Geschichte

„Die Serie Holocaust sprach die Emotionen an“

Meryl Streep spielt eine der Hauptrollen in der TV-Serie „Holocaust", die jetzt wieder gezeigt wird

Meryl Streep spielt eine der Hauptrollen in der TV-Serie „Holocaust", die jetzt wieder gezeigt wird

Foto: dpa Picture-Alliance

Langenberg.   In der kommenden Woche wird „Holocaust“ wiederholt. Mit Historiker Frank Overhoff sprachen wir über das damalige TV-Ereignis und seine Folgen

Nach genau 40 Jahren wiederholen die dritten TV-Programme ab der kommenden Woche die Serie „Holocaust“ über das Schicksal einer jüdischen Familie im nationalsozialistischen Deutschland. Die WAZ sprach mit Frank Overhoff über die Serie. Der ehemalige Schulpfarrer des Gymnasiums Langenberg forscht über die Geschichte der Juden hier vor Ort.

Die vierteilige Serie handelt von der fiktiven jüdischen Arztfamilie Weiss. Karl Weiss (James Woods) und Inga Helms (Meryl Streep) feiern 1935 in Berlin ihre Hochzeit. Beide sind Deutsche, aber Karl stammt aus einer jüdischen Familie. Wenig später erlassen die Nazis die Nürnberger Gesetze. Seitdem gilt die Ehe der beiden als „Mischehe“, die als so genannte Rassenschande unter Strafe gestellt ist. Dennoch geht die Familie Weiss nicht ins Ausland. Alle bis auf einen werden von den Nazis ermordet. Der Film war keine deutsche, sondern eine US-amerikanische Produktion.

Der eigenen Geschichte stellen

„Diese Produktion à la Hollywood sprach vor allem auch die emotionale Seite der Zuschauer an“, erinnert sich Frank Overhoff. „Sie begriffen, dass es Menschen wie Du und ich waren, denen die Nazis dieses Leid angetan haben“, so der Langenberger weiter. So sei auch eine Brücke zur Gegenwart geschlagen worden. Die Serie sei für viele Anlass gewesen, sich der eigenen Geschichte zu stellen, so Overhoff. Er will nun im Abstand von 40 Jahren noch einmal in die Serie hereinschauen.

Erregte Diskussionen

Vor 40 Jahren sorgte die Serie in Deutschland für erregte Diskussionen und löste intensive Debatten über die NS-Vergangenheit aus. Kritiker fanden es damals problematisch, das Schicksal der Juden in Deutschland als eine „Seifenoper“ darzustellen. Dennoch geriet mit „Holocaust“ Auschwitz ins kollektive Gedächtnis und der Begriff „Holocaust“ wurde Allgemeingut. Die Erstausstrahlung erreichte Einschaltquoten von bis zu 39 Prozent.

Neues Buch in Planung

Frank Overhoff beschäftigt sich weiter mit dem Schicksal der jüdischen Bevölkerung bei uns. „Ich will zeigen, dass sie im Laufe der Geschichte keineswegs nur Opfer waren, sondern ganz normale Mitbürger“, erklärt der ehemalige Schulpfarrer. Zum 80. Jahrestag der Pogromnacht wurden auf dem Langenberger Stadtgebiet Erinnerungstafeln für diese Mitbürger aufgestellt. Die für Neviges sind auch fertig und sollen auch demnächst aufgestellt werden, Tafeln für Velbert sollen folgen. Die Recherchen für die Tafeln waren so umfangreich, dass daraus ein neues Buch von Overhoff entstehen wird, Titel: „Die jüdische Tradition in Velbert“.

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