Langenberg Festival

Höhepunkt im kulturellen Leben Langenbergs und der Region

Im Rahmen des Langenberg Festival wurde im Historischen Bürgerhaus  „Über allen Wipfeln" aufgeführt. Es spielen (von links) Nina Reddig, Annette Walther und Gareth Lubbe. Foto: Ulrich Bangert/FUNKE Foto Services

Im Rahmen des Langenberg Festival wurde im Historischen Bürgerhaus „Über allen Wipfeln" aufgeführt. Es spielen (von links) Nina Reddig, Annette Walther und Gareth Lubbe. Foto: Ulrich Bangert/FUNKE Foto Services

Foto: Ulrich Bangert / FUNKE Foto Services

Velbert-Langenberg.  5. Langenberg Festival brachte gewichtige Werke bei den Konzerten zu Gehör. Die Künstler waren mit ganzer Seele dabei und das Publikum begeistert

Zum fünften Mal hat es Nina Reddig geschafft, in Langenberg ein Kammermusik- Festival auszurichten und dafür namhafte Interpreten zu gewinnen. Diese Schöpfung erfährt immer mehr Zuspruch und bedeutet ein Highlight im kulturellem Jahresablauf in Langenberg und der ganzen Region.

Gewichtige Werke standen unter einem ganzen Themenkomplex auf dem Programm. Den Anfang machte ein romantisch geprägter Abend unter dem Motto „Herbstlied“. Hier kam der Bratschist Nils Mönkemeyer zum Zuge, der mit Liedbearbeitungen für die Bratsche die Musikwelt seit einiger Zeit bezaubert. Ein Schwergewicht setzte allerdings Nina Reddig mit der gewaltigen Violinsonate in d-moll von Johannes Brahms , in der sich die Geigerin als Königin des Festivals erwies.

Interpretation voller Gewalt und Ausdruckskraft

Nils Mönkemeyer hielt mit einem Werk von Benjamin Britten dagegen, das durchaus als modernes Pendant zur Brahmssonate angesehen werden kann und ihr an Gewalt und Ausdruckskraft in nichts nachsteht (mit dem Titel „Lacrimae“ – in memoriam John Dowland). Beide Künstler hatten in Trung Sam einen versierten, ebenbürtigen, einfühlsamen Klavierpartner.

Der nächste Abend war von nur einem Werk geprägt: J.S.Bachs „Goldberg-Variationen“, das wohl bedeutendste Variationswerk aus der Barockzeit, wobei die Klavierinterpretation Glenn Goulds legendär wurde. Nina Reddig und Nils Mönkemeyer zusammen mit dem Cellisten Julian Arp präsentierten das Werk allerdings in einer Eigenbearbeitung für Streichtrio, was zunächst Neugier, dann Erstaunen, dann Betroffenheit, Irrtation und schließlich helle Begeisterung auslöste.

Das Publikum war ergriffen

War man bei diesem Werk den klaren, strukturierten Klang des Cembalos und Klaviers gewöhnt, wurde man nun mit breit dahinströmenden, emotionsgeladenen Formationen konfrontiert. Schließlich war das ganze Publikum dermaßen ergriffen, dass der Jubel groß war, und es wieder einmal offenbar wurde, dass aus Bachs Musik die ganze Vielfalt und Tiefe herausgelockt werden konnte, die Bach so über alle Stilrichtungen und Zeiterscheinungen herausheben.

Ein Höhepunkt der abendländischen Kammermusik

Und damit noch nicht genug. Der dritte Abend war bestimmt von einem Werk, das von vielen als der Höhepunkt der abendländischen Kammermusik angesehen wird: Schuberts Streichquintett in C-dur. Schubert hat das Werk zwei Monate vor seinem Tod geschrieben und hat es wohl nie gehört. Er hat uns mit diesem Werk ein Vermächtnis hinterlassen, vor dem sich – wie Joachim Kaiser sagt- „die Menschen verneigen“. Und er schreibt weiter: „Mit Worten kann kein Mensch das tönende Mysterium dieses Werkes völlig enträtseln oder auf Begriffe bringen.“

Mit leidenschaftlicher Hingabe an die Musik

Ich will es daher auch gar nicht versuchen, mich mit Worten dem Werk zu nähern, sondern will den Künstlern danken, die sich mit ganzer Seele diesem Kunstwerk gewidmet haben. Mit Nina Reddig und Julian Arp vereinten sich Annette Walther (Violine), Gareth Lubbe (Viola) und Hannah Weber (Cello) zu einem homogenen Klangkörper, detailliert aufeinander bezogen, feinsinnig zusammenschwingend. Die Gegensätze dieses Wunderwerkes wurden von ihnen in Höhen und Tiefen ausgelotet und in leidenschaftlicher Hingabe an diese Musik zum eigenen Anliegen gemacht.

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