Frauenhaus

Gewalt gegen Frauen ist im Kreis Mettmann subtiler geworden

Offene Ohren und tröstende Worte hat Frederike Stashik, die Leiterin des Frauenhauses Mettmann, für die Bewohnerinnnen.

Offene Ohren und tröstende Worte hat Frederike Stashik, die Leiterin des Frauenhauses Mettmann, für die Bewohnerinnnen.

Foto: Alexandra Roth

Kreis Mettmann.   28 Frauen fanden 2016 im Frauen- und Kinderschutzhaus des Kreises Mettmann Hilfe. Deutlich mehr musste das Haus aus Platzmangel abweisen.

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28 Frauen fanden im vergangenen Jahr im Frauen- und Kinderschutzhaus des Kreises Mettmann Unterschlupf. 46 Hilfesuchende hingegen musste Heimleiterin Frederike Stashik abweisen, weil das Haus voll besetzt war. „Ein verfügbarer Platz bleibt maximal ein bis zwei Tage frei“, sagt Stashik.

Als besonders angespannt schätzt die 30-Jährige die Situation dennoch nicht ein. Man sei gut vernetzt, Frauen, die im Mettmanner Haus keinen Platz finden würden, könnten fast immer an ein anderes Frauenhaus vermittelt werden.

Entfernung kann helfen

„Für den Schutz der Frau ist es vorteilhaft, wenn sie weiter von ihrem Heimatort entfernt ist“, sagt Rita Rüttger, Bereichsleiterin beim SKFM Mettmann, der Träger des Hauses ist.

Seit 2014 ist die Zahl der Fälle, die der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt Mettmann (ebenfalls SKFM) gemeldet wurden, stark angestiegen. 435 Gewalttaten waren es 2014, im Folgejahr 619 Fälle, davon allein 85 in Velbert.

Mehr Fälle häuslicher Gewalt werden angezeigt

Das bedeutet aber nicht, dass die Gewalt in Beziehungen zwangsläufig zugenommen hat. „Das liegt sicherlich auch an einem anderen Anzeigenverhalten“, sagt Ulrich Löhe, Pressesprecher der Polizei Mettmann.

So sieht es auch Rüttger: „Früher war die Dunkelziffer noch höher. Es gibt mittlerweile eine breite Öffentlichkeit – und ein Bewusstsein bei den Frauen, dass sie das nicht ertragen müssen und sich helfen lassen können.“

Art der Gewalt hat sich verändert

Verändert hat sich indes die Art der Gewalt. „In den 90ern sind wir mit den Frauen oft zuerst zum Arzt gegangen“, erinnert sich Rüttger. „Jetzt ist die Gewalt subtiler.“

Die Frauen würden von ihren Partnern finanziell abhängig gemacht, erhielten keinen Zugang zu Konten. Hinzu komme eine soziale Isolation. Der Umgang mit Freunden, Familie oder die Mitgliedschaft in einem Verein würden untersagt.

Cybermobbing geht auch im Frauenhaus weiter

Viel passiere auch über das Netz. Stichwort Cybermobbing. „Auch wenn die Frauen bei uns sind, gehen Beleidigungen und Demütigungen über soziale Netzwerke weiter“, berichtet Stashik.

Oft kommt dann noch die körperliche Gewalt hinzu. „Es gibt Partner, die sind lebensgefährlich für die Frau – auch noch später“, sagt Rüttger.

Auch ältere Gewaltopfer suchen Hilfe im Frauenhaus

Und noch etwas hat sich verändert: immer mehr ältere Frauen wagen den Schritt, sich Hilfe zu suchen. „Jedes Jahr melden sich Seniorinnen bei uns, weil sie die Gewalt zuhause nicht mehr aushalten“, sagt Rüttger.

Im Schnitt bleiben die Frauen drei bis vier Monate im Frauenhaus. „Die Aufenthaltsdauer hat sich verlängert, weil es länger dauert, bis die Frauen eine Wohnung finden“, sagt Rüttger.

Aktuell lebt auch eine Flüchtlingsfrau im Schutzhaus. Die Hemmschwelle, sich Hilfe zu suchen, sei bei dieser Gruppe besonders hoch. Hinzu komme hier unter anderem noch mangelnde Sprachkenntnis oder ein anderes Rollenverständnis im Heimatland. Rüttger: „Das ist ein großes Thema, und dem stellen wir uns auch.“

>>HILFE UND BERATUNG FÜR BETROFFENE

Acht Frauen und ihre Kinder können gleichzeitig im Frauen- und Kinderschutzhaus Mettmann unterkommen.

Hilfe und Beratung erhalten Gewaltopfer unter 02104/92 22 20 (Frauenhaus) oder 02104/ 14 19221 (Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt). Hier gibt es eine Karte aller Frauenhäuser mit Anzeige freier Plätze.

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