Feuerwehrserie

Velberter Feuerwehr: Ein Blick in die Einsatzzentrale

Patrick Marek sitzt in der Einsatzzentrale der Feuerwehr in Velbert. Er koordiniert die Einsätze von hier aus, hat aber auch für aufgeregte Anrufer ein paar beruhigende Worte parat.

Foto: Alexandra Roth

Patrick Marek sitzt in der Einsatzzentrale der Feuerwehr in Velbert. Er koordiniert die Einsätze von hier aus, hat aber auch für aufgeregte Anrufer ein paar beruhigende Worte parat. Foto: Alexandra Roth

Velbert-Mitte.   Bei der Feuerwehr klingelt beinahe pausenlos das Telefon. Wer dort sitzt muss mit kühlem Kopf Tag und Nacht den Überblick behalten

Die Einsatzzentrale der Velberter Feuerwehr steuerte bis Anfang Oktober ihr Rettungsteam und ihre gesamte Fahrzeugflotte. Nun wird überwiegend nach Mettmann aufgeschaltet – eine Übergangssituation, bis in der Kreisstadt alle Velberter Notrufe eingehen. Doch was passiert in einer Einsatzzentrale?

Beruhigende Worte zum Abschied

Es klingelt, piepst und brummt fast pausenlos. Die munteren Gespräche verstummen abrupt bei einem Ton: dem Notruf. „Feuerwehr Velbert, guten Tag“, meldet sich Patrick Marek und stellt die fünf W-Fragen. Zum Abschied gibt es ein paar beruhigende Worte. Dann geht das Tor auf, hinter dem der Rettungswagen steht. Er gibt seinen diensthabenden Kollegen Bescheid.

Nur wenige Sekunden bis zum Ausrücken

Ein Notfallsanitäter eilt vorbei, der alle wichtigen Daten, wie Adresse, Name, Etage und Anfahrtsbeschreibung schon bereithält, gesteuert durch die Einsatzzentrale. Der andere Notfallsanitäter geht zügig zur Fahrertür. Schon sind sie vom Hof. „Vom Anruf bis zum Ausrücken dauert es nur wenige Sekunden“, sagt der Feuerwehrmann.

Den gesamten Innenhof im Blick

Aus der Einsatzzentrale überblickt er den gesamten Innenhof der Feuerwehrwache durch eine breite Fensterfront. Davor positionieren sich im Halbkreis ungefähr ein Dutzend Bildschirme, Touchscreens, Knöpfe und Tastaturen. „Rund 12500 Einsätze fahren die Feuerwehrleute in Velbert pro Jahr“, berichtet der 38-Jährige. Häufiger sind Anrufe. Darunter auch solche, die als schlechter Streich gelten. „Wir können auch die unterdrückten Telefonnummern erkennen“, betont der Disponent. Was viele nicht wissen: Es ist strafbar bei der Feuerwehr anzurufen, wenn kein Notfall vorliegt.

Zehn und mehr Notrufe gleichzeitig

Marek liefert den ernsten Grund: „Manchmal laufen zehn und mehr Notrufe gleichzeitig auf.“ Der Zentralist steht genau dann unter enormen Druck: „Du weißt, dass da Leben dranhängen können!“ Hat er gerade noch gelacht, wird er sehr ernst. Im Raum wird es ernst. „Im ersten Schritt müssen wir eine Anamnese entwickeln“, sagt Feuerwehrmann Marek. Dabei klären die Fachleute, ob es sich um eine lange Ölspur, eine Katze auf dem Dach, einen umgekippten Baum, ein Feuer oder Herzschmerzen handelt und wo der Unglücksort ist. Zunehmend auch in anderen Sprachen. So wechselt er bei Bedarf ins Polnische oder Kroatische. Seine Universalwaffe ist Englisch.

„Die Anrufer verhalten sich von ganz ruhig bis extrem aufgeregt“, so seine Erfahrung. Mit zielgerichtetem Feingefühl sprechen die Disponenten in die schwarze Muschel.

Reanimation am Telefon

Einige Gespräche dauern etwas länger: „Wir haben die Anweisung zur Telefon-Reanimation erhalten“, erklärt Marek. Das bedeutet für den Diensthabenden die Anrufer am Telefon anzuleiten, wie sie die Notfallopfer reanimieren. Eine anspruchsvolle Aufgabe.

Das Arbeiten in der Einsatzzentrale bedarf einer zusätzlichen Ausbildung. Schnelle Entscheidungen sind notwendig. Den Wechsel zwischen humorvollen, warmherzigen Menschen und den unter Druck schnell entscheidenden Profis zeichnen die Feuerwehrmänner in der Einsatzzentrale aus.

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