Landwirtschaft

Für 250 Euro: Bauernhof in Velbert verkauft Hühner-Aktien

Das gackernde Federvieh soll bald noch Zuwachs bekommen: Mit Hilfe der Hühner-Aktionäre will der Hof die Herde aufstocken.

Das gackernde Federvieh soll bald noch Zuwachs bekommen: Mit Hilfe der Hühner-Aktionäre will der Hof die Herde aufstocken.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Neviges.  Bei der Betriebsgemeinschaft Hof zur Hellen kann jeder auch am Schreibtisch zum Bio-Hühnerhalter werden: Einfach eine Hühner-Aktie kaufen.

Eine Aktie, die einem wöchentlich frische Eier garantiert? Da lachen ja die Hühner. Glückliches Federvieh und zufriedene Verbraucher wünscht sich die Betriebsgemeinschaft Hof zur Hellen, die ab sofort Hühner-Aktien zum Verkauf anbietet. Hühner-Aktionäre investieren direkt in ihr eigenes Bio-Huhn, das sie 17 Monate lang mit frischen Eiern versorgt. Die Aktie kostet 250 Euro, zum Ende der Laufzeit darf der Aktionär dann sein Huhn behalten – entweder lebend oder als Suppenhuhn. Außerdem gibt’s noch ein Brathähnchen dazu. Besuche des Huhnes sind nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht.

Starke Nachfrage nach Eiern und Brathähnchen

Was auf den ersten Blick wie ein verspäteter Aprilscherz klingt, ist wohl durchdacht: „Die Nachfrage ist groß, wir wollen unsere Hühnerhaltung ausbauen“, sagt Ulrich Krispin, Landwirt auf dem Hof zur Hellen. Vor allem war es der Betriebsgemeinschaft auf dem Demeter-Biohof im Windrather Tal wichtig, dass nach wie vor keine männlichen Küken getötet werden, „Es gibt eine starke Nachfrage nach Eiern und auch eine starke Nachfrage nach Brathähnchen“, erklärt Krispin. Wer eine Hühneraktie erwerbe, beteilige sich auch aktiv an einer fairen Tierhaltung.

Hahn im Korb beschützt die Herde

„Na, Mädels, lasst mich mal durch.“ Von allen Seiten kommt das Federvieh herbei geeilt, als Ulrich Krispin das Gatter zu der großen Außenanlage öffnet. Viel Platz haben die Tiere hier, und klar, der Frauenüberschuss ist enorm. Mitten in der Herde stolziert voller Besitzerstolz der Hahn im Korb. „Der ist wichtig für das Sozialgefüge. Und er macht auch Krach, schützt die Herde vor Feinden.“ Zum Beispiel vor Greifvögeln oder einem Mader, der manchmal auf dem Hof sein Unwesen treibe.

Neue Herde mit 300 Hühnern

Zurzeit gackern hier 100 Hühner, gefüttert mit einer speziellen Mischung aus Eiweiß, Vitaminen und hofeigenem Getreide. Mit Hilfe der Aktionäre will der Hof die Herde auf insgesamt 300 Hühner aufstocken, alles sogenannte Zweinutzungshühner. Denn reine Hochleistungs-Hennen, die möglichst viele Eier legen, wird es auch in Zukunft hier nicht geben. „Wir ziehen mit den Legehennen auch die Bruderhähne mit auf.“ Also jene männliche Küken, die in einem konventionellen Legebetrieb zumeist getötet werden. Hier bekommt sie der Aktionär später als Brathähnchen.

Mobiler Stall auf der Weide

Für die größere Herde ist ein mobiler Stall geplant, das Hühnermobil auf Rädern soll auf einer der Weiden stehen. Da es beweglich ist, haben die Tiere nicht nur Auslauf, sondern auch immer frisches Gras. Was die eingangs erwähnten Besuche der Aktionäre betrifft, sagt Ulrich Krispin: „Wir können natürlich nicht sagen: Da vorne, die Henne, das ist Ihre.“ Doch können die Anteilseigner sich gern jederzeit überzeugen, dass es den Tieren gut gehe.

Fünf Eier gibt’s pro Woche

Die fünf Eier, die einem Aktionär in der Woche zustehen, können direkt am Hof abgeholt werden. Wer bereits eine Abo-Kiste hat, dem werden die Eier auf Wunsch auch in die Kiste gesteckt. Allerdings gilt dies nur für die hofeigene Kiste und nicht für die benachbarter Biohöfe. Nur die Eier nehmen und auf Suppenhuhn und Brathähnchen verzichten, das geht übrigens nicht. Wer gern Eier esse, der übernimmt nach Ansicht der Betriebsgemeinschaft Hof zur Hellen auch eine Verantwortung für die Tiere.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben