Schule

Grundschüler in Velbert lernen bereits Erste Hilfe kennen

Gelernt ist gelernt. Und sieht doch ziemlich perfekt aus, wie der achtjährige Alblin seinem gleichaltrigen Mitschüler Arda einen Kopfverband verpasst.

Gelernt ist gelernt. Und sieht doch ziemlich perfekt aus, wie der achtjährige Alblin seinem gleichaltrigen Mitschüler Arda einen Kopfverband verpasst.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Velbert-Mitte.  Grundschüler lernen in Velbert schon in der dritten Stufe Erste Hilfe kennen und leisten. In der GGS Birth gib’s noch viel mehr Projekte.

Die Kinder haben einen Arm in der Schlinge, tragen voluminöse Verbände um den Kopf, schauen aber nicht wirklich leidend aus der Wäsche. Im Gegenteil: Es wird gegrinst und gefeixt. Also keine Panik, in der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Birth in Velbert hat’s keinen Massenunfall gegeben, hier läuft zur Mittagszeit lediglich eine Erste-Hilfe-AG. Wo die Jungen und Mädchen nicht nur grundlegende Maßnahmen kennen und umsetzen lernen, sondern als erstes erfahren, dass Erste Hilfe nicht mit dem Pflaster anfängt.

Trösten, ansprechen und Verantwortung zeigen

Vielmehr geht’s ums Trösten, Ansprechen, Verantwortung übernehmen und überhaupt erkennen, dass jemand Hilfe braucht, wie Anna Hasenkamp erläutert. Sie ist Klassenlehrerin einer Drei, hat die Idee von GGS-Leiterin Sabine Klose zu der AG aufgegriffen und setzt sie seit dem Schuljahr 2018/19 als „freiwilliges Angebot im nachschulischen Bereich“, wie das offiziell heißt, um. Heute erstmals mit Melanie Dittmann. „Ich finde das super, für mich ist das neu“, sagt die hauptamtliche Ausbilderin vom DRK-Kreisverband Mettmann.

Kleine Wunden versorgen

„Ihr seid der Melder, Ihr seid das Wichtigste, Ihr setzt die Rettungskette in Gang“, ruft sie aufmunternd den zwölf Kindern zu, die durch die Bank die dritte Stufe besuchen und sich jeweils zu viert an einem Tischchen gruppiert haben. Jetzt lernen sie, einen Notruf abzusetzen. Die Nummern? Vor allem die 112, klar, die 110 gibt’s auch. Noch wichtiger: Alle relevanten Fragen zu beantworten. Wo, wie viele Verletzte, was ist passiert und so weiter. Die aus verschiedenen Klassen zusammengewürfelte AG-Gruppe bleibt ein Schuljahr lang zusammen. Die Kinder lernen auch über Gefühle zu sprechen, Situationen sicher zu erkennen. Sie machen Verbände und versorgen kleine Wunden.

Handschuhe an und die Blutung stillen

Weiter im Text. Schließlich haben ja alle Kids schon mal unter Anleitung Verbände gewickelt. Ob sich eines noch erinnert, was sie bei einem vorgeblich lädierten Ellenbogen Besonderes gemacht haben? Zack ist der Finger von Moritz oben: „Da haben wir ein Dreieck reingeschnitten.“ Und dann endlich kommt die Praxis. Dafür sollen sich die Kinder in Dreiergruppen aufteilen; zwei Mädchen und zwei Jungen zeigen sich zunächst als unzertrennlich, strahlen treuherzig und müssen von Anna Hasenkamp auseinander dividiert werden. Ha, und nun heißt es, in dem knallroten Kunststoffverbandskasten die Handschuhe zu finden und zum Schutz anzuziehen, schließlich geht’s um eine blutende Wunde. Da dürfe kein Dreck rein, die Blutung müsse gestillt werden. „Dann etwas Steriles auflegen!“

In den Pausen als Schulsanitäter im Einsatz

„Sie sind ja in einem Alter, wo sie gerne helfen und zugänglich sind“, erklärt Anna Hasenkamp zu der AG. Sie findet in dem Raum ihrer Klasse statt. „Hier lernt, lebt, lacht und lauscht die Mäuseklasse“, steht an der Tür. „Das ist ne schöne Aktion. In der heutigen Zeit ist es sehr wichtig, hilfsbereit und einfach da zu sein.“ Nach dem ersten Halbjahr liefen die Teilnehmer mit Warnwesten, Logo und Rucksäcken „als kleine Schulsanitäter“ in den Pausen über den Schulhof.

Klassische Feste behalten ihren Stellenwert

In der Grundschule Birth, sie ist mit 450 Schülern aus mehr als 30 Nationen und demnächst durchgängig fünfzügig auf jeden Fall die größte ihrer Art vor Ort und im ganzen Neanderland, gibt’s noch mehr

Projekte. „Wir haben jede Menge, ich könnte Sie damit zuballern“, antwortet Sabine Klose auf Nachfrage und nennt einige Beispiele. Das geht u. a. vom Schulhund Paula, Kinderkonferenz und Schule ohne Rassismus über Streitschlichtung sowie Müllvermeidung und -trennung bis zum kostenlosen Schulobst. „Digital sind wir megaweit“, fügt die GGS-Chefin hinzu. Zudem feiere man klassische Feste. „Wir sind straight und durchorganisiert“, sagt Klose, „und manchmal wohl auch mehr Familie als im klassischen Sinne.“

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