Erinnerung

NS-Opfer: Kreis Mettmann setzt Zeichen gegen das Vergessen

Die Villa Koburg am Rande des Neandertales diente der SA-Standarte 258 als Unterkunft. Hier wurden Häftlinge aus dem gesamten Kreis gefangen gehalten und gefoltert.

Foto: Uwe Möller

Die Villa Koburg am Rande des Neandertales diente der SA-Standarte 258 als Unterkunft. Hier wurden Häftlinge aus dem gesamten Kreis gefangen gehalten und gefoltert. Foto: Uwe Möller

Velbert.  Der Kreis Mettmann will am Neanderthal Museum ein Gedenkzeichen für die Opfer des Nationalsozialismus errichten lassen. SA folterte im Haus Koburg.

Im Neandertal, in der Nähe des Museums, soll eine Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus errichtet werden. Der Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Kultur und Tourismus des Kreises beschloss jetzt einen Künstlerwettbewerb auszuloben zur Gestaltung dieses Gedenkzeichens.

Zwangsarbeiter im Kalkwerk

Denn im Neandertal wurden während der NS-Herrschaft Menschen, die sich dem Regime nicht beugen wollten oder Zwangsarbeiter waren, gequält und ermordet. So wurden auf der Koburg von der SA politische Gegner gefangen gehalten und ermordet.

Im Rückwandererheim Diepensiepen wurden Deutsche, die im Ausland lebten und zurückkehren mussten, im „Rückwandererheim“ verhört und gefoltert und von dort aus in Konzentrationslager und Gefängnisse gebracht.

Mindestens 26 Menschen wurden hier ermordet

Und schließlich fielen in den Kalkwerken viele Zwangsarbeiter den unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen zum Opfer. Dies soll sinngemäß auch der Text auf dem Gedenkzeichen sein.

Mindestens 26 Menschen sollen in und am Neandertal ermordet worden sein. „Schon 2010 hat die Linke die Errichtung eines Gedenksteins beantragt und sind froh, dass es nun klappen wird“, erklärte auf Anfrage Rainer Köster. Der Velberter sitzt für die Linke im Kreistag. Er zeigt sich besonders froh darüber, dass der Ausschuss einstimmig für die Errichtung eines Gedenkzeichens votiert hat.

Es soll nun Ende 2019 aufgestellt werden, wenn der Spielplatz und der Übergang zum Museum neu gestaltet worden sind. Denn das Gedenkzeichen soll am nördlichen Ende des Parkplatzes stehen und gut sichtbar sein.

Wettbewerb ausgelobt

Der Wettbewerb richtet sich an professionelle Künstlerinnen und Künstler und soll möglichst rasch starten. Die Auswahl soll dann bereits im Spätherbst erfolgen. In der Jury sollen Vertreter aus dem Kreistag, dem Museum und von Bürgern und Städten sitzen.

Das Gedenkzeichen soll etwa einmal einen Meter groß werden und soll nicht zum Klettern, Spielen oder Beschmieren einladen. Es soll aus einem dauerhaften und witterungsbeständigen Material hergestellt werden. 20.000 Euro soll das Zeichen kosten. Ausschussmitglieder äußerten den Wunsch, es aus Kalkstein fertigen zu lassen.

Die Würde der Menschen verletzt

Auf der Tafel soll ein längerer, gut lesbarer Text stehen, der an die Orte des Grauens im Neandertal erinnert. „Die Würde all dieser Menschen wurde damals in unfassbarer Weise verletzt. Ihr Leben und ihr Tod sollen uns Mahnung und Verpflichtung sein.“ Mit diesen Sätzen soll der Gedenktext enden, so die Mitglieder des Kreisausschusses .

Rainer Köster zeigte sich zufrieden. „Nur dass das Ganze so lange gedauert hat, finden wir nicht so schön“.

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