Schule

Gesamtschüler begeistern mit bissig-bösem Kabarett

Engelchen trifft Teufel: Das Schüler-Kabarett „Notbremse“ überzeugte durch Spielfreude.

Foto: Victor Gurov

Engelchen trifft Teufel: Das Schüler-Kabarett „Notbremse“ überzeugte durch Spielfreude. Foto: Victor Gurov

Velbert-Mitte.   „Leben am Limit“ heißt das neue Programm der Kabarett-Gruppe „Notbremse“. Alle Akteure sind Schüler der Gesamtschule Velbert.

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Vergessen Sie bitte Louis de Funès und Klaus Kinski: Der lauteste und wütendste Choleriker kommt aus Velbert. Leo Schading, 17 Jahre, Gesamtschüler, Mitglied der Kabarettgruppe „Notbremse“. Was dieser junge Mann – in seiner Rolle als unbeherrschter, asozialer, verzogener Teeniesohn „Jeremy“ – in der Szene „Die strengsten Eltern der Welt“ auf die Bühne bringt, ist nahezu preisverdächtig. Er brüllt, tobt, wütet, beleidigt, protzt („Ey, wenn isch mal mein Bizeps aufpumpe, is Sonnenfinsternis“) und vergisst bei all dem Gepöbel nicht das feine Spiel eines minderbemittelten, möchtegerncoolen Vollasozialen. Das Publikum tobt, so viel hemmungslose und vor allem uneitle und hochtalentierte Spielfreude sieht man selten.

Es ist Fakt: Leo und seinen zwölf kabarettistischen Mitstreitern zuzuschauen und zuzuhören, birgt große Freude und – wie das bei gesellschaftskritischen, satirischen Veranstaltungen so ist – sie informieren, klären auf. Nicht mit dem erhobenen Zeigerfinger, sondern manchmal richtig schön böse, zynisch und beißend.

Am Ende gibt’s ein Dankeschön für die Zuschauer

Beim Outro etwa, zum Ende des Abends, wird sich Darsteller Eric mit einem ehrlichen Grundbedürfnis an die rund 100 Zuschauer mit emotionalen Worten wenden: „Wir möchten einfach mal unseren Dank an Sie richten. Danke, dass Sie uns Kabarettisten durch ihr egoistisches Handeln und ihr Leben am Limit unsere Zukunft sichern, uns werden Pointen ganz sicher nie ausgehen, wir danken von Herzen dafür.“

Mit ignoranter Haltung nicht alleine

Vorher aber wird in dem rund eineinhalbstündigen Programm, bestehend aus neun Einzelnummern plus Zugabe, auf bisweilen bissigste Art aufgezeigt, was eigentlich gemeint ist mit einem „Leben am Limit“. „The Voice of Mitleid“ ist in Anspielung an eine ähnlich klingende TV-Show auf der Suche nach dem Ultimativen.

Wem geht es an diesem Abend am schlechtsten?

„Wer wird unser heutiger Gewinner? Wer kann uns davon überzeugen, dass es ihm am Schlechtesten geht?“, fragt die Moderatorin dauergrinsend und künstlich charmant in die Menge. Natürlich gewinnt nicht „Silver, der arme Bauer von der Kaffeeplantage“, „Mohammed aus Syrien“ oder die „ausgebeutete Textilnäherin aus Bangladesh“. Im Gegenteil: Lautstark gegrölte, inszenierte Zurufe aus dem Publikum vergraulen die Anwärter.

Beifall und anerkennende Pfiffe für den armen Kevin

Dann aber tritt Darsteller Pierre auf die Bühne, in Gestalt des gebrochenen, traumatisierten Kevin. Allein der Vorname erhält von den begeisterten Zuschauern Szenenapplaus – und alle Buzzerdrücker der „Jury“. Als aus „Kevin“ weinend und bruchstückhaft der Grund für seine Teilnahme an der Show herausbricht („Ich werde gemobbt, weil mein neues I-Phone Lieferschwierigkeiten hat“), gibt es Beifall und anerkennende Pfiffe.

Klimawandel und Plastikmüll kümmert doch niemanden

Was kümmert uns der Klimawandel? Plastikmüll in Weltmeeren? Massentierhaltung? Kindersterblichkeit? Wir wissen davon und tun nicht wirklich etwas gegen dieses „Leben am Limit“ – so die bittere Erkenntnis und ungeschönte Wahrheit. Einen Trost aber hat Darstellerin Dana in ihrer Ode „Happy earthday“ für alle, die sich irgendwie wiederfinden in dieser ehrlichen und schonungslosen Kritik. Mit unserer ignoranten Haltung sind wir Zivilisten weiß Gott nicht allein: „Merkel, Scholz, Apfel, Birne, Gott! Was wir wollen sind doch nur – ein paar Hirne!“

SCHÜLER ZIEHEN SEIT 2004 DIE „NOTBREMSE“

<<<„Leben am Limit“ ist mittlerweile bereits das 15. Programm der Schülerkabarettgruppe „Notbremse“ von der städtischen Gesamtschule Velbert. Gegründet wurde die Gruppe 2004. Derzeit besteht das Ensemble aus 13 Mitgliedern der Oberstufe.

Das Kabarettprogramm wird immer komplett selbst geschrie ben und auch inszeniert und beschäftigt sich mit allen aktuellen, gesellschaftskritischen Themen. Mehr Informationen gibt es online auf auf www.kabarett-notbrem se.de.

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