Bildung

Der Datenschutz macht den Schulen Probleme

Datenschutzverordnungen machen auch vor Zeugnissen nicht Halt.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Datenschutzverordnungen machen auch vor Zeugnissen nicht Halt. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

VElbert.   Lehrer dürfen Noten nur unter Bedingungen auf Privat-Computern speichern. Handschriftliche Zeugnisse wird es in Velbert deswegen aber nicht geben

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Die neue Datenschutz-Verordnung der Europäischen Union hat für Verbraucher viele Vorteile. Wir wissen besser darüber Bescheid, was mit unseren persönlichen Daten passiert. Die neuen Regeln verursachen aber auch viele ungeahnte Probleme – so wie jetzt in vielen Schulen, wenn die Lehrer zahlreiche Zeugnisse schreiben müssen.

Nicht auf privatem PC speichern

Das machen viele zu Hause an ihrem privaten PC – abends oder am Wochenende. Wegen der neuen Datenschutz-Regeln dürfen Lehrer die personenbezogenen Daten – also auch die Schulnoten – aber nicht mehr ohne Weiteres auf dem privaten PC speichern. „Die Datenschutz-Verordnung hat das auf den Punkt gebracht, dass Lehrer sich das von der Schulleitung genehmigen lassen müssen“, sagt Arnfried Szymanski, Schulleiter der Regenbogenschule in Neviges.

Namen per Hand

Die Anforderungen daran seien aber so hoch, dass viele Lehrer sie nicht erfüllen könnten oder wollten. Deswegen wird eine Grundschule im Düsseldorfer Stadtteil Kaiserswerth die Zeugnisse in diesem Jahr per Hand schreiben. In der Schule stehen den Lehrern nur zwei sichere Computer zur Verfügung, die reichen nicht aus.

Um das zu vermeiden, hat sich die Regenbogenschule eine alternative Lösung ausgedacht: „Wir schreiben die Zeugnisse am PC und tragen die Namen dann handschriftlich ein.“ Der Schulleiter geht davon aus, „dass wir rechtzeitig damit angefangen haben“, um alle Zeugnisse fertigzustellen. Ärgerlich sei das Ganze aber dennoch: „Wir haben vor ein paar Jahren ein Zeugnisprogramm angeschafft. Das können wir jetzt nicht mehr nutzen.“

Keine Probleme an der GGS Birth

An der Grundschule Birth gibt es diese Probleme nicht. Hier stehen den Lehrern genügend Computer zur Verfügung, dass sie ihre privaten Geräte nicht zum Schreiben der Zeugnisse nutzen müssen.

Auch Michael Anger, Schulleiter am Nikolaus-Ehlen-Gymnasium, ist gelassen. „Es gibt eine Schulmail, dass jetzt kein Handlungsdruck besteht“, erzählt er. An einem großen Gymnasium sei es ohnehin nicht zu leisten, die Zeugnisse handschriftlich zu schreiben. „Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder die Lehrer unterschreiben, dass sie einen passwortgeschützten PC nutzen und nicht leichtfertig mit den Daten umgehen. Oder sie tragen die Noten in der Schule ein. Dann liegen sie auf einem gesicherten Server hier in Velbert“, erklärt der Schulleiter.

Verordnung gibt es seit 1996

Schon seit 1996 gibt es eine „Verordnung über die zur Verarbeitung zugelassenen Daten der Lehrerinnen und Lehrer“, teilt eine Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf auf Anfrage mit. Die neue europäischen Datenschutz-Verordnung habe mit dem Problem also gar nicht viel zu tun, hieß es weiter.

Genehmigung einholen

Auf der Internetseite des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen findet sich seit Anfang dieses Jahres aber auch ein Genehmigungsvordruck, den die Lehrer von der Schulleitung unterschreiben lassen müssen – elf Seiten lang. Hier ist unter anderem geregelt, dass der PC passwortgeschützt sein muss, dass die Daten verschlüsselt werden müssen, dass eine aktuelle Virenschutz-Software installiert sein muss und das Betriebssystem und Virenschutz regelmäßig aktualisiert werden müssen.

Außerdem müssen die Lehrkräfte die genaue Bezeichnung des Computers und seine Seriennummer angeben.

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