Kochkurs

Diese Männer wollen nicht immer nur Spiegeleier Essen

Jürgen, vorne, bereitet einen Wirsingkopf  vor. Auch an den anderen Arbeitsplatten sind die Kursteilnehmer fleißig.

Jürgen, vorne, bereitet einen Wirsingkopf vor. Auch an den anderen Arbeitsplatten sind die Kursteilnehmer fleißig.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert/Heiligenhaus.  In einem speziellen Kurs der Volkshochschule Velbert/Heiligenhaus lernen die Herren der Schöpfung zu kochen. Die Kursleiterin ist voll des Lobes.

Passend zur Jahreszeit steht an diesem Abend ein Herbstmenü mit vier Gängen auf dem Plan. Auf den Arbeitsplatten in der Lehrküche der VHS in Heiligenhaus liegen große Wirsingköpfe, saftige Orangen, Kürbisse und Kartoffeln bereit, die Köche allerdings sitzen noch im Nebenraum. Um einen großen Tisch herum haben sich die Männer mit Kursleiterin Marina Izmaylova versammelt, die Rezepte in den Händen. Und in der Mitte des Tisches steht ein großer Topf Basilikum. „Deko“, schmunzelt Izmaylova augenzwinkernd und nicht ganz ernsthaft. Die Herren grinsen. Und tauschen sich über die Speisenfolge aus, die zuerst eine Kürbissuppe, dann einen bunten Salat, darauf folgend Kohlrouladen mit Kartoffeln und als süßen Abschluss Crepes vorsieht.

Die Männer spülen freiwillig

„Mit dem Ingwer in der Suppe aber bitte aufpassen, sonst ist es zu scharf, erinnert Euch an das letzte Mal“, mahnt Marina Izmaylova und bietet an, das Filetieren einer Grapefruit für die Neulinge im Kurs noch einmal in aller Ruhe zu zeigen. „Auf geht’s“, tönt es dann durch den Raum, Schürzen werden um Bäuche gebunden und die Augen der Kursteilnehmer leuchten tatendurstig. „Ich leite den Kurs seit zweieinhalb Jahren“, erzählt Izmaylova und ist des Lobes voll über ihre Herren. „Die sind fleißig, putzen das Gemüse, spülen freiwillig und haben auch ein Auge auf die Deko, sowohl auf dem Tisch als auch am Essen selbst.“ Einmal habe sie vergessen, den Tisch für das gemeinsame Essen zu schmücken, „das ist sofort aufgefallen“. Und in der Tat geht es nebenan zur Sache: Schon stapeln sich die Kürbisstücke in den Töpfen – „die Schale kann man mitbenutzen“ – und die zwei Kochtrupps schneiden, schälen und braten.

Einige sind schon seit elf Jahren dabei

Ulrich und Dietmar kochen schon seit elf Jahren in VHS-Kursen, „sechsmal pro Semester“, erzählen sie. „Ich esse gerne, dann kann ich auch kochen“, erzählt Ulrich und Dietmar hat Spaß am Würzen, „da sind wir ganz kreativ. Letztes Mal haben wir etwas viel Chili genommen, deswegen hat Marina auch nochmal an die sparsame Verwendung des Ingwers erinnert“. Beide kochen auch zuhause mit ihren Ehefrauen, „aber da mach ich nur die niederen Arbeiten“, erzählt Ulrich schmunzelnd. Sich in die Haare zu geraten, gar eine Ehekrise anzuzetteln – die Gefahr besteht Mittwochsabends nicht. Hier, bei einem Glas Wein, wird geplaudert und wohl konzentriert gearbeitet, die Stimmung aber ist zutiefst entspannt.

Auch eine Frau ist dabei

Im Team von Dietmar und Ulrich kocht übrigens auch Uli und die – jawohl, die – sollte eigentlich gar nicht da sein. Denn schließlich ist Ulrike eine Frau. „Als vor mehr als zehn Jahren mein Mann gestorben ist, der immer für uns gekocht hat, musste ich es lernen. Beim Kurstitel „Kochen für Männer“ gibt es ja zwei Möglichkeiten, ihn zu verstehen“, berichtet sie lächelnd, wie sie zwischen lauter Herren landete. Und blieb. Denn mit Dietmar und Ulrich freundete sie sich schnell an und die beiden haben sogar aus Solidarität mit Uli schon einmal den Kurs gewechselt, „da gab es nämlich Männer, die wirklich nicht wollten, dass ich dabei bin.“ Jetzt ist aber alles in Butter - beziehungsweise in Butterschmalz, das langsam in der Pfanne heiß wird.

Es wird auch viele gelacht

Es wird gescherzt, gelacht, viel über Essen geredet: „Wir dürfen auch Vorschläge machen, was wir gerne mal kochen würden. Das beste war die Zabaione, die war richtig, richtig gut“, sind sich die Köche einig. Das Erbsenpüree allerdings hat kaum jemandem geschmeckt – auch Jürgen nicht, der jetzt im dritten Semester mitkocht. „Als meine Frau gestorben ist, stand ich in der Küche und wusste nicht einmal, wie unser hochmoderner Herd angeht“, erinnert er sich an seine traurigen Beweggründe, das Kochen zu erlernen. „Ich wusste nicht, wie man eine Paprika ordentlich auseinandernimmt und auch sonst nicht viel.“

Die Reste werden mit nach Hause genommen

Das hat sich geändert, routiniert schneidet er Salat, erzählt von der Bolognese, die letztens zuhause für ihn und den Sohn auf den Tisch kam und hat außerdem Freude am Kochen. Genau die fehlt Paul, der wie Jürgen Witwer ist, noch: „Ich kann besser Autos reparieren“, seufzt er und lässt sich von Marina Izmaylova noch einmal zeigen, wie das Orangenfilet von der Haut getrennt wird. Auf das gemeinsame Essen am Ende des Abends freuen sich aber alle, eventuelle Reste werden in Tupperdosen mit heim genommen. Und die Küchen zuhause sind zumindest bis zum nächsten Tag blitzeblank und aufgeräumt.

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