Handwerk

Handwerker: Wiedereinführung der Meisterpflicht überfällig

Auch Fliesenleger sollen künftig wieder den Meisterbrief brauchen, wenn sie sich selbstständig machen wollen.

Auch Fliesenleger sollen künftig wieder den Meisterbrief brauchen, wenn sie sich selbstständig machen wollen.

Foto: Martin Schutt / dpa

Velbert.  Bundesregierung plant Beschränkungen für zwölf Berufe. Es gab viele Kundenbeschwerden und Ausbilder für den Handwerks-Nachwuchs fehlten.

Die Bundesregierung plant eine Wiedereinführung der Meisterpflicht in insgesamt zwölf Handwerksberufen. Konkret geht es dabei um zwölf Berufsgruppen, darunter Fliesenleger, Platten- und Mosaikleger, Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Glasveredler, Raumausstatter sowie Orgelbauer.

Thomas Grünendahl ist Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Mettmann und findet, dass das Vorhaben längt überfällig ist: „Die Reform ist sehr gut für das Handwerk, kommt meiner Meinung nach aber viel zu spät“.

„Die Qualität der Branche hat gelitten“

Im Jahr 2004 war die Meisterpflicht für 53 der 94 Handwerksberufe in Deutschland weggefallen. Damit wollte die damalige Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder das Handwerk für Selbstständige einfacher zugänglich machen und dadurch die hohe Arbeitslosigkeit lindern. Die Beschäftigungszahlen stiegen zwar, jedoch habe darunter die Qualität in der Branche gelitten, so Grünendahl. „Es konnten sich plötzlich Leute ohne jegliche Qualifikation Fliesenleger nennen“. „Wenn die Arbeit von meisterlosen Betreiben dann dementsprechend mangelhaft ausfällt, ist dies natürlich zum Leid der Kunden“. Dadurch hätte wiederum das Image der ganzen Branche Schaden davon getragen, so der Handwerksmeister.

Immer weniger junge Leute wurden ausgebildet

Eine weitere Fehlentwicklung sei zudem im Bezug auf die Ausbildung vom Nachwuchs entstanden. „Seit der Novelle 2004 hat es immer weniger Auszubildende in den Berufen gegeben“, sagt Alexander Konrad, Pressesprecher der Handwerkskammer Düsseldorf. Wie es zu dieser Entwicklung kommt erklärt er so: „Wer nicht ausgebildet ist, kann auch nicht ausbilden“.

Viele Betriebe schlossen schnell wieder

Die mangelnde Anzahl an Fachkräfte zeigte sich auch anhand der Fluktuation. „So waren vier von zehn Gründungen von Unternehmen ohne fachlich-kaufmännische Vorqualifikationen ein Jahr nach ihrer Eröffnung nicht mehr am Markt und für den Verbraucher zum Beispiel für Nachbesserungen nicht mehr erreichbar“, so Konrad. Zum Vergleich: Die Fluktuationsquote bei Meister- oder vergleichbaren Qualifikationsabschlüssen, wie ein Fachstudium, liegt wesentlich niedriger. Hier überstehen zwei Drittel der Gründungen die Phase der Existenzfestigung, die erste fünf Jahre.

Zu schaffen machten vielen Meisterbetrieben in der Vergangenheit vor allem die billigen Angebote mit denen Betriebe ohne Meisterbrief lockten.

Neuregelung gilt nur für Neugründungen

Dirk Mentel ist Fliesenlegermeister und Inhaber seines eigenen kleinen Betriebs in Velbert, blieb vom Preisdumping von Konkurrenten verschont: „Viele meiner Kunden wollen gezielt einen Meisterbetrieb engagieren und suchen nicht bloß nach den günstigsten Preis“.

Ziel der Koalition ist es, dass die Änderung der Handwerksordnung am 1. Januar in Kraft tritt. Allerdings soll die Regulierung nur für neue Betriebe gelten. Bestehende Betriebe, die derzeit nicht der Meisterpflicht unterliegen, dürfen auch weiterhin ihr Handwerk selbstständig ausüben und erhalten Bestandsschutz.

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