Heimatkunde

Die neue Stadtführerin zeigt das Langenberg der Gründerjahre

Stadtführerin Stefanie Rademacher (li.) hat zunächst Bekannte zur Probe durch Langenberg geführt.

Stadtführerin Stefanie Rademacher (li.) hat zunächst Bekannte zur Probe durch Langenberg geführt.

Foto: Ulrich Bangert / FUNKE Foto Services

Velbert-Langenberg.  Stefanie Rademacher hat sich dazu ein besonders, in die Epoche passendes Kleid zugelegt. Selbst Einheimische erfahren von ihr noch viel Neues

Langenberg hat eine neue Stadtführerin mit besonderem Schwerpunkt: Stefanie Rademacher erzählt aus „Langenberg in industrieller Blütezeit“. Für Stefanie Rademacher stand die Faszination der historischen Kleider im Vordergrund, als sie sich begann für die Zeit der Gründerjahre, in denen auch Langenberg seine industrielle Blüte erlebte, zu begeistern.

Um sich auf ihre Führung gut vorzubereiten, führte sie nun eine kleine Schar kritischer Freunde und Bekannte durch die Altstadt und hatte für alle Beteiligte Neues und Interessantes im Gepäck.

Natürlich lag der Reichtum der ehemaligen Stadt, das Engagement der Fabrikanten und die daraus entstandene Struktur des Ortsteils im Fokus der Gästeführerin, die ein gutes Gespür auch für ihre Gäste hatte. Von der Villa Au ging es durch das „Industriegebiet von Langenberg“, zwischen „Pauls Kathedrale und den Lagerstätten hindurch“ zu einer der ersten Fabriken, damals noch in der Bachstraße gelegen: das Haus „In der Flöte“, in dem die Firma Volkenborn gegründet wurde.

Warum Bayern ein Königreich wurde

An der Grenze zwischen Rheinland und Westfalen hatte Rademacher eine von vielen witzigen und interessanten Geschichten parat: „Langenberg ist indirekt mitverantwortlich dafür, dass Bayern ein Königreich wurde.“ Dann erzählte sie von der kuriosen Geschichte um die Grenze von Bayern und Preußen. Es ging vorbei an dem ersten Geschäftshaus des auch heute noch in Langenberg tätigen Unternehmens Lumbeck, dem Klein Primes, vorbei am Haus im Kopes, ein Geschenk von Meybergs an die Stadt mit der Maßgabe, dort ein Krankenhaus einzurichten.

Mit viel Begeisterung dabei

Diese und noch viele weitere Geschichten bereichern die neue Führung, die die Langenbergerin mit viel Begeisterung und fast unendlich scheinendem Wissen vermittelt. Immer wieder lief sie vorneweg, edel gekleidet in einem selbstgeschneiderten Tournure-Kleid nach einer Vorlage aus dem Jahr 1870.

Vor zwei Jahren hatte Stefanie Rademacher noch selbst als Besucherin gleich an allen drei angebotenen kulinarischen Stadtführungen teilgenommen und entschieden, dass sie „das auch machen“, sprich Führungen anbieten wolle. Intensiv hat sie sich seitdem mit der Stadtgeschichte auseinandergesetzt, Objekte herausgesucht, die sich besonders eignen: entweder aufgrund des allgemeinen geschichtlichen Rahmens, der Bedeutung für den Stadtteil oder weil es interessante Geschichten dazu gibt.

Beinahe ein Raub der Flammen

Es sprudelte nur so aus ihr heraus, vor allem um Themen, die die industrielle Blütezeit und Industrialisierung betrafen. Bei der Testführung begleitete Rademacher auch ihr Ehemann Arnd Rademacher, der selbst eine recht neuzeitliche Geschichte ergänzen konnte. Rademacher hatte Bereitschaftsdienst, als 1997 der Brand des Hauses „Unter der Heggen“ bei der Feuerwehr gemeldet wurde: „Die Flammen im Öhlersberg waren weithin sichtbar, die Schieferfassade der Funke Bäckerei hat das Schlimmste verhindert.“ Er erläuterte, während die Gruppe den Öhlersberg erklomm, dass schnell die gesamte Altstadt hätte brennen können.

Oben auf der Hauptstraße ging es dann wieder um Seidenbänder und Tuche, um Eisenbahn, Dampf und Kohlenwege, um den ersten Bismarckturm aus Holz und um Klio, die für Kriegsmunition eingeschmolzen wurde.

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