Sammeln

Der Velberter Josef Pritzl lässt Euro-Scheine drucken

Josef Pritzl sammelt, entwirft und produziert Null-Euro-Scheine

Josef Pritzl sammelt, entwirft und produziert Null-Euro-Scheine

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert.  Der 50-Jährige sammelt und produziert Euro-Scheine. Bezahlen kann man mit den Geldnoten nicht, aber sie sind trotzdem einiges wert.

Euroscheine hat Josef Pritzl gleich bündelweise in seiner Velberter Wohnung. Nur bezahlen kann er damit leider nirgendwo. Denn der Velberter sammelt und produziert mittlerweile selbst Null-Euro-Scheine. Eines seiner jüngsten Werke ziert Schloss Hardenberg.

Die Sammelleidenschaft hat Josef Pritzl schon seit längerem gepackt. Waren zunächst Münzen die Objekte seiner Begierde, entdeckte er 2016 die Null-Euro-Scheine. Der Franzose Richard Faille hatte ein Jahr zuvor die Idee mit den Euroscheinen, die Sehenswürdigkeiten zeigen und oft in Touristikbüros oder Museen zum Preis von zwei bis drei realen Euro verkauft werden und so eine schöne Erinnerung für die Besucher darstellen. Faille hatte zuvor schon Gedenkmünzen von Sehenswürdigkeiten erstellt, die teilweise auch in Automaten verkauft werden.

Es begann mit dem Römerberg

Seit drei Jahren sammelt der Velberter nun die lila Scheine. Sein erster zeigt die Abbildung des Römerberges in Frankfurt. Auf der Rückseite der Null-Euro-Scheine, die sich übrigens auch wie echtes Geld anfühlen, sind europäische Wahrzeichen abgebildet. „Wegen des bevorstehenden Brexits ist Big Ben mittlerweile verschwunden“, erläutert Josef Pritzl. Mit dem Römerberg ging es los. Er stöberte im Onlinemarktplatz Ebay und wurde vielfach fündig. Mittlerweile füllen die Scheine mehrere Sammelalben, Pritzl ist „Nullionär“.

Und wie das mit Sammelobjekten so ist, gewinnen sie auch an Wert. „Ein Schein des MSV Duisburg, der nur an Mitarbeiter der Stadtverwaltung ausgegeben wurde, kostet mittlerweile in Sammlerkreisen 200 Euro“, sagt Pritzl. Es gibt sogar eigene Sammelkataloge für die Null-Euro-Scheine und auch Extra-Sammelalben.

In der französischen Gelddruckerei

Irgendwann kam Josef Pritzl dann der Gedanke, selbst solche Scheine herzustellen und das macht er mittlerweile. Er sucht sich ein Motiv und setzt sich mit den zuständigen Behörden und Institutionen auseinander, sucht auch einem Abnehmer. Schließlich erstellt er ein Foto der Sehenswürdigkeit und schickt es mit dem genauen Entwurf des Scheines an eine Agentur, die dann die Druckvorlage erstellt. „Gedruckt werden die lila Scheine dann in der französischen Gelddruckerei“, betont Josef Pritzl. Das unterscheide die „echten“ Scheine auch von Nachahmerprodukten.

In einer Auflage von 5000 Stück

Sein erstes Werk war dann das Schloss Wittringen in Gladbeck. Viele weitere Motive folgten bereits, unter anderem die Barmer Bergbahn, zwei ostdeutsche Schlösser folgen in Kürze. Und eben Schloss Hardenberg. In einer Auflage von 5000 Exemplaren werde die Scheine gedruckt. „1000 Exemplare gehen an Sammler und Händler, der Rest in den freien Verkauf“, berichtet der 50-Jährige. Was als Hobby begann, ist zu einem Nebenjob des Industriekaufmanns geworden. Das Gestalten, Versenden sowie die Steuererklärungen verschlingen schon einmal einen ganzen Samstag.

Türkische Euro-Scheine

Ideen für weitere Motive hat er jede Menge: So vielleicht das neue Schlossmuseum, das im nächsten Jahr eröffnet wird. Etwas enttäuscht ist Pritzl vom Echo im Kreisgebiet. „Ich habe alle Städte angeschrieben, die Resonanz war nicht groß“, bedauert er. Aber den Spaß an seinen Null-Euro-Scheinen trübt das nicht und auch nicht seine Sammelleidenschaft. „Es gibt da auch skurrile Dinge wie Fehldrucke“, sagt er. Oder türkische (!) Euro-Scheine mit dem Staatsgründer Atatürk darauf.

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