Langenberger Keller

Die wechselhafte Geschichte des Langenberger Haus Kopes

„Da eine alte Inschrift zu erkennen ist, vermuten manche, dass die Treppe aus alten Grabsteinplatten besteht. Dafür gibt es aber keinen Beweis“, sagt Hausbesitzerin Jutta Mohnhaus-Ratajczak.

„Da eine alte Inschrift zu erkennen ist, vermuten manche, dass die Treppe aus alten Grabsteinplatten besteht. Dafür gibt es aber keinen Beweis“, sagt Hausbesitzerin Jutta Mohnhaus-Ratajczak.

Foto: Alexandra Roth

Langenberg.   Das ehemalige Kaufhaus Kopes hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Gebaut für die Aufbewahrung von Gütern, lebten hier auch Pferde.

Das ehemalige Kauf- und Lagerhaus Kopes blickt auf eine lange Geschichte zurück, die man im Ganzen betrachten muss, um auch die Funktionen des Kellers zu verstehen.

Das Gebäude ist aus Bruchstein gebaut und stammt aus dem Jahr 1602. Besitzerin Jutta Mohnhaus-Ratajczak blickt zurück: „Familie Meyberg, bekannte Langenberger Kaufleute, bauten das Gebäude als Lager. Es besteht auch die Möglichkeit, das weitere Kaufmannsfamilien das Haus als Lager für ihre Produkte nutzten.“ Damals gab es praktisch keine Zwischenwände oder Zimmer, dafür aber Gebälk und Flaschenzüge im Innenraum, um die schweren Produkte zu bewegen. Deshalb sind auch die Böden aus dicken Steinplatten, um das Gewicht der Lagergegenstände – wie etwa Stoffballen und Säcke voller Lebensmittel – tragen zu können.

Verkauft an zwei Colsmann-Brüder

Meybergs verkauften ihr Kaufhaus im Jahr 1845 an zwei Colsmann-Brüder, die das Gebäude nur zwanzig Jahre später der Stadt schenkten. Die Besitzerin erklärt: „Die Bedingung war, das Kopes-Haus als Armenhaus zu nutzen, und zwar für beide Konfessionen, was damals sehr fortschrittlich war.“ Danach ging das Haus in den Besitzt derer von Scheven über, die das Erdgeschoss als Bäckerei und Verkaufsraum und die oberen Geschosse als Lager nutzten. „Mein Vater war damals Bäckerlehrling und kaufte das Haus in den 50er Jahren von den (vorherigen) Besitzern“, sagt Mohnhaus-Ratajczak. Damals wurde das Brot noch von Pferdekarren ausgefahren.

Eisenhaken an der Decke zeugen von der Vergangenheit

Der alte Keller des Hauses hatte in den vielen Jahrhunderten schon verschiedene Funktionen, natürlich als Lagerraum – alte Eisenhaken zum Aufhängen von Lebensmitteln sind noch heute erhalten. Auch die Futtersäcke der Pferde wurden vermutlich daran befestigt, denn sogar als Stall wurde der große Kellerraum genutzt. Der Keller ist mit Steinplatten ausgelegt und besonders die Kellertreppe sorgt für Vermutungen: „Da eine alte Inschrift zu erkennen ist, vermuten manche, dass die Treppe aus alten Grabsteinplatten besteht. Dafür gibt es aber keinen Beweis“, so Jutta Mohnhaus-Ratajczak. Im Gegensatz zu vielen Kellern so tief im Tal läuft dieser nicht voll Wasser, wenn es viel regnet. Die Besitzerin erklärt: „Er schwitzt nur und wird leicht feucht. Meine Familie hat den Putz von den Kellerwänden entfernt, damit die Wände besser atmen konnten. Heute wird der Keller als Werkraum für grobe handwerkliche Arbeiten genutzt.“

Viele Häuser hatten eigene Brunnen

Neben den Brunnen in den alten Kellern des 16. und 17. Jahrhunderts existieren im Stadtkern von Langenberg noch heute Überreste von öffentlichen Brunnen. Ein gut erhaltener und besonderer Brunnen steht gegenüber der Wateler Mühle, direkt an der Mauer, die das Grundstück um die Alte Kirche begrenzt. Eine interessante Tatsache erklärt die Langenberger Architektin Barbara Brombeis: „Ursprünglich stand an genau dieser Stelle ein Wohnhaus, der Brunnen war ursprünglich im Keller angelegt worden. Als das Haus abgerissen wurde, bliebt der Brunnen funktionsfähig und wurde zum öffentlich nutzbaren Brunnen.“ Nicht jedes Haus und jede Familie hatte früher nämlich einen eigenen Brunnen im Keller. „Einen öffentlichen Brunnen gab es außerdem vor dem alten Haus ,Zum Püt‘ an der Hauptstraße 47. Er wurde unterirdisch vom Brunnen aus dem alten Haus ,Unten im Nastert‘ gespeist“, erläutert die Architektin.

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