Hospiz

Der Hospizverein Niederberg sucht weitere Ehrenamtler

Dr. Gerd Hattingen (von links, 2. Vorsitzender), Andrea Schynlenk (Koordinatorin), Hans-Henning Pistor (Mitglied) und Katharina Hähnel (Besucherin) schauen sich das Modell des Hospiz-Neubaus an

Dr. Gerd Hattingen (von links, 2. Vorsitzender), Andrea Schynlenk (Koordinatorin), Hans-Henning Pistor (Mitglied) und Katharina Hähnel (Besucherin) schauen sich das Modell des Hospiz-Neubaus an

Foto: Uwe Möller

Velbert-Mitte.   Die Sterbebegleiter des Vereins helfen Todkranken und Angehörigen. Koordinatorin Barbara Stulgies spricht über die Aufgaben und Voraussetzungen.

Zum Leben gehört auch der Tod. Während die Menschen aber gerne über freudige Erlebnisse berichten, ist für viele das Thema Sterben tabu. Die Sterbebegleiter des Hospizvereins Niederberg beschäftigen sich bei ihrer Tätigkeit aber genau mit diesem Thema. Der Verein sucht dafür jetzt weitere Ehrenamtler.

„Früher gehörte das Sterben in die Familien. Aber die gesellschaftliche Struktur hat sich verändert. Viele Menschen leben ohne Angehörige oder ihre eigenen Angehörigen sind vor ihnen gestorben“, erklärt Barbara Stulgies, seit Dezember 2016 ist sie eine Koordinatorin des Hospizvereins. „Erst Mitte der 80er Jahre hat sich ein Wandel beim Thema Sterben gezeigt und es wurde begonnen, darüber zu sprechen.“ Vorher, das weiß die Expertin, „gab es sogar den ‘Tod im Badezimmer’; da wurden Sterbende, die in einem Mehrbettzimmer gelegen haben, zum Sterben ins Badezimmer geschoben, damit die anderen nicht gestört werden.“

Besuche helfen auch den Angehörigen

Doch jeder hat einen würdevollen Tod verdient. Die Sterbebegleiter sind auf dem letzten Weg für die Menschen da. Egal ob jung, und durch eine Krankheit dem Tod nahe oder alte Menschen, die einfach ihre Lebenszeit hinter sich haben.

Die Besuche der Sterbebegleiter helfen nicht nur den Patienten, sondern auch den Angehörigen. „Sei es, dass ein Ehepartner vielleicht einfach mal zwei Stunden vor die Tür gehen kann“, so Stulgies. „Es gibt keinen festen Plan, was bei den Besuchen geschehen muss, vor allem muss nicht immer über den Tod gesprochen werden.“

Ob Spiele gespielt werden, aus einem Buch vorgelesen oder vielleicht einfach ein bloßes Anwesensein des Sterbegleiters gewünscht sind, kommt immer auf den Menschen und die Situation an. „Jeder Mensch ist individuell und genauso sind es unsere Sterbebegleiter auch.“

Intensives Erstgespräch

Die Koordinatorinnen lernen die Sterbebegleiter nicht nur in einem intensiven Erstgespräch kennen, sondern insbesondere während der Ausbildung. Stulgies: „Man bekommt ein Gefühl dafür, welcher Begleiter zu welchem Sterbenden passt, nur ganz selten passiert es, dass dann die Chemie vor Ort nicht stimmt.“ Derzeit sind etwa 37 Sterbebegleiter beim Hospizverein für die letzten Momente im Leben anderer da.

Um die eigene Erfahrung mit dem Tod des Patienten zu verarbeiten, gibt es regelmäßig Supervisionen, also Gespräche, bei in denen sich die Ehrenamtlichen austauschen können. „Wenn eine Begleitung einen unserer Mitglieder massiv belastet hat, bieten wir auch Einzelgespräche an“, und jeder Sterbebegleiter bekommt die Zeit, die er benötigt, um den Tod seines Patienten vollkommen zu verarbeiten.

Neue Ausbildungstermine

Die Ehrenamtler kommen aus fast allen Berufen, „es sind nicht nur Krankenschwestern, sondern auch Blumenverkäufer oder Mitarbeiter vom Ordnungsamt, der Beruf ist uns egal“, so Stulgies. Wichtig sei vielmehr, dass die Ehrenamtler sich selbst intensiv mit dem Thema Tod und Sterben auseinander setzen. „Wenn uns in einem Erstgespräch jemand erzählt, er hat viele Ideen und Konzepte, was getan werden kann, ist das schwierig. Man selbst steht bei diesem Ehrenamt nicht im Mittelpunkt, das sollte man wissen.“

Im nächsten Jahr werden neue Sterbebegleiter ausgebildet. Wer Interesse an dem Ehrenamt hat, kann mit dem Hospizverein einen individuellen Termin für ein Erstgespräch vereinbaren.

>>> KRANKENKASSEN ÜBERNEHMEN GROSSTEIL DER KOSTEN

  • Die Arbeit des Hospizvereins trägt sich mittlerweile zu 95 Prozent durch die Kostenübernahme der Krankenkassen. Lediglich fünf Prozent werden mit Spenden abgedeckt.
  • Wesentlich mehr Spenden bedurfte es, damit das Hospiz gebaut werden kann. Der Baubeginn ist nun im Frühjahr 2018 an der Cranachstraße fest geplant.
  • Kontakt zum Hospizverein an der Poststraße 193 gibt es telefonisch unter 02051/ 207941. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Mittwoch von 9 bis 12 Uhr sowie Donnerstag von 15 bis 17 Uhr.

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