Insolvenzverfahren

Funke-Fabrik in der Langenberger Altstadt wird verkauft

Das Wohnhaus der ehemaligen W. Funke KG für Bäckereibedarf steht gleich hinter dem Fabrikgebäude.

Das Wohnhaus der ehemaligen W. Funke KG für Bäckereibedarf steht gleich hinter dem Fabrikgebäude.

Foto: Uwe Möller

Langenberg.   Für das Fabrikgelände der insolventen Funke KG gibt es dem Vernehmen nach einige Interessenten. Zunächst war eine Zwangsversteigerung geplant.

Mit zu den markantesten Bauwerken in Langenberg dürfte die ehemalige Funke-Fabrik für Bäckereibedarf an der Donnerstraße 4-6 zählen. Doch seit geraumer Zeit steht das imposante, denkmalgeschützte Backsteingebäude mit dem rückwärtig gelegenen Wohnhaus leer. Nun kommt aber Bewegung in die Sache: Am 7. Januar wurde das Insolvenzverfahren gegen die W. Funke KG eröffnet. Nun sucht der Insolvenzverwalter einen Käufer für das Gelände – dem Vernehmen nach gibt es auch schon einige Interessenten.

Zwangsversteigerung wurde zurückgezogen

Zunächst sollte der ganze Gebäudekomplex am 31. Januar am Amtsgericht Velbert zwangsversteigert werden. Als Verkehrswert wurden 337.870 Euro festgelegt. Das Wertgutachten umfasste unter anderem das um 1895 errichtete und 1933/1936 erweiterte Fabrikgebäude an der Donnerstraße 4 sowie das Wohnhaus an der Donnerstraße 6 nebst „Garagenbau mit Flachdach, Garagengebäude mit fünf Stellplätzen und einem offenen Schuppen“, wie es hieß. Die gewerbliche Nutzfläche betrage 1264,05 Quadratmeter, das „vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts“ erbaute Wohnhaus habe eine Wohnfläche von 82,8 Quadratmetern.

Allerdings wurde die Zwangsversteigerung kurz vor dem 31. Januar wieder zurückgezogen: „Das Objekt soll nun freihändig veräußert werden“, sagte Rechtsanwalt Till Forster vom Insolvenzverwalter „White & Case“ der WAZ. Sprich: Es wird jetzt auf dem freien Markt angeboten, wo gegebenenfalls auch ein höherer Erlös erzielt werden könnte. Nach Aussage der Insolvenzverwaltung gibt es auch gleich mehrere Interessenten für das Gelände im Zentrum der historischen Altstadt Langenbergs. Wie schnell der Verkauf nun vonstatten gehen könne, sei aber nicht klar: „Das braucht eine gewisse Vorlaufzeit. Zunächst müssen auch mögliche wirtschaftliche Nutzungskonzepte geprüft werden“, erläuterte Till Forster.

„Dort stand der erste Maybach-Wagen in Langenberg“

Die sich abzeichnende Entwicklung stößt bei dem Langenberger Stadtführer Karl Goldmann auf Gegenliebe. Denn er verbindet auch frühe Erinnerungen mit dem Areal. „Dort stand vor dem Krieg der erste Maybach-Wagen in Langenberg. Damals befanden sich auf dem Gelände noch die Showräume der Seidenmanufaktur Conze und Colsmann, ehe in den 1970er Jahren Bäckereibedarf Funke die schönen Gebäude übernahm.“

Auch Barbara Brombeis vom Arbeitskreis Alt-Langenberg ist von dem Gelände und den Bauwerken „mit eindrucksvollem Naturstein“ sehr angetan: „Es verkörpert ein Stück Langenberger Industriegeschichte“, so die Architektin. Ebenso sei das Innenleben mit den formschönen Glasfenstern sowie dem imposanten Treppenhaus höchst eindrucksvoll. Und noch etwas zeichne die Gebäude aus: „Dazu kommt, dass die Fabrik von einem relativ berühmten Architekten, nämlich Heinrich Plange, erbaut worden ist.“

>>DER ARCHITEKT HEINRICH PLANGE

  • Der Architekt der Fabrikgebäude an der Donnerstraße 4-6 war der gebürtige Elberfelder Heinrich Plange (1857-1942). Er studierte an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg.
  • Besonders zeichnete sich Heinrich Plange durch Villenarchitektur in Wuppertal aus. Seine Auftraggeber waren dabei u.a. reiche Textil-Industrielle. Daneben entwarf Plange auch Kirchen.

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