Handwerk

Friseurmeister in Neviges kennt die Trends aus 50 Jahren

Sorgt seit 50 Jahren für den richtigen Schnitt, damit die Frisur auch perfekt sitzt:  Friseurmeister  Gerhard Selzener freut sich über den Goldenen Meisterbrief. Seine Ehefrau Katharina hat ihn in all den Jahren beruflich unterstützt.

Sorgt seit 50 Jahren für den richtigen Schnitt, damit die Frisur auch perfekt sitzt: Friseurmeister Gerhard Selzener freut sich über den Goldenen Meisterbrief. Seine Ehefrau Katharina hat ihn in all den Jahren beruflich unterstützt.

Foto: WAZ FotoPool

Neviges.  Vor 50 Jahren machte sich Friseur Gerhard Selzener selbstständig und bekam auch gleichzeitig seinen Meisterbrief. Heute, am 2. Dezember 2014, knallen in seinem Salon im Siepen die Sektkorken: Viele Stammkundinnen kommen, und die Kreishandwerkschaft Mettmann überreicht den Goldenen Meisterbrief.

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Turmhohe „Vogelnester“, akkurat geschnittene Bobs, Meckis, lange „Matte“ für den Mann in den Siebzigern. Friseurmeister Gerhard Selzener kennt sie alle, die Trends, die seine geneigte Kundschaft in 50 Jahren so trug. „Tja, man hat eben alles mitgemacht“, meint der 72-Jährige. Nur damit kann er sich nicht anfreunden: „Diese Glatzköpfe, mit denen viele junge Männer herumlaufen, das ist nicht mein Ding. Die sehen doch alle aus wie aus der Retorte.“ Aber wer unbedingt will... Der Kunde ist König im Salon Selzener im Siepen, wo heute die Sektkorken knallen: Denn heute ist der Figaro auf den Tag genau seit 50 Jahren Meister und nimmt den Goldenen Meisterbrief entgegen.

Das Talent vom Vater geerbt

Zur Feier des Tages kommen Vertreter der Kreishandwerkschaft Mettmann, natürlich freut sich Gerhard Selzener mit Ehefrau Katharina, der guten Seele des Salons, auch auf viele Stammkundinnen. An seinen großen Tag kann er sich noch gut erinnern, an die Hektik und den Stress, damals, im Dezember 1964. Und das alles nur, weil die von dem jungen Paar begehrte Wohnung an der Hohenbruchstraße an die Bedingung geknüpft war, einen Friseurladen zu übernehmen.

So machte der Spross einer Wülfrather Friseurfamilie, der schon als Junge seinem Papa beim Ondulieren zusah, fix seinen Meister „Umzug, Prüfung, neuer Salon, das alles in wenigen Tagen“, erinnert sich der 72-Jährige, der diesen Schritt nie bereut hat. Genau so wenig wie den Umzug zum Siepen: Im Januar 2015 empfängt das Ehepaar im ruhigen Anemonenweg seit nunmehr 18 Jahren seine Stammkundschaft.

„Was man macht, muss man richtig machen“, so Gerhard Selzeners Lebensprinzip. 52 Jahre verheiratet, Sohn Markus ist erfolgreicher Anwalt. Seine Mission, dass eine Frau jene Frisur bekommt, die sie sich vorstellt, die hat er in all den Jahren immer versucht zu erfüllen. Wenn es denn möglich war, schließlich muss die Haarbeschaffenheit passen und ein wenig auch die Gesamterscheinung. „Ich kann keine Marilyn Monroe zaubern oder eine Sophia Loren.“

Es war eine viel größere Berühmtheit, die dem Figaro in den sechziger Jahren regelrecht Gram bereitete: Farah Diba, die Frau des Kaisers von Persien. Viele Frauen wollten einen Zipfel dieses Traumes von „1001 Nacht“ erhaschen und liefen mit hohen Steckfrisuren durch die Gegend. Doch um so kunstvoll auszusehen, brauchte es keinerlei Friseurkunst. „Die Frauen kämmten sich, kamen nur zum Stecken zu uns, da hatten wir nicht viel zu tun.“

Zum Glück dauerte die kreative Durststrecke nicht allzu lange, der Durchbruch kam kurz darauf aus London. „Vidal Sassoon mit seinen akkuraten Bob, das war eine echte Revolution“, meint Gerhard Selzener begeistert. Endlich konnte ein Friseurmeister wieder zeigen, was er drauf hat, da klapperte die Schere – zumal dieser Trend auch regelmäßig vom Fachmann nachgeschnitten werden musste. Die Existenz war langfristig gesichert.

Ansonsten schneidet, färbt und wickelt er nach dem Motto „Mode ist, was gefällt“, so der 72-Jährige. Einmal allerdings ist er energisch geworden und hat einer Kundin klipp und klar gesagt: „Gute Frau, so nicht.“ Das war jene Dame, die nach dem Blondieren plötzlich mit knallgrünen Haaren in seinem Salon stand. „Wir waren natürlich erschrocken, ich hatte damals noch bei der Firma Wella angerufen, konnte mir das überhaupt nicht erklären.“ Bis sich herausstellte, dass die Frau ein Schwimmbad besaß und zur Reinigung massenweise Kupfer verwandte. Sie wollte weder auf ihr Bad verzichten, noch eine Badehaube aufsetzen, sondern erschien nach den „Reparaturen“ immer wieder mit grünen Haaren im Salon. „Das habe ich dann irgendwann nicht mehr mitgemacht.“

A propos mitmachen. Ans Aufhören denkt der topfitte Figaro noch lange nicht. „Wir sind zufrieden, ich laufe drei Mal die Woche, meine Frau macht Gymnastik. Fragen Sie in fünf Jahren noch mal nach...“

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