Lokaler Handel

Eine-Welt-Laden Langenberg feiert 40-jähriges Bestehen

Jutta Mohnhaus-Ratajczak gehört zum Team des Eine-Welt-Ladens in Langenberg. Die Tasche, die sie hier präsentiert, ist aus recycelten Rettungswesten hergestellt worden.

Jutta Mohnhaus-Ratajczak gehört zum Team des Eine-Welt-Ladens in Langenberg. Die Tasche, die sie hier präsentiert, ist aus recycelten Rettungswesten hergestellt worden.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Langenberg.  Vor 40 Jahren begann die Geschichte des Eine-Welt-Ladens in Langenberg. Doch die geplante Feier musste abgesagt werden.

Wer möchte nicht fair handeln oder behandelt werden? Niemand. Doch nach dem Konsens bedarf es einer Tat. Ursula Neumann hat in den Analen geblättert und berichtet von der Expansion der Idee: „Am 2. November 1980 organisiert die evangelische Kirchengemeinde einen Basar im Gemeindehaus Feldstraße mit Kunstgewerbe sowie Tee und Kaffee aus Kenia und Tansania – fair gehandelt. Daraus entwachsen ist das Gemeindelädchen, das freitags für eine Stunde öffnete.“

Bekanntheit erlangte die Bewegung als „Dritte Welt Laden“. Seit 2014 nennt sich das ehrenamtlich betriebene Geschäft „Eine Welt Laden“ und hat an sechs Tagen in der Woche geöffnet. Geplant war eine Feier zum 40-jährigen Jubiläum, so die ehrenamtliche Mitarbeiterin.

Mit Maske hinter Plexiglas

Mit Maske sitzt Jutta Mohnhaus-Ratajczak hinter einer Plexiglasscheibe an einem liebevoll dekorierten Tisch. Vorne steht ein Körbchen mit Mini-Schokolädchen zum Probieren. „Wir hatten Verkostungen geplant“, verrät sie. Wein, Tee, Kaffee, Säfte sowie viele süße Leckereien und Knabbereien warten darauf, neue Geschmackserlebnisse zu bescheren.

Ein Beispiel: grüne Schokolade. „Ich probiere gerne auch mal etwas Neues aus“, erklärt Jutta Mohnhaus-Ratajczak. Sie ist für den Einkauf, die Bestellungen und Logistik zuständig. „Manchmal muss meine Familie das am Ende essen und trinken“, schmunzelt sie. Aber, „Experimente muss man wagen“.

Fair gehandelt und Bio-Qualität

Pfarrer Jens Blaschta ist selbst Kunde, hat seinen Lieblingskaffee dort gefunden. Er betont: „Viele der Produkte sind nicht nur fair gehandelt, sondern auch in Bio-Qualität – teilweise sogar mit entsprechendem Siegel“.

Die Ehrenamtlichen beziehen ihre Artikel überwiegend von GEPA und EL Puente. „Fair Trade Produkte“ können mittlerweile auch in Discountern gekauft werden. Der Unterschied zu den Artikeln im Eine Welt Laden: „Die Bauern in Afrika und Südamerika haben langfristige Lieferverträge.“ Das sorge für Sicherheit.

Stammkunden halten Laden die Treue

Und genau die geben den Ehrenamtlichen auch die treuen Kunden. „Ein herzliches Dankeschön“, ist Ursula Neumann daher sehr wichtig zu platzieren. Während des Lockdowns zur Osterzeit, erklärt Mohnhaus-Ratajczak, hätten Stammkunden bei ihr privat angerufen, um die Saisonartikel zu kaufen. „Wir haben tatsächlich alle Osterartikel verkauft,“ und ergänzt, „es kam mir vor wie ein eingeschworenes Publikum.“

Auch Touristen gehören zu ihren Kunden. Vor allem aber Velberter, denn es ist das einzige Geschäft dieser Art in der Stadt. „Das Wohnen und Leben in Langenberg soll lebendig bleiben“, sagt Neumann. Das sei auch eine Motivation. Und die wird regelmäßig weitergegeben: an die Jugend!

Konfirmanden kommen vorbei

Denn Teil des Konfirmationsunterrichtes ist das Thema Fairness. „Dazu gehört die Idee des fairen Handels“, sagt Jens Blaschta. „Menschen können von ihrer Arbeit leben.“ Ursula Neumann freut sich regelmäßig auf den Besuch der jungen Menschen – auch über Schulklassen. „Wir sprechen über die Arbeit und die Jugendlichen dürfen mithelfen“.

Jutta Mohnhaus-Ratajczak erinnert sich: „Ich bin damit auch aufgewachsen“ – Gerechtigkeit auf der Welt – „Wir können konkret etwas tun“, betont Pfarrer Blaschta. Die evangelische Kirchengemeinde Langenberg ist Träger des Eine Welt Ladens. Und der „ist Teil der Gemeinde, wo Menschen den Gedanken des fairen Handels kennenlernen können.“

Ein 16-köpfiges – ökumenisches – Team kümmert sich um Ein- und Verkauf sowie die vielen Themen, die sonst anfallen. Eine Helferin ist seit 1980 dabei: Erika Becklas. Sie alle haben sich eine andere Jubiläumsfeier vorgestellt. Trotzdem sind sie frohen Mutes und erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

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