WAZ-Serie

„Goldonkel“ spendierte das Grundstück für das Krankenhaus

So sah das Krankenhaus kurz nach der Errichtung 1895 aus. Um mehr Betten unterzubekommen, wurde es später umgebaut und aufgestockt. Die ersten beiden Etagen blieben stehen.

So sah das Krankenhaus kurz nach der Errichtung 1895 aus. Um mehr Betten unterzubekommen, wurde es später umgebaut und aufgestockt. Die ersten beiden Etagen blieben stehen.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Neviges.  Das ehemalige Krankenhaus ist Thema der Serie „Verschwunden, aber nicht vergessen.“ Die Eröffnung 1895 sorgte in Neviges für Aufregung.

Um die wechselvolle Geschichte des ehemaligen Krankenhauses geht es in dieser Folge der Serie „Verschwunden, aber nicht vergessen“. Als im Februar 2020 der Abriss des roten Backsteingebäudes an der Tönisheider Straße begann, stimmte das viele Nevigeser wehmütig. „Es war ein Krankenhaus, in dem alles behandelt wurde, vom Blinddarm bis zum Knochenbruch. Und es wurden ja auch viele Kinder dort geboren“, sagt Historiker Gerhard Haun, der selbst im Elisabeth-Krankenhaus zur Welt gekommen ist.

Erste Pläne scheitern

Dass Neviges unbedingt ein Krankenhaus brauche, war schon Jahrzehnte vor der feierlichen Einweihung 1895 klar. So gab es während des Deutsch-Französischen Krieges 1870 im Schloss Hardenberg ein Feldlazarett mit 80 Betten. Haun: „Seit dieser Zeit hatte die katholische Gemeinde immer wieder versucht, ein Krankenhaus zu bauen.“ Einen Plan dazu hatte die Baronin Klothilde von Wendt: Sie kaufte das Notarshaus in der Elberfelder Straße, der heutige Bergische Hof, und überließ es der Gemeinde zur Errichtung eines Krankenhauses. Allerdings gab es dafür keine Genehmigung. Direkt an der lebhaften Straße gelegen und die nahe Eisenbahn – so viel Lärm und Trubel wollte man den Kranken nicht zumuten.

Der Pfarrer blieb hartnäckig

Der umtriebige Pfarrer Basilius Pfannenschmid jedoch ließ nicht locker und brachte seine guten Beziehungen zum „Goldonkel“ ins Spiel, wie Friedrich Schnitzler, der Gastwirt des Goldenen Kreuzes, in Neviges genannt wurde. Und der „Goldonkel“ schenkte der Gemeinde großzügig ein Grundstück im ruhigen Oberdorf, an der Tönisheider Straße. Für das Geld zum Klinikbau ging Pfarrer Pfannenschmid eifrig auf Spendenfang. Das Geld war schließlich da, doch die Skepsis blieb groß. Als der Pfarrer bei der Landgemeinde Hardenberg-Neviges für den Bau eines katholischen Krankenhauses warb, schrieb der damalige Bürgermeister in seinem Amtsbericht: „In hiesigen evangelischen Kreisen kann man sich der Befürchtung nicht verschließen, daß durch die Errichtung eines confessionellen Krankenhauses das bisherige friedliche Verhältnis unter den verschiedenen Confessionen eine Störung erfahren könnte.“

Betreut von den Barmherzigen Schwestern

Als das neue „Piushospital“, so der ursprüngliche Name, am 12. November 1885 feierlich eröffnet wurde, waren die Bedenken jedoch schnell zerstreut. Was auch daran lag, dass der evangelische Fabrikant David Peters einen erheblichen Batzen beigesteuert hatte. „Von Anfang an wurde das neue Krankenhaus von den Barmherzigen Schwestern zur Heiligen Elisabeth aus dem Mutterhaus in Essen betreut“, erzählt Gerhard Haun. „Vier Schwestern waren zu Beginn in der Krankenpflege tätig, daher hieß das Piushospital schon bald St. Elisabeth-Krankenhaus.“ Das Krankenhaus mit seinen ursprünglich 50 Betten musste bereits 1916 umgebaut und erweitert werden – was wohl auch mit den vielen Kriegsverletzten zu tun hatte. Wahrscheinlich, so Gerhard Haun, seien in jenem Jahr auch die Giebel durch weitere Stockwerke ersetzt worden. Nachdem das Krankenhaus zunächst von der jeweiligen Oberin der Schwestern geleitet wurde, übernahmen bald Chefärzte das Ruder. Gerhard Haun: „Hervorzuheben sind zwei in Neviges sehr bekannte Chefärzte: Dr. Theodor Tilling leitete die Klinik von 1913 bis 1944, ihm folgte bis in die 60er Jahre Dr. Werner Klever.“

Typhus-Epidemie forderte Tote

Vor allem in den 20er Jahren, so erzählt der Stadthistoriker, habe sich die Klinik bewährt: So brach 1925 eine verheerende Typhus-Epidemie in Neviges aus; es gab 300 Schwererkrankte und mehrere Todesfälle. Da der Typhus immer mal wieder aufflackerte, baute man hinter dem Hauptgebäude eine Isolierstation. In den 50er Jahren wird das Haus auf 90 Betten aufgestockt, die Front zur Tönisheider Straße hin bekommt Balkone. Doch die katholische Pfarrgemeinde kann das Haus nicht mehr halten und verkauft es 1974 an die Kliniken St. Antonius in Wuppertal. 1980 wird das Elisabeth-Krankenhaus unter Prof. Ingo Füsgen zum Lehrkrankenhaus für Geriatrie. Die letzte große Erweiterung geschah 1984/85: Zehn Tagesbetten kommen hinzu, insgesamt kümmern sich acht Ärzte und 80 Pflegekräfte um die Patienten.

Im Jahr 2007 beginnt der Niedergang des Traditionskrankenhauses: Der TÜV beanstandet erhebliche Sicherheits- und Brandschutzmängel, 2009 sollte es bereits geschlossen werden. Mit der Übernahme der kath. Krankenhäuser durch die Cellitinnen verlängert sich der Betrieb. Der neue Klinikverbund „St. Antonius und St. Josef“ verbesserte zwar den Brandschutz, doch es reichte nicht: Am 17. September 2013 ist das Krankenhaus in Neviges Geschichte, die letzten Patienten werden nach Wuppertal verlegt. Gerhard Haun: „Über 100 Jahre hat das Elisabeth-Krankenhaus Generationen von Nevigesern unschätzbare Dienste geleistet.“

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