Adventskalender

Erinnerung an eine steinreiche Sage

Am Haus am Weißen Stein trägt eine auffällige Plakette. Um den Stein rankt eine Sage, die der Velberter Heimatdichter Eduard Schulte aufgeschrieben hat.

Am Haus am Weißen Stein trägt eine auffällige Plakette. Um den Stein rankt eine Sage, die der Velberter Heimatdichter Eduard Schulte aufgeschrieben hat.

Foto: Uwe Möller

Velbert.   Auf dem alten Fachwerkhaus befindet sich eine Gedenktafel. Passanten rätseln, was es mit dem Weißen Stein auf sich hat. Heimatforscher erklärt es

Häusernamen gehen oftmals auf die kuriosesten Begebenheiten zurück. In vielen Fällen lässt sich jedoch nicht sofort nachvollziehen, woher sie ihren Namen haben. Das gilt auch für das schmucke Haus mit der Nummer 9, das in der Straße „Am weißen Stein“ steht. Links neben der Eingangstür befindet sich eine steinerne Tafel mit einer Inschrift. Dort ist zu lesen: 1650-1975. 325 JAHRE ZUM WEISSEN STEIN.

Nur wo sich besagter Stein, auf den der Hausname und übrigens auch der Straßenname zurückgehen, befinden soll, bleibt unklar – weit und breit ist in der Verbindung von Ost- und Friedrichstraße von einem solchen weißen Stein nichts zu sehen.

Eine alte Velberter Sage

Friedhelm Kopshoff, Mitglied des Bergischen Geschichtsvereins und Alt-Baas der Offers-Kompenei, klärt auf: „Straße und Haus sind nach einer alten Velberter Sage benannt.“ Der Heimatdichter Eduard Schulte, ein echtes Velberter Urgestein, hatte die „Sag’ vam Witte Steïn“ in seinem Buch „Fieles on Hamerschlag“ als Gedicht in Velberter Platt aufgeschrieben.

Ein Kotten im Oberdorf

Friedhelm Kopshoff kennt die Erzählung ganz genau, denn er hat sie zum besseren Verständnis ins Hochdeutsche übersetzt. Darin heißt es unter anderem: „Die Sache ist so: Es lieg ein Kotten im Oberdorf, das Haus steht noch, / Vor diesem Haus steht in der Straße ein Stein halb in der Erde doch. / Und was die Sage nun soll bedeuten, das ist: Dass dieser tote Stein, / wenn er um zwölf hört Mittag läuten, sich dreimal rings herum soll dreh’ n.“ Der mysteriöse weiße Stein – so die Sage – fange an sich zu bewegen, wenn er die Kirchenglocken läuten höre.

Der Stein bewegte sich nicht

Kein Wunder also, dass die Velberter Kinder sich dieses Schauspiel einmal aus nächster Nähe betrachten wollten. Kopshoff zitiert weiter: „Wir Blagen wollten das nun wissen; des Mittags als die Schule ausging. / Nach dem Weißen Stein wurde ausgerissen, eh dass es an zu läuten fing. / Wir schauten rund von allen Seiten den Stein nun Unteran; nichts wurde gesagt / und lauerten auf das Mittagsläuten und ob der Stein herum sich dreht.“ Friedhelm Kopshoff, der Velbert- Kenner, weiß, was dann geschah: nichts!

Denn obwohl die Kinder wie gebannt auf den Findling starrten und dabei schon rote Augen und weiße Nasen bekamen, bewegte er sich natürlich nicht. Der Nachbar, der sich in der Sage zu den wartenden Jungen und Mädchen gesellt, hat dafür eine plausible Erklärung: „Dann“, sagt er, „lasset euch nur sagen, hat er das Läuten nicht gehört.“

Das Platt geht verloren

Friedhelm Kopshoff, geborener Velberter, muss jedes Mal schmunzeln, wenn er die Geschichte erzählt. Und er ist stolz darauf, noch einer der wenigen zu sein, die des Platts mächtig sind. Denn das geht nach und nach ebenso verloren, wie das Wissen um die Sage vom Weißen Stein, an die aber immerhin noch der Haus- und der Straßenname erinnern – ebenso wie an den beliebten Heimatdichter, der sie verfasst hat.

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