Bildung

G 9 bringt Ruhe an die Velberter Gymnasien

Wenn das Abitur künftig wieder nach neun Schuljahren abgelegt wird, fehlen am Nikolaus-Ehlen-Gymnasium Räume für den zusätzlichen Jahrgang.

Foto: Uwe Möller

Wenn das Abitur künftig wieder nach neun Schuljahren abgelegt wird, fehlen am Nikolaus-Ehlen-Gymnasium Räume für den zusätzlichen Jahrgang.

Velbert.   Schulleiter: Vor allem die spätere Einführung der zweiten Fremdsprache ist ein Vorteil. Aber nun fehlen Räume für einen weiteren Jahrgang.

Durch den aktuellen Kabinettsbeschluss wird klar: In NRW wird das neunjährige Gymnasium bald wieder die Regel sein. Allerdings mit kleinen Ausnahmen: Wenn sich eine Schulkonferenz mit Zweidrittel-Mehrheit für den Erhalt des G 8 entscheidet, steht diese Option weiter zur Verfügung. Eine Möglichkeit, die laut dem Velberter Schulleiter Michael Anger kein Gymnasium in der Region in Anspruch nehmen wird. „Selbst in Düsseldorf ist mir keine Schule bekannt, die beim achtjährigen Gymnasium bleiben will.“

Bildung im Mittelpunkt des Interesses

Der Leiter des Nikolaus-Ehlen-Gymnasiums begrüßt vor allem den großen gesellschaftlichen Diskurs, den der Beschluss der Landesregierung mit sich bringt: „Bildung und Schule stehen durch die Diskussion um das G 9 wieder im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Ein Thema, das Großeltern genauso interessiert wie Schüler und Eltern.“

Zweit Fremdsprache ab der 7. Klasse

Seit Dienstag stehen nun auch erste Details zur Umstellung fest: etwa die Rückkehr zur zweiten Fremdsprache ab der 7. Klasse. Eine Perspektive, die Markus Überholz, Schulleiter des Gymnasiums Langenberg freut: „Für die Kinder wird es so wieder ruhiger, sie können sich in der 6. Klasse erst einmal weiter eingewöhnen. Sie festigen die deutsche Grammatik und werden nicht gleich mit der zweiten Fremdsprache gefordert.“ Dies bestätigt auch Anger: „Die meisten Probleme während der G 8-Zeit gab es bei uns durch den Druck, den die zweite Fremdsprache in der 6. Klasse mit sich brachte. Auch die Menge der Hausaufgaben wurde dadurch höher.“

Lehrermangel zeichnet sich ab

Der landesweit angekündigte Lehrermangel wird auch die Velberter und das Langenberger Gymnasium betreffen. Mit etwa vier zusätzlichen Stellen, die neu besetzt werden müssen, rechnet Markus Überholz. Schulleiter Anger sieht die Herausforderung für die nächsten Jahre generell darin, den Lehrerberuf attraktiver zu machen, um mehr junge Leute für das Berufsfeld zu begeistern: „Etwa 2000 Stellen werden in NRW über die kommenden Jahre zu besetzen sein, das kann auch mit Quereinsteigern als Lehrkräfte nicht kompensiert werden. Ansprechender würde den Beruf eine Verringerung der Stundenzahlen und der Klassengrößen machen.“

Eine halbe Milliarde Euro in ganz NRW

Die angekündigte halbe Milliarde Euro, die in NRW für die Umstellung anfällt, verwundert zunächst einmal. Wofür ist diese hohe Summe nötig? Michael Anger sagt: „Auch bei mir kam schon die Nachfrage: Warum ist es so teuer, wieder zum G 9 zurückzukehren? Das hat doch schon einmal funktioniert.“

An- und Neubauten sind nötig

Doch so einfach ist es eben nicht, erklärt Anger: „Die zusätzlichen Räume, die wir inzwischen für Mensa, Lehrerarbeitsräume und Beratung verwenden, sind nicht einfach wieder rückzubauen und werden außerdem gebraucht.“ Denn die Betreuung am Nachmittag wollen das Langenberger und auch das Nikolaus-Ehlen-Gymnasium weiter anbieten.

So sind in vielen Schulen An- und Neubauten nötig, die die hohen Kosten für die Umstellung erklären.

<<< HALBTAGSUNTERRICHT IST MÖGLICH

Nicht nur durch die Umstellung zu G 9 fließt jetzt Geld ins Schulsystem. Auch für die Digitalisierung wird in Velbert aktuell Geld investiert.

30 Stunden wird im G 9 wöchentlich bis Klasse 10 unterrichtet. Eine zusätzliche Stunde ist optional, so dass wieder zum Halbtagesunterricht zurückgekehrt werden kann.

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