Glauben

Ein Treffen der Religionen im Gemeindehaus

In der Küche des Gemeindehauses werden die Speisen für das gemeinsame Fastenbrechen vorbereitet. Zuerst wird eine Dattel gegessen, hier gefüllt mit einem Walnusskern (vorne links).

Foto: Ulrich Bangert

In der Küche des Gemeindehauses werden die Speisen für das gemeinsame Fastenbrechen vorbereitet. Zuerst wird eine Dattel gegessen, hier gefüllt mit einem Walnusskern (vorne links). Foto: Ulrich Bangert

Velbert-Mitte.   Velberter Christen und Muslime trafen sich zum gemeinsamen Fastenbrechen im Evangelischen Gemeindehaus – bereits zum zweiten Mal.

Im Fastenmonat Ramadan verzichten Muslime tagsüber auf die Nahrungszunahme, um Barmherzigkeit und Dankbarkeit zu üben. Nun konnten Velberter Christen einen Einblick in die muslimische Tradition erlangen. „Wir haben uns gedacht die Muslime bleiben so unter sich, aber wir würden gerne etwas mit ihnen gemeinsam machen“, schildert Christel Bierwas, die sich in der Flüchtlingshilfe engagiert, die Ursprungsidee des gemeinsamen Fastenbrechens. Zum zweiten Mal trafen sich jetzt Christen und Muslime dazu im Gemeindehaus an der Christuskirche.

„Uns interessierte: Wie denken die Menschen und wie vermeiden wir es, in der Flüchtlingsarbeit jedes Fettnäpfchen mitzunehmen“, erklärt sie, und freut sich darüber, dass der muslimische Bildungsverein Clavis den ersten Schritt machte und zum gemeinsamen Fastenbrechen einlud.

„Wir wünschen uns einen Dialog der Religionen“, erklärt Clavis Vorstand Ali Egeli. Um diesen Dialog zu ermöglichen planten die Organisatoren ein Programm für 180 erwartete Gäste.

Einladung von Kindergarteneltern

Erzieherin Meike Gramsch wurde persönlich von einer Kindergartenmutter zu ihrem ersten Fastenbrechen eingeladen: „Noch kann ich mir nichts darunter vorstellen. Mich interessiert der Hintergrund der Tradition: Warum? Wieso? Weshalb?“

Antworten auf diese Fragen liefert Islamwissenschaftlerin Zehra Akinci in einem Vortrag. Der Ramadan sei eine der fünf Säulen des Islams und nicht Gott, sondern der Mensch solle aus ihm einen Nutzen ziehen: „Es geht aber nicht ums Abnehmen“, erklärt sie und sorgt so für Gelächter. Akinci zitierte aus dem Koran um zu belegen, dass das Fasten Gottes Wille sei.

Länge der Fastentage variiert

Da der islamische Kalender ein reiner Mondkalender ist, verschiebt sich der Fastenmonat Ramadan jedes Jahr um einige Tage, wodurch auch die Länge der Fastentage variiert. Dieses Jahr dauert das Fasten in Deutschland ca. 18 „machbare“ Stunden, so Akinci, in denen weder gegessen noch getrunken werden darf, aber auch auf Sex, schlechtes Reden und schlechtes Tun verzichtet werden sollte.

Das Fastenbrechen beginnt mit dem Untergang der Sonne und wird traditionell im Kreis von Familie und Freunden begangen: „Ramadan ist eine Begegnung und ein Austausch“, schlussfolgert die Islamwissenschaftlerin.

Gebet kurz vor Sonnenuntergang

Dann wird sie von Pfarrerin Maret Schmerkotte abgelöst, deren Vortrag über das Fasten aus der christlichen Perspektive bedauernswerterweise im Gemurmel der Anwesenden unterzugehen droht: „Wir fasten, weil Jesus es auch 40 Tage in der Wüste tat. Durch Luther wissen wir aber, der Mensch wird vor Gott nur durch Glaube und Gnade gerecht“, erklärt die Pfarrerin.

Kurz vor Sonnenuntergang wird zum Gebet aufgerufen: „Allah ist der Große, es gibt nur ihn“, wird es übersetzt. Dann ist der ersehnte Moment des Fastenbrechens gekommen, und nach der Einnahme einer Dattel zur Beruhigung des Blutzuckers darf man sich am Buffet an traditionellen Gerichten wie Kuru Fasulye, getrocknete weiße Bohnen, und Güvec, einem Gemüseeintopf mit Fleisch im Tontopf, bedienen.

Christel Bierwas ist begeistert von der Gastfreundlichkeit der Muslime: „Was in Velbert mehr als zwei Mal passiert ist Tradition“, lacht sie, und freut sich auf eine Wiederholung des gemeinsamen Fastenbrechens.

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