrukturierungen und Personalabbaumaßnahmen reagieren müssen.“

In solchen Fällen – wie auch bei möglichen Insolvenzen – betrachtet Starke die IG Metall auch als Ansprechpartner: „Generell stehen wir als Tarifvertragspartei immer zu Gesprächen und notwendigen Vereinbarungen zur Verfügung.“

„Schlüsselregion“ vernimmt positive Nachrichten

Auch „Schlüsselregion“-Geschäftspartner Dr. Thorsten Enge erwartet keinen deutlichen Anstieg an Insolvenzen – auch wenn niemand ganz genau wissen könne, wie sich die Situation bis Ende des Jahres entwickeln werde. Doch: „Aktuell hören wir verstärkt positive Nachrichten aus den heimischen Unternehmen. Die Lage ist nach wie vor angespannt, aber ich sehe erstmal keinen Grund für Pessimismus.“

Daher glaubt Enge auch nicht, dass Betriebe aus der Metall- und Elektroindustrie sowie aus der Automobilzuliefererbranche besonders in ihrer Existenz bedroht seien. Denn: „Warum sollten diese Unternehmen stärker gefährdet sein als andere? Ich würde eher vermuten, dass es vor allem eine Häufung von Insolvenzen in den Branchen gibt, deren Geschäftsmodell durch die Corona-Einschränkungen besonders betroffen ist.“

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