Kirchen in Neviges

Dom wird für die Dachsanierung digital vermessen

Hoch auf dem Dach des Nevigeser Doms (v.l.) Erzdiözesanbaumeister Martin Struck, MdB CDU Peter Beyer, Bauleiter Lenard Dankesreiter und Vermessungs-Ingenieur Ralph Heiliger. Foto:

Hoch auf dem Dach des Nevigeser Doms (v.l.) Erzdiözesanbaumeister Martin Struck, MdB CDU Peter Beyer, Bauleiter Lenard Dankesreiter und Vermessungs-Ingenieur Ralph Heiliger. Foto:

Foto: Uwe Möller

Neviges.   Der Dom wird digital neu vermessen. Die Finanzierung des maroden Daches ist noch nicht gesichert, das Erzbistum Köln benötigt dringend Spenden.

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Er kennt die kleinste Krümmung, jede Unebenheit in der zeltdachartigen Dachkonstruktion. Kein Millimeter ist ihm fremd – zumindest nicht am Computer. Ralph Heiliger ist Geschäftsführer des Büros „Ingenieur Team2“, das den Dom mit modernster Technik neu vermisst. Die originalen Baupläne des weltbekannten Architekten Prof. Gottfried Böhm sind beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs im wahrsten Sinne des Wortes verschütt gegangen.

Jeder Millimeter des Gotteshauses wird gescannt

An rund 70 Stellen des Doms wurden Kameras installiert, das digitale Modell ist die Grundlage für die nächsten zwei Bauabschnitte der Dachsanierung. „Wir tasten mit Laserstrahlen die Oberfläche Millimeter für Millimeter ab. Keine einfache Sache bei diesem komplizierten und verwinkelten Gebäude, macht aber Spaß. Einfach kann ja jeder.“ Das sagt Ralph Heiliger im Pilgersaal, als er dazu einlädt, am Bildschirm den Dom digital zu durchwandern. Eine halbe Stunde später steht der Vermessungs-Experte 37 Meter höher, in der analogen Welt. Auf dem Gerüst in der Pyramide des Doms ist er für kurze Zeit sprachlos: „Dieses Gebäude ist einfach faszinierend.“

Bund förderte die Sanierung mit 300.000 Euro

Da kann ihm Peter Beyer (CDU), der Bundestagsabgeordnete für Heiligenhaus, Ratingen, Velbert und Wülfrath, nur zustimmen. „Ich war natürlich schon häufig im Dom, aber zu sehen, wie aufwändig die Sanierung ist, das ist schon etwas besonderes.“ An Ort und Stelle wollte sich Erzdiözesanbaumeister Martin Struck bei Peter Beyer dafür bedanken, dass die Pyramide, diese besonders schwierigen 800 Quadratmeter hoch über dem Altar, überhaupt in Angriff genommen werden konnte: 300.000 Euro wurden für den zweiten Bauabschnitt aus Mitteln der Bundeskulturministerin zugesagt. „Das ist unter anderem Peter Beyer zu verdanken“, so Martin Struck.

Die Finanzierung ist noch nicht gesichert

Zwar haben sich die Fördermittel damit auf 800.000 Euro erhöht – 200.000 Euro gab die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, 300.000 Euro die Wüstenrot-Stiftung – aber in trockenen Tüchern ist die Finanzierung noch lange nicht. Sechs Millionen Euro kostet die Sanierung des 2800 Quadratmeter großen Dachs, das Erzbistum Köln hat bisher eine Million Euro gezahlt. „Die weiteren Bauabschnitte sind noch nicht gesichert, wir brauchen unbedingt Spenden“, stellt der Erzdiözesanbaumeister klar.

Mit Blick zurück lobt er die Geduld der Anwohner und auch die der Franziskaner – ist das Wegstrahlen der alten Epoxid-Harzbeschichtung doch unglaublich laut.

Internationales Interesse an Forschungsergebnissen

Zur Abdichtung in den 80er Jahren aufgetragen, hat sich dieser Stoff als völlig ungeeignet erwiesen. Das soll nicht wieder passieren: Jener Textilbeton, den Experten des Instituts für Bauforschung der Technischen Universität Aachen sechs Jahre lang in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Böhm erforscht haben, interessiere Experten auch in anderen Ländern, sagt Martin Struck. „Da muss Professor Böhm sein Einverständnis geben, bei ihm liegen die Urheberrechte.“

Der Dom-Erbauer ließ es sich nicht nehmen, mit seinen 98 Jahren per Aufzug auf das Dach zu fahren, um die neue Dachfarbe auszusuchen. „Er hat grandiose Augen, hat sich alles genau angeschaut, ohne Brille“, ist Luisa Puls, Bauleiterin seitens der Erzdiözese, beeindruckt. In mehreren Schritten tragen die Arbeiter den Textilbeton jetzt auf, auch ein Stück mit der neuen Dachfarbe ist schon zu sehen. „Bei Frost können wir wegen der Bauteile nicht arbeiten. Null Grad Außentemperatur geht noch, wenn der Dom gut geheizt ist“, sagt Lenard Dankesreiter, Bauleiter der Firma Torkret. Ihm, Polier Frank Wiemhoff und allen Arbeitern zollt Martin Struck ein dickes Lob: „Das Engagement ist außergewöhnlich, die sind ein riesiger Glücksfall.“

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