Selbstverteidigung

Frauen helfen Frauen, sich selbst zu verteidigen

WAZ-Mitarbeiterin Lisa Lilienthal (Mitte) versucht, sich unter Anleitung von Carola Naumann (links) aus dem Griff von Kursteilnehmerin Silvia Löwy zu befreien.

Foto: Ulrich Bangert

WAZ-Mitarbeiterin Lisa Lilienthal (Mitte) versucht, sich unter Anleitung von Carola Naumann (links) aus dem Griff von Kursteilnehmerin Silvia Löwy zu befreien. Foto: Ulrich Bangert

Velbert-Mitte.   Beim Selbstverteidigungskurs des Jiu Jitsu Vereins Nippon zeigen Frauen den Teilnehmerinnen, wie sich diese vor Gefahren schützen können.

Er zieht an meinen Haaren, mein Kopf schnellt nach hinten, doch die drängenden Arme des Angreifers kann ich mit einem beherzten Griff gerade noch hoch hebeln, mich aus der gefährlichen Situation winden. „Gut“, lobt Andrea Landich, korrigiert aber: „Dann noch mit dem Ellenbogen Richtung Gesicht schlagen“, den Täter so außer Gefecht setzten, „danach schnell weglaufen.“

Auf den Ernstfall vorbereiten

Beim Selbstverteidigungskurs von Frauen für Frauen des Velberter Jiu Jitsu Vereins Nippon ist mein Angreifer glücklicherweise nur eine andere Teilnehmerin – im Ernstfall hätte der Täter aber wohl nicht so leicht nachgegeben. Ein mulmiges Gefühl, das jedoch während der eineinhalb stündigen Trainingszeit zunehmend schwindet. Denn Andrea Landich spricht gemeinsam mit Carola Naumann Ängste von Frauen, typische Angriffssituationen und Möglichkeiten an, sich aus genau diesen Gefahren zu befreien. Übergriffe etwa auf Partys, im Fahrstuhl oder vor dem Parkautomaten. Als Frauen wissen die beiden genau, in welchen Situationen es unangenehm werden kann.

Der Angriff von hinten kommt überraschend

Ich mache die Übungen gemeinsam mit Teilnehmerin Silvia Löwy. Selbst ist sie noch nie in eine brenzliche Situation geraten, und doch: „Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass man dann reagieren kann und auch weiß, wie.“ Gegenseitig schleudern wir uns zu Boden und stoßen uns kräftig weg. Deuten Tritte ins Kreuz und gegen das Schienbein an, denn die Griffe zu üben, das ist das Wichtigste. Routine in Abläufe zu bringen, selbst wenn die jeweilige Situation immer anders sein kann. „Es ist wichtig überhaupt zu reagieren“, erklärt Landich, „je nach beispielsweise Größe des Angreifers muss allerdings immer individuell gehandelt werden.“ In der Nordstadthalle ist es taghell, nebenan trainiert eine weitere Gruppe; grundsätzlich fühlt es sich nicht einen Moment lang tatsächlich gefährlich an. Als aber ein Angriff von hinten geübt wird, verschwimmt mein Gefühl von Sicherheit, denn wann genau Silvia mich von hinten packt, dass kann ich nicht einschätzen.

Siegen durch Nachgeben

Meine Sinne schärfen sich, ich achte auf Bewegungen, die ich in meinem Rücken spüre und doch kommt der Griff unvermittelt, es fällt mir schwer, schnell zu reagieren. „Du musst zuerst mit dem Angriff gehen“, erklärt Andrea Landich, die selbst den schwarzen Gürtel in Jiu Jitsu hat, „die Kraft des Täters für dich nutzen.“ Genau wie bei der asiatischen Kampfkunst gilt: Siegen durch Nachgeben.

„Ich hab meinen Mann beim Üben nach dem letzten Training schon zu Boden gebracht“, erzählt mir eine andere Teilnehmerin. „Er findet, ich habe schon einiges gelernt.“ Damit es gar nicht erst so weit kommt, kann schon das eigene Auftreten Sicherheit suggerieren, das wird im Kurs deutlich: „Leuten direkt ins Gesicht gucken, laut ,Nein’ sagen und die Arme nicht verschränken“, erklärt Andrea Landich, „sich selbstbewusst geben, denn Täter suchen ihre Opfer ganz bewusst aus.“

Viel Training ist nötig

Sich sicher in gefährlichen Lagen verteidigen zu können, das erfordert viel Übung und diese dauert mit Sicherheit länger als ein einmaliges Training. Allein die Möglichkeit zu kennen, verschafft uns Teilnehmern allerdings Sicherheit, das betont auch Landich: „Wichtig ist im Ernstfall, dass es funktioniert.“

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