Wirtschaft

Für das Handwerk werden Grund und Boden immer knapper

Speziell ausgewiesene Velberter Industrie- und Gewerbegebiete wie Talstraße und Röbbeck – hier im Bild – sind auch für Handwerksbetriebe gedacht.

Speziell ausgewiesene Velberter Industrie- und Gewerbegebiete wie Talstraße und Röbbeck – hier im Bild – sind auch für Handwerksbetriebe gedacht.

Foto: Hans Blossey

Velbert/Kreis Mettmann.  Kammer fordert für das Handwerk mehr Grund und Boden in Innenstadtlagen. Im Kreis Mettmann ist die Situation deutlich weniger angespannt.

Das Handwerk boomt und hat – scheint’s tatsächlich – den sprichwörtlich goldenen Boden, wie jüngste Konjunkturgutachten bestätigen. Grund und Boden werden für Handwerk und Mittelstand im hiesigen Regierungsbezirk allerdings zusehends knapper. Die Handwerkskammer (HWK) Düsseldorf schlägt deshalb jetzt bereits zum wiederholten Male Alarm.

Flächennot gefährdet Fähigkeit zum Wettbewerb

Die Kammer fordert mehr innerstädtische Gewerbeflächen an Rhein und Ruhr. „Die Flächennot gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit vieler Betriebe und erschwert Gründungen, auf die wir zur Steigerung der Innovationskraft und Sicherung der Arbeitsplätze dringend angewiesen sind“, sagt Dr. Axel Fuhrmann. „In einigen Städten gibt es faktisch keine verfügbaren Gewerbeflächen mehr. Besonders dramatisch ist die Lage im Ruhrgebiet“, so der HWK-Hauptgeschäftsführer weiter.

Es gibt lediglich vereinzelte Probleme

Die Situation scheint allerdings in den großen Städten bzw. Ballungsgebieten ungleich prekärer zu sein als im Neanderland, wie WAZ-Recherchen ergaben. „Eigentlich ist die Problematik hier kein wirklich ernstes Thema“, meint Thomas Grünendahl. Der Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft (KH) Mettmann hat sich eigens unter seinen Kollegen umgehört. „Es mag bei kreisweit 7000 Betrieben mal sein, dass jemand hier oder da ein Problem hat“, so der Obermeister der Bauinnung Mettmann weiter, „aber nur vereinzelt, das ist kein Massenphänomen.“ Die vergleichsweise entspannte Lage sei auch der guten Kooperation mit den Wirtschaftsförderungen der zehn kreisangehörigen Städten und der des Kreises zu verdanken.

Wohnbebauung bremst Betriebe aus

Sorgen bereitet laut HWK ebenfalls, „dass in den Ballungszentren Handwerk aus innerstädtischer Lage herausgedrängt wird“. Alarmmeldungen von an ihren Standorten gefährdeten Mitgliedsunternehmen hätten derart zugenommen, dass man seine Beratungskapazitäten aufgestockt und Forscher des Instituts für Städtebau und Stadtplanung der Uni Duisburg-Essen auf das Problem angesetzt habe. Sie hätten den Vertreibungsdruck auf quartiersansässiges Handwerk und Gewerbe voll bestätigt. Die kommunalpolitische Priorität liege in Düsseldorf sowie in allen anderen wachsenden Städten ganz eindeutig auf Wohnungsbau. Die Verdichtung der Innenstädte durch näher rückende Wohnbebauung führe zu Nutzungskonflikten und bremse Betriebe aus, die am Standort erweitern wollten.

Einen geschützten Platz anbieten

„Es ist für uns wichtig, solchen Betrieben einen für sie geschützten Platz anbieten zu können“, erklärt Jörg Ostermann und greift die Kritik der Umwandlung von Gewerbeflächen auf. Dafür habe man Gebiete wie in

der Röbbeck und an der Talstraße, deshalb schaffe man letztlich auch das neue Gewerbegebiet Langenberger Straße, „wo sich natürlich auch Handwerksbetriebe ansiedeln“ und neuen Spielraum bekommen sollten, führt der Velberter Beigeordnete weiter aus.

Früher waren Konflikte seltener

Zuletzt habe man noch einen Interessenten auf einer Freifläche in der Nähe des Panoramaradweges „gut unterbringen“ können, „jetzt wird’s im Bestand etwas dünn“. Vor Ort gebe es unverändert Gemengelagen, auch mit Industrie. „Am Ende ist es immer eine Frage der Distanz zwischen Lärm und Wohnen, aber auch eine Frage der Toleranz.“ Früher sei das, etwa auf dem Dorf, kein Thema und einfach selbstverständlich gewesen. Jörg Ostermann abschließend: „Das Handwerk wird auf ewig eine Daseinsberechtigung haben.“

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