Gericht

Heroinprozess: Schmuggelfahrer (55) aus Velbert gesteht

Das Landgericht in Wuppertal: Hier findet der Prozess gegen die mutmaßlichen Heroinschmuggler aus Velbert statt.

Das Landgericht in Wuppertal: Hier findet der Prozess gegen die mutmaßlichen Heroinschmuggler aus Velbert statt.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Wuppertal.  Vor dem Landgericht Wuppertal muss sich eine Gruppe aus Velbert wegen Heroinschmuggels verantworten. Nun hat der Fahrer ausgesagt.

In einem Prozess um Heroingeschäfte in Velbert hat ein 55 Jahre alter Angeklagter regelmäßige Einkäufe der gefährlichen Droge in Holland und die anschließenden Schmuggelfahrten gestanden.

Der Mann machte im Landgericht Wuppertal bis ins Einzelne Angaben zum Ablauf der Drogengeschäfte. Er muss sich mit zwei weiteren Angeklagten – Vater (67) und Sohn (35) – und einer mutmaßlichen Gehilfin (58) wegen Einfuhr und Handel im Kilogrammbereich verantworten. Abnehmer soll überwiegend die Velberter Szene Szene gewesen sein.

Betrug und Misstrauen

Der 55-jährige Mann ist selbst drogenkrank. Er berichtete von einem Umgang in der Gruppe voller gegenseitigem Betrug und Misstrauen. Sein Bekannter, der 35 Jahre alte Mitangeklagte, habe sich unter Konsum von Kokain massiv verändert: „Er ist immer aggressiver geworden und seltsamer. So kannte ich den gar nicht. Früher war er lustig.“

Der Staatsanwaltschaft zufolge sollen die vier Angeklagten in wechselnder Besetzung ab 2016 Heroin aus Holland beschafft, portioniert und weiter verkauft haben. Laut Ermittlungen liefen die Geschäfte bis April 2020. Der 67-Jährige und sein Sohn sollen der Kern der Gruppe gewesen sein.

Der Fahrer bestätigte, er habe eine Schlüsselfunktion gehabt: Nachdem der Sohn Ende 2018 festgenommen wurde habe er die Gruppe neu mit den Lieferanten in Holland verbunden.

Beim selben Händler gekauft

Laut Geständnis lernten sich der spätere Fahrer und der jüngere Mitangeklagte 2015 kennen, weil beide beim selben Velberter Händler Heroin bezogen. Später habe man sich zusammen getan, um Geschäfte auf eigene Faust zu machen. Sie hätten „das Material“ für Preise zwischen 21 und 27 Euro pro Gramm gekauft und auf die dreifache Menge mit Koffein oder Schmerzmitteln gestreckt. Das Ergebnis ging an die Einzelabnehmer für 50 Euro pro Gramm.

Als Fahrer allerdings habe er anfangs nur drei Gramm Heroin und 30 Euro Spritgeld pro Tour bekommen. Später habe ihm ein Lieferant gesteckt: Eigentlich gibt es für die Schmuggelfahrten 500 Euro pro Tour. Der Angeklagte sagt, das habe er dann in der Velberter Gruppe durchgesetzt und bis zur Festnahme auch so bekommen: „Ich habe gesagt, dass ich das Gefühl habe, sie wollen mich übervorteilen.“

Das Gericht will am 9. November 2020 weiter verhandeln.

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