Ausstellung

Hieb für Hieb entsteht die Feile

Auch dieser uralte Musterkoffer, den Yvonne Gönster und Ulrich Morgenroth zeigen, ist Teil der Ausstellung.

Foto: Uwe Möller

Auch dieser uralte Musterkoffer, den Yvonne Gönster und Ulrich Morgenroth zeigen, ist Teil der Ausstellung. Foto: Uwe Möller

  Deutsches Werkzeugmuseum ist zu Gast im Deutschen Schloss- und Beschlägemuseum. Viel zu schauen und hautnah fühlen, wie scharf eine Raspel ist.

Die Tatsache, dass das Deutsche Schloss- und Beschlägemuseum erstens im Arbeitskreis Bergischer Museen mit von der Partie ist und es dort zweitens die vom Geben und Nehmen lebende Reihe „Zu Gast bei“ gibt, bringt es mit sich, dass auch für die Velberter mal was Interessantes abfällt. So wie jetzt die aus gut und gerne 250 einzelnen Exponaten bestehende Leihgabe vom Remscheider Werkzeugmuseum „Ganz schön ausgefeilt!“

Relikte aus einer ehemaligen Fabrik

Wer etwa wissen möchte, wie wortwörtlich Schlag auf Schlag eine Feile entsteht oder aber hautnah und hübsch vorsichtig testen will, wie scharf eine Raspel ist, der kann ab Mittwoch, 13. Dezember, die gerade mal um die 40 Quadratmeter kleine Sonderfläche in der ersten Etage besuchen, wo der Bergische Geschichtsverein zuletzt Velbert als europäischen Gießereistandort gewürdigt hat und aktuell Dr. Yvonne Gönster der neuen Schau den letzten Feinschliff verpasst: „Den Raum hab ich jetzt okkupiert für ein kurzes Intermezzo.“

Sortiment veranschaulicht die Vielfalt

Thematisiert werden Geschichte, Aufschwung und Niedergang sowie Herstellung und Handel. Die wissenschaftliche Volontärin zählt u. a. den uralten Musterkoffer, den massiven Schreibtisch und vor allem „den total nostalgischen“ Messestand, der noch bis vor wenigen Jahren stets ein Highlight und Hingucker auf der Kölner Eisenwarenmesse war, zu ihren großen Favoriten. Das Sortiment eines aktuellen Herstellers führt die Vielfalt dieses in der Regel aus Karbonstahl gefertigten Produktes vor Augen. Und natürlich gibt es auch besondere Feilen für die Schloss-Herstellung.

Zunächst war alles handgemacht

Die meisten Exponate stammen Gönster zufolge aber aus der 1830 gegründeten und über vier Generationen geführten Remscheider Firma Ehlis. Ihr Logo sei ein gekrönter Hund, der ein E in seinen Pfoten halte. Zunächst seien alle Produkte handgemacht gewesen, später seien sie fabrikmäßig hergestellt worden. „Ich glaube, die haben ihre Feilen geliebt“, sagt Gönster und deutet auf ein spezielles Elektroden-Feilgerät, „Elfe“ genannt.

Eine „Extra-Velbert-Vitrine“

Ergänzt wird das Remscheider „Sortiment“ durch Kunstwerke, die Werner Wand – selbstverständlich aus Feilen – geschaffen hat. Und durch Feilen aus der Wönnemannschen Schmiede, dem „Herzstück unserer Daueraussstellung“, mit denen eine „Extra-Velbert-Vitrine“ bestückt wird und von denen noch so etliche Exemplare im Magazin des Museums schlummern.

Eröffnung ist am nächsten Mittwoch

Die Ausstellung wird am Mittwoch um 18 Uhr eröffnet. Nach einem Grußwort des Fachdezernenten Gerno Böll führt dann Dr. Yvonne Gönster in das Thema ein (Dauer: bis 29. April 2018).

Ausstellung über das Verschlüsseln und Entschlüsseln

Die Sonderausstellungsfläche gleich unten im Fachmuseum ähnelt zurzeit einer kleinen Baustelle. Dort laufen die Vorbereitungen für die nächste Schau, die sich um die Geschichte der Kryptographie dreht: „Verschlüsselt, entschlüsselt – Die Enigma und ihre Töchter“ heißt es ab Februar. Das Prunkstück schlechthin wird die deutsche, rein elektro-mechanisch funktionierende und geradezu legendäre Maschine zum Verschlüsseln des Funkverkehrs sein. Sie hat Dr. Ulrich Morgenroth zufolge mittlerweile „richtigen Kultstatus bekommen“, sei im Zweiten Weltkrieg zigtausendfach gebaut worden. Heutzutage würden deutschlandweit jedoch nur noch vier Exemplare ausgestellt. Das Vorzeigestück der Velberter Ausstellung, Baujahr 1938, stammt aus der wehrtechnischen Studiensammlung in Koblenz. (Nicht nur) aus Sicht des Museumsleiters gilt die Enigma als „die Ikone des Informationszeitalters“. Die Briten hatten damals aber die Technik durchschaut, lange bevor die Deutschen und ihre U-Boot-Fahrer das letztlich bitter erkennen mussten.

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