Erste Hilfe

Erste Hilfe: Kein Helfer wird für Fehler bestraft

Wer regelmäßig Kenntnisse in Erster Hilfe auffrischt, kann im Ernstfall besser helfen. Angst vor möglichen Fehlern muss dabei niemand haben.

Wer regelmäßig Kenntnisse in Erster Hilfe auffrischt, kann im Ernstfall besser helfen. Angst vor möglichen Fehlern muss dabei niemand haben.

Foto: A. Zelck / DRK e. V.

Langenberg.  Auf dem Wochenmarkt in Langenberg bricht ein Mann zusammen, zum Glück ist Arzt Robin van Treeck zufällig in der Nähe und hilft.

In Deutschland benötigen tausende Menschen pro Jahr Erste Hilfe, doch nur wenige können – oder wollen – diese leisten. Oft aus Angst davor, etwas falsch zu machen und dadurch dem Opfer mehr zu schaden, als zu helfen. Dabei wird jeden Tag unverzügliche Erste Hilfe benötigt: ob auf der Straße oder im Haushalt. Laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2019 allein bei Verkehrsunfällen in Deutschland mehr als 350.000 Menschen verletzt. Dazu erleiden Zehntausende im Jahr einen Herzstillstand.

Gerade Letzteres überleben aber nur zehn Prozent der Betroffenen, da ihnen oft nicht schnell genug geholfen wird. „Ich glaube das Problem ist, dass viele Menschen Angst haben, etwas falsch zu machen. Aber ich würde froh sein, wenn sie es zumindest versuchen würden“, sagt Stefan Holz (Name der Redaktion bekannt), der zu den zehn Prozent der Überlebenden gehört.

Auf dem Markt ohnmächtig geworden

„Ich war auf dem Wochenmarkt, als mir schlecht geworden ist“, erzählt er. „Ich hatte meine Maske auf und bekam kaum Luft. Auf einmal habe ich nichts mehr gehört, mir wurde schwarz vor den Augen und dann war absolut reine Stille. An dem Punkt enden meine Erinnerungen.“ Gott sei Dank sei dieses Unglück direkt vor der Praxis von Dr. van Treeck passiert, erzählt Holz.

„Zu dem Zeitpunkt war meine Praxis aber zu. Es war ein Zufall, dass ich dort lang gelaufen bin“, berichtet der Facharzt ̈für Allgemeinmedizin, Robin van Treeck. Hätte es diesen Zufall nicht gegeben, hätte Stefan Holz wohl nicht überlebt.

„Niemand wird bestraft fürs Helfen“

„Ich habe gesehen, dass der Mann bewusstlos geworden ist. Ich bin sofort zu ihm gegangen, da ich auch Notarzt bin. Dann habe ich gemerkt, dass er reanimiert werden muss: kein Puls, keine Atmung. Ich habe sofort mit den Wiederbelebungsmaßnahmen angefangen.“ Die Menschen, die daneben standen, erinnert sich der Arzt, seien geschockt gewesen „und wussten nicht, was sie machen sollen“.

Dabei werde niemand bestraft, der „falsch“ hilft – aber schon, wenn man gar nichts macht. Wer ohne einen triftigen Grund keine Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich ist, dem droht eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe.

Erste-Hilfe-Kurs ist keine Pflicht

„Wenn man sich in so einer Situation befindet muss man sich bewusst machen, dass man nichts kaputt machen kann. Der Mensch, der vor einem liegt, ist im Prinzip schon tot und noch töter geht nicht“, sagt Arzt Robin van Treeck. „Deshalb: Alles was man macht ist besser, als nichts zu machen.“

Der Erste-Hilfe-Kurs ist in Deutschland keine Pflicht. Nur Fahrschüler müssen ein Mal daran teilnehmen, damit sie eine Fahrerlaubnis bekommen. „Ich finde, dass man den Erste-Hilfe-Kurs alle zwei Jahre wiederholen sollte, damit man in so einer Situation, in der es um Leben und Tod geht, nicht überlegen muss, sondern sofort mit der Hilfe anfängt“, ist sich Robin van Treeck sicher.

Unfälle im privaten Umfeld

Jeder müsse verstehen, dass es nicht nur um das Leben von Fremden gehe, sondern auch um das Leben der Menschen, die man liebt: „Die meisten Unfälle passieren im Haushalt, auf der Arbeit und im Sport“, betont der Kreisgeschäftsführer des DRK Mettmann, Stefan Vieth. Da sei es „sehr wahrscheinlich, dass man mal Hilfe in seinem persönlichen Umfeld leisten muss“, so Stefan Vieth.

Jede Woche bietet zum Beispiel das Deutsche Rote Kreuz einen Erste-Hilfe-Kurs an. Auch in Corona Zeiten kann man sich anmelden und diesen absolvieren. Mehr Informationen auf www.drk-mettmann.de.

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