Velberter Geheimnisse

Hochhaus mit 300.000 Kästen Bier auf dem Dach

Hans-Walter Humme hat sich mit der außergewöhnlichen Geschichte des Hochhauses in der Lindenstraße beschäftigt.

Hans-Walter Humme hat sich mit der außergewöhnlichen Geschichte des Hochhauses in der Lindenstraße beschäftigt.

Foto: Bast Verlag

Velbert-Mitte.  Das Wasserturm-Hochhaus in Velbert ist aus der Not geboren: In den 1950ern wuchs Velbert rasant und brauchte Wohnraum – und Wasser.

Oberflächlich betrachtet fällt an dem Hochhaus an der Lindenstraße 1 erst einmal nichts Ungewöhnliches auf. Nimmt man allerdings das Gebäude aus weiterer Distanz in Augenschein, bleibt der Blick am Dach, genauer gesagt unterhalb des Flachdachs, hängen.

Man kann einen zylindrischen Baukörper ausmachen, der sich über die gesamte Dachfläche erstreckt. Hans-Walter Humme, Prokurist bei den Stadtwerken Velbert, hat sich viel mit dem Hochhaus beschäftigt und ist sich sicher: „Die Kombination ist bis heute ungewöhnlich.“ Die „Kombination“, von der er spricht, besteht aus einem Wasserturm einerseits und einem Wohngebäude andererseits. „Notwendig geworden war das Gebäude durch die stark angestiegene Einwohnerzahl in Velbert“, erklärt der Mitarbeiter der Stadtwerke.

In 100 Jahren von 800 auf 50.000

1840 lebten gerade mal 758 Menschen in der Stadt. Um die Jahrhundertwende waren es schon 17.000. In den nächsten 60 Jahren verdreifachte sich die Bevölkerungszahl, und bereits 1961 wurde die 50.000 Einwohner-Marke geknackt. Mit jedem neuen Bürger stieg der Verbrauch an Wasser, und somit war man gezwungen, auch die Speicherkapazitäten entsprechend zu erhöhen.

Da gleichzeitig aber auch der Bedarf an Wohnraum größer wurde, kamen die Velberter auf eine nahezu geniale Idee: Sie machten aus der Not eine Tugend und adaptierten eine Lösung aus Brühl: ein Wasserturm kombiniert mit einem Wohnhaus. Doch während sich die linksrheinische Stadt mit einem Fassungsvermögen von rund 1500 Kubikmetern und 14 Wohnungen zufriedengab, wollten die Verantwortlichen in Velbert mehr.

Nachdem die Zuschüsse bewilligt worden waren, erfolgte im April 1957 der Spatenstich, und drei Monate später begannen die Bauarbeiten, die nach weiteren 20 Monaten erfolgreich abgeschlossen wurden. Ob den ersten Bewohnern der neu entstandenen Wohnungen etwas mulmig zu Mute war, ist nicht festgehalten. „Sicher ist jedoch, dass sie ganz beruhigt ihr neues Zuhause beziehen konnten, denn der Wasserspeicher, der seinen Platz auf dem Dach gefunden hatte, verfügte über diverse Schutzmaßnahmen, die den Bruch des Tanks verhindert hätten“, erläutert der Mitarbeiter der Stadtwerke.

Diese Geschichte ist eine gekürzte Version aus dem Buch „Velberter Geheimnisse – Spannendes aus dem Niederbergischen mit Kennern der Stadtgeschichte“. Es ist im Verlag Bast Medien in Kooperation mit der WAZ erschienen, hat 192 Seiten, kostet 19,90 € (ISBN: 978-3-94581-55-0) und ist erhältlich in den Geschäftsstellen der WAZ, in Buchhandlungen und online unter www.bast-medien.de (portofreier Versand).

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