Social Media

Expertin klärt Schülerinnen über Suchtgefahr im Internet auf

Jana Kortwig von der Fachstelle Sucht der Diakonie spricht auf Augenhöhe mit Mädchen der zehnten Klasse an der Gesamtschule Velbert über Probleme und die Suchtgefahr im Internet.

Jana Kortwig von der Fachstelle Sucht der Diakonie spricht auf Augenhöhe mit Mädchen der zehnten Klasse an der Gesamtschule Velbert über Probleme und die Suchtgefahr im Internet.

Foto: Alexandra Roth

Velbert.   An der Gesamtschule Velbert läuft ein Projekt zur Suchtprävention für Social Media. Es gibt Lösungen, wenn das Handy zum Fulltime-Job wird.

Fake, Neid, Bodyshaming. „Das sind halt Probleme, die in den sozialen Medien auftreten“, erklärt Jana Kortwig von der Fachstelle Sucht der Bergischen Diakonie. Die 28-Jährige ist am Mittwochmorgen mit den Mädchen der Klasse 10a von der Gesamtschule Velbert zusammengekommen, um mit ihnen über solche Probleme und ihr Nutzungsverhalten der sozialen Medien zu sprechen.

Komplimente von Angesicht zu Angesicht

In einem abgedunkelten Raum sitzen die 14 Mädchen in einem Kreis und machen sich gegenseitig Komplimente. „Du hast einen starken Charakter“ sagt eines der Mädchen. „Und du hast immer eine andere Sichtweise auf alles“, meint die Nächste aus der Runde. Keine oberflächlichen Komplimente, die sich nur auf das Äußere der Mädchen beziehen. „Sie haben gelernt, dass ein Face-to-face-Kompliment so viel mehr wert ist als ein Like auf Facebook“, erklärt Jana Kortwig.

Über fünfzig Stunden in der Woche am Handy

Die 28-Jährige schult schon seit einiger Zeit Jugendliche in dem Bereich Social Media. Dabei habe sie gemerkt, dass sich die Interessen von Jungen und Mädchen einfach unterscheiden. „Die Mädchen schalten ab, wenn ich über Gaming rede und die Jungs wenn es um Social Media geht“, sagt sie. Deswegen habe sie ein Projekt entwickelt, in dem sie sich nur mit Mädchen über das Thema Sucht im Bereich Medien unterhalte.

Und da habe es in dieser Runde wohl auch die ein oder andere Überraschung gegeben: „Ich habe über fünfzig Stunden in der Woche am Handy gehangen“, sagt Selenay Ersog und hält sich beschämt die Hand vor ihr Gesicht. Mehr Zeit als die meisten Menschen auf ihrer Arbeit verbringen. Die 16-Jährige ergänzt: „Das wird ab jetzt auf jeden Fall anders sein.“

Eine Firewall gegen die Sucht

Und genau darum ginge es, bestätigt Jana Kortwig. „Die Mädels sollen lernen, ihr Nutzungsverhalten zu reflektieren“, erklärt sie. Die 28-Jährige teilt bunte Zettel aus, auf denen Jede aus der Gruppe ihre eigenen Stärken aufschreiben soll, die sie vor einer Medienabhängigkeit schützen könnten. „Wille, Musik, Freunde“ steht unter anderem auf den Zetteln geschrieben. „Das ist jetzt eine Firewall aus Stärken“, erklärt Jana Kortwig.

Die Mädchen sind nach dem Kurs total begeistert. Drei mal haben sie sich jetzt mit Frau Kortwig getroffen und haben dabei einiges gelernt. „Es war mega cool“, sagt Lea Kleinholt in der Feedback-Runde. Sie meint, dass sie selbst in der Mädchen-Runde viel offener über vieles reden konnte, als wenn Jungs dabei gewesen wären. „Am Anfang hatte ich gar keine Lust hier drauf“, sagt Selenay Ersog nach dem Kurs. „Aber es hat echt richtig Spaß gemacht und ich hab viel gelernt.“

Handyverbot in der Schule

Wie wichtig das Thema ist, macht auch Schulsozialarbeiterin Nadine Albrecht deutlich. Eigentlich herrsche in der Schule Handy-Verbot, aber es habe wohl auch mal eine Zeit gegeben, in der es den Schülern erlaubt war, das Handy in den Pausen zu nutzen. „Da hat keiner mehr miteinander geredet“, sagt die Sozialarbeiterin. Genau deswegen sei sie so froh, dass die Kooperation mit der bergischen Diakonie zustande gekommen sei.

Auch die 28-jährige Jana Kortwig nutzt selbst die sozialen Medien. Das sei ja auch gar nicht das Problem, verdeutlicht sie. „Aber man muss es eben hinbekommen, sich selbst Grenzen zu setzen und zum Beispiel das Handy eine halbe Stunde vorm Schlafen einfach mal wegzulegen.“

>> KONZEPT WÄHREND EINES UNI-PROJEKTES ENTSTANDEN

  • Laut einer Studie zur Drogenaffinität Jugendlicher nutzen 84,3% der Mädchen täglich soziale Netzwerke und Jungen im selben Alter zu 77,2%.
  • Das Projekt der Fachstelle Sucht ist im Rahmen eines Studienprojektes von Suchtpräventionsfachkraft Jana Kortwig entstanden. Die 28-Jährige studiert im Master an der FH in Münster Beratung, Mediation und Coaching und hat während einer Praxisphase das Projekt entwickelt.

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