Gewerkschaft

Hakan Civelek kämpft für mehr Betriebsräte

Hakan Civelek ist seit Mitte des Monats der neue Bevollmächtigter der IG Metall Velbert. Sein Vorgänger Michele Dattaro ist in den Ruhestand gegangen.

Hakan Civelek ist seit Mitte des Monats der neue Bevollmächtigter der IG Metall Velbert. Sein Vorgänger Michele Dattaro ist in den Ruhestand gegangen.

Foto: Uwe Möller

Velbert.   Der neue Bevollmächtigte der IG Metall hat Mitte März das Amt angetreten. In Velbert ist er kein Unbekannter, er war 15 Jahre lang Rechtssekretär

Noch steht an Hakan Civeleks Büro „Rechtssekretär“. Dabei ist der 51-Jährige seit dem 14. März der neue 1. Bevollmächtigte des IG Metall-Bezirks Velbert. Doch die (noch) falsche Begrifflichkeit stört Civelek nicht. „Das wird irgendwann noch geändert“, sagt er mit einem Lächeln. Und ohnehin: Statt über Titel redet der gelernte Maschinenschlosser und studierte Rechtswissenschaftler lieber über die kommenden Aufgaben, die ihn erwarten.

Er setzt auf Kontinuität

Dabei setzt er auch auf Kontinuität. Denn ähnlich wie Michele Dattaro, seinem Vorgänger als 1. Bevollmächtigten des Bezirks (wozu neben Velbert noch Heiligenhaus, Wülfrath und Mettmann zählen), ist Civelek die betriebliche Tarifbindung eine Herzensangelegenheit. So sagt er: „Davon müssen immer noch sehr viele Unternehmen überzeugt werden. Insbesondere Betriebe ohne einen Betriebsrat sind oft nicht tarifgebunden.“

500 von 650 Unternehmen ohne Betriebsrat

Das ist dann auch das Stichwort für den nächsten Schwerpunkt, den der zweifache Familienvater setzen will: Er möchte dafür sorgen, dass in mehr Firmen ein Betriebsrat installiert wird. Laut Civelek haben nämlich „500 der 650 Unternehmen“ aus der Metall- und Elektroindustrie in dem Bezirk keine eigene Interessensvertretung. Damit sich das ändert, will der Gewerkschafter sich Zugang zu noch mehr Unternehmen verschaffen. „Wir möchten an die Beschäftigten herantreten, diese informieren und sensibilisieren, einen Betriebsrat zu gründen.“

Unter dem Schutz des Gesetzgebers

Dabei betont der gebürtige Norddeutsche, dass er das Recht auf seiner Seite hat: „Im Betriebsverfassungsgesetz steht, dass schon jeder Versuch, eine Betriebsratswahl zu behindern oder zu beeinflussen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr geahndet werden kann.“ Unter den Schutz des Gesetzgebers fielen da auch Informationsveranstaltungen der Gewerkschaften für die Gründung eines Betriebsrates – ebenso wie schon das Bekenntnis von Beschäftigten, sich für einen Betriebsrat und dessen Wahl einzusetzen.

Civelec geht es nicht unbedingt um Konfrontation

Das sei vielen Arbeitnehmern aber gar nicht bewusst, wie Civelek ausführt: „So hat beispielsweise ein Staatsanwalt selbst einen Fall zur Anzeige gebracht, bei dem ein Arbeitgeber bei einer Wahlversammlung den Mitarbeitern zugerufen hat, sie sollten sich alles noch einmal genau überlegen.“ Das Ganze landete vorm Amtsgericht.

Doch Civelek geht es nicht unbedingt um Konfrontation, vielmehr setzt er lieber auf Einvernehmlichkeit. In dem eben erwähnten Fall sei es dann auch zu einer Einigung mit dem Arbeitgeber gekommen – der Betriebsrat konnte gewählt werden. Der 1. Bevollmächtigte betont aber noch einmal, dass Versuche, durch Schikane oder Drohungen die Bildung einer betrieblichen Interessensvertretung zu verhindern, verfolgt würden: „Das ist eine Straftat.“

Sozialpartnerschaft eingehen

Zudem weist Civelek darauf hin, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber durchaus auch „eine Sozialpartnerschaft“ eingehen könnten. Was natürlich auch eine Tarifbindung – ob in Form eines Flächentarif- oder eines Haustarifvertrags – umfassen sollte. Die Vorteile dabei seien: „Wer seine Mitarbeiter fair bezahlt, hat eine zufriedene und motivierte Belegschaft und kann auch Fachkräfte halten. Zudem haben tarifgebundene Unternehmen mit uns auch einen Partner, der sie beispielsweise bei einer Flexibilisierung im Betrieb unterstützt, ohne dass der Arbeitgeber auf jeden einzelnen Beschäftigten zugehen muss“, bilanziert Civelek.

>>JURA AUF DEM ZWEITEN BILDUNGSWEG

  • Geboren wurde Hakan Civelek im Jahr 1966 in Lübeck. Seine Eltern stammten von der türkischen Schwarzmeerküste und sind 1960 nach Deutschland gekommen. „Sie gehörten mit zu den ersten Einwanderern aus der Türkei“, sagt der neue 1. Bevollmächtigte der IG Metall Velbert.
  • Schon früh engagierte sich Civelek sowohl politisch als auch gesellschaftspolitisch und war unter anderem in der „Interkulturellen Begegnungsstätte“ in Lübeck aktiv. Nach einer Ausbildung zum Maschinenschlosser studierte er auf dem zweiten Bildungsweg Rechtswissenschaften in Hamburg.
  • Bereits während des Studiums arbeitete er für die IG Metall in Lübeck und dann auch für die Vorstandsverwaltung der Gewerkschaft in Frankfurt.
  • Später ging Civelek zum europäischen Metallgewerkschaftsbund nach Brüssel, kehrte aber 2003 nach Deutschland zurück: Da wurde er Rechtssekretär beim IG Metall-Bezirk Velbert, wo er nun am 14. März zum neuen 1. Bevollmächtigten gewählt wurde. Civelek ist seit fast 30 Jahren verheiratet und hat einen Sohn, der Industrie-Design studiert, sowie eine Tochter, die kurz vor ihrer Dissertation in Jura steht.

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