Gedenktag

Gesamtschule Velbert gedenkt Anne Frank mit Ausstellung

Minke Posberg und Holger John finden es wichtig, sich intensiv mit Anne Frank und ihrer Geschichte zu befassen.

Minke Posberg und Holger John finden es wichtig, sich intensiv mit Anne Frank und ihrer Geschichte zu befassen.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Velbert-Mitte.  Mit einer Ausstellung erinnert die Gesamtschule Velbert am Anne Frank Tag an die NS-Zeit. Das wird für einige Schüler emotionaler als gedacht.

„Da bekomm ich immer wieder Gänsehaut“, sagt Holger John und zeigt seinen Unterarm. Tatsächlich. Seit 13 Jahren fährt der Lehrer der Gesamtschule Velbert jedes Jahr mit Schülern zu den Gedenkstätten in Auschwitz, Berlin und Krakau „und es berührt mich jedes Mal ein bisschen mehr.“

Er steht im Foyer der Gesamtschule, hinter ihm eine Wand aus Plakaten; sie zeigen die Lebensgeschichte von Anne Frank. Am 12. Juni wäre sie 90 Jahre alt geworden. „Die Ausstellung ist vom Anne Frank Zentrum in Amsterdam“, erklärt Holger John ein bisschen stolz. Deutschlandweit beteiligen sich 250 Schulen an dem Aktionstag gegen Rassismus und für Demokratie. Darunter auch die Gesamtschule Velbert. „Wir wurden vom Anne Frank Zentrum ausgewählt, weil wir viele Aktionen zu dem Thema machen“, sagt John.

Schüler nach Auschwitz-Besuch emotional berührt

Neben ihm steht Schülersprecherin Minke Posberg und nickt zustimmend. „Die Fahrt nach Auschwitz war echt hart“, blickt sie zurück. Sie ist davon überzeugt, dass sie die Anne Frank Ausstellung noch einmal aus einer anderen Perspektive betrachtet als viele ihrer Mitschüler. „Ich habe eine besondere Vorgeschichte“, meint sie.

Einer ihrer Urgroßväter war ein aktives Mitglied der NSDAP, ein anderer Urgroßvater ein Kommunist. Im Rahmen einer Projekt-Gruppe arbeitet sie ihre Gedanken zu dem Thema mithilfe eines Gemäldes noch einmal auf und lässt den Auschwitz-Besuch Revue passieren. „Auf dem Bild stehe ich zwischen meinen Urgroßvätern“, beschreibt Minke ihr Bild.

20 Projekte zum Thema NS-Zeit

Dass sie sich so intensiv mit dem Thema beschäftigen, findet die 17-Jährige sinnvoll. Die Schüler stiegen so noch einmal auf eine ganz andere Art und Weise in die Materie ein und könnten Dinge verarbeiten: „Ich hab zum Beispiel den Sonderausweis von meinem Uropa gefunden und von dem anderen Uropa den Wehrmachtsdienstausweis“, sagt sie. „Es ist schon komisch, darauf zu lesen, dass der eigene Uropa politisch verfolgt wurde.“

Auch die anderen Schüler aus der Projektklasse beschäftigen sich mit dem Thema Nationalsozialismus. „Es ist immer wieder verblüffend, was die Schüler sich da ausdenken“, findet Holger John. Sie bauen Skulpturen, drehen Videos, bilden WhatsApp-Gruppen, um über das Thema zu diskutieren. Über 20 Projekte haben die Schüler der zwölften Jahrgangsstufe sich ausgedacht, um ihre Erfahrungen in den Gedenkstätten zu verarbeiten.

Ausstellung passt zum Schwerpunkt der Schule

Auch die Schüler außerhalb der Oberstufe können sich im Rahmen der Anne-Frank-Ausstellung mit dem Thema beschäftigen. Neben den Plakaten hängt eine Wand, an der die Schüler ihre eigenen Gedanken zu der Geschichte des jüdischen Mädchens aufhängen können. „Die Zeit in der sie lebte, ist schwer nachzuvollziehen. Eigentlich gar nicht“, hat ein Schüler geschrieben. „Traurig, dass es solche Verluste durch Kriege, Mobbing und Gewalt immer noch gibt“, findet ein anderer.

Seit 15 Jahren hat die Gesamtschule den thematischen Schwerpunkt rund um die NS-Zeit in den Fokus genommen, weiß Holger John. „Die Ausstellung passt einfach perfekt zu unserem Schulmotto Hand in Hand“, findet der Lehrer. Die Schule stehe eben für „Multikulti“ und Vielfalt statt nationalsozialistischer Gedanken. Und genau deswegen fährt Holger John auch jedes Jahr wieder gern mit seinen Schülern nach Auschwitz – damit das Thema nicht in Vergessenheit gerät. Obwohl er auch zugibt: „Ich könnte jedes Mal wieder anfangen zu heulen.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben